Schweinegrippe Meldung

War die Aufregung um die Schweinegrippe die größte Marketingkampagne aller Zeiten – ein Coup von Lobbyisten?

Die Situation: Von den gegen die Schweinegrippe bestellten 50 Millionen Impfdosen Pandemrix wurden nur 7 bis 8 Millionen verbraucht. In deutschen Kühlanlagen lagern zurzeit 27 Millionen Impfdosen für 225 Millionen Euro. Auch eingelagerte Neuraminidasehemmer wie Tamiflu müssen wohl abgeschrieben werden.

Der Verdacht: Die Redaktion des „arznei-telegramm“ hat unter dem Titel „Die gesponserte Pandemie – die WHO und die Schweinegrippe“ Fakten problematisiert, die ein fragwürdiges Licht auf die Kampagne der letzten Grippesaison werfen. Zum Teil von Lobbyisten veranlasste Änderungen der WHO-Pandemieleitlinien hätten zu einer massenhaften Bestellung des Impfstoffes geführt. Wegen des milden Verlaufs der Schweinegrippe sind die Länder nun aber darauf sitzengeblieben.

Die Interessenkonflikte: Verstärkt in die Kritik gerieten unter anderem ein Bericht des Gesundheitsausschusses des Europarats sowie der Weltgesundheitsorganisation, die dazu beigetragen haben sollen, „öffentliche Gelder zu verschwenden“. Vorwurf: Mitglieder von WHO-Expertengremien sind finanziell auch mit der Pharmabranche verbunden. Die Einstufung der Schweinegrippe als Pandemie – Startschuss für die Impfstoffproduktion – wäre ohne eine durch diese Experten mit veranlasste Änderung nicht möglich gewesen. Die Passage, wonach nur dramatische Entwicklungen wie sehr hohe Erkrankungs- und Todeszahlen Voraussetzung für die Einstufung als Pandemie sind, wurde gestrichen.

Der Gewinn: 1,1 Milliarden Dollar mehr Umsatz allein bei Novartis im ersten Quartal 2010 geht auf Schweinegrippeimpfstoffe zurück. Der Reingewinn stieg um rund die Hälfte.

Die Konsequenzen: Die WHO will „Maßnahmen ergreifen“, welche „die Organisation vor Rat schützen sollen, der durch kommerzielle Interessen beeinflusst ist”. Wie die konkret aussehen, bleibt aber im Dunkeln.

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