Scoring Die Schulden der anderen

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Viele Internetshops lassen ihre Kunden nicht per Rechnung bezahlen. Oft reicht schon eine „falsche“ Adresse.

Risiko: Verlangen Internetläden von Ihnen immer Vorkasse, wenn Sie etwas bestellen? Dann wohnen Sie vielleicht in der falschen Straße und Ihre Nachbarn sind Schuld. Wenn nur einer von ihnen eine einzige Rechnung nicht bezahlt hat, kann es sein, dass der Händler die ganze Straße auf „Risiko“ gesetzt hat. Dann gelten alle Kunden, die dort leben, automatisch als unsichere Zahler – ganz gleich, wie zuverlässig sie bisher waren.

Ausfall: Mit diesem „Geoscoring“ versu­chen Versandhändler, Zahlungsausfälle zu vermeiden. Beim Geoscoring geht es nicht um individuelle Merkmale des Kunden. Vielmehr reicht es, wenn er in einer Gegend wohnt, in der es schon einmal Zahlungsausfälle gab. Tippt er bei der Bestellung Name und Anschrift ein, werden diese Daten sekundenschnell von externen Zahlungsdienstleistern überprüft, zum Beispiel über Schufa, Creditreform oder Bürgel. Und wenn die abwinken, bekommt der Kunde nur gegen Vorauskasse Waren.

Test: Wir haben uns stichprobenartig bei 32 Onlineshops angemeldet – mit völlig identischen Daten, aber unterschiedlichen Adressen, die eine in einer Nobelgegend, die andere in einem sozial schwachen Viertel. 26 Händler machten keinen Unterschied, aber 6 Läden bestanden bei der Kiezadresse auf Vorkasse oder Kreditkarte, per Rechnung ging nichts. „Das muss nicht an Ihnen liegen“, tröstete ein Händler unsere Testperson: „Wahrscheinlich gab es in Ihrer Straße schon mal einen Zahlungsausfall.“

Diskriminierung: „Das ist unzulässig“, urteilt Dr. Thilo Weichert, Datenschutzbeauftragter des Landes Schleswig-Holstein. „Niemand darf allein aufgrund seines Wohnortes diskriminiert werden.“ Das legt ab 1. April 2010 auch eine Novelle des Bundesdatenschutzgesetzes fest: „Ein Wahrscheinlichkeitswert für ein bestimmtes zukünftiges Verhalten darf nur verwendet werden, wenn nicht ausschließlich Anschriftendaten genutzt werden“, heißt es dort.

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