Schwarzkümmel (Öl) Meldung

Die kleinen schwarzen Samenkapseln und ihr Öl sind seit einiger Zeit ein sehr beliebtes Naturheilmittel. Wie nützlich Schwarzkümmel für die Gesundheit wirklich ist, bleibt aber ungewiss.

Türkischem Fladenbrot verleihen die Samen des Schwarzkümmels die pikante Würze. Sein Öl ­ Gesichtsmasken und Haarkuren beigemengt ­ fördert Schönheit und Wohlbefinden. Nun steht das seit Jahrhunderten kultivierte Hahnenfußgewächs auch als gesundheitsförderndes Nahrungsergänzungsmittel hoch im Kurs. Außerdem soll es Schnupfen und Schuppenflechte, Fußpilz, Kopfschmerz, Gelenkschmerzen und Zahnschmerzen sowie diverse andere Wehs und Achs lindern und heilen.

Die historische Wurzel solcher Aussagen geht zurück auf Mohammed. Er behauptete vor 1.500 Jahren, Schwarzkümmel heile "jede Krankheit außer dem Tod". Doch schon lange vor Mohammed glaubte man an die besondere Wirkung von Schwarzkümmel. Im Grab des Pharao Tut-ench-amun fand sich ein Fläschchen Schwarzkümmelöl als Beigabe für das Leben nach dem Tod. Im zehnten Jahrhundert gelangte Schwarzkümmel als Heilmittel in "Das Buch der Genesung der Seele" des islamischen Arztes Ibn Sina, das über ein halbes Jahrtausend das Standardwerk an europäischen Universitäten war.

In der ägyptischen Volksmedizin wird Schwarzkümmel heute noch als blähungsmindernder und harntreibender Tee und sein ausgepresstes Öl zur Behandlung der oberen Luftwege empfohlen. In der indischen ayurvedischen Medizin findet vor allem seine angeblich milchsteigernde Wirkung bei stillenden Müttern Beachtung.

In der Ernährung

Schwarzkümmel (Öl) Meldung

Seit jeher beliebt ist Schwarzkümmel beim Kochen und Backen, zur Verfeinerung von Speisen. Die Samen des Schwarzkümmels werden in vielen Ländern eingesetzt, um die Verdauung zu fördern, das Aroma zu intensivieren und die Bekömmlichkeit zu steigern, so etwa bei Kaffee oder Brot. Er eignet sich auch zum Einlegen von Gemüse: Bereits ein Teelöffel des Samens als Beimischung in das Einweckglas verlängert die Haltbarkeit der Speisen deutlich.

Eine amerikanische Untersuchung verglich über 4.000 Rezepte aus 93 traditionellen Kochbüchern rund um den Globus. Ergebnis: Je heißer das Klima, umso eher werden antimikrobiell wirksame Küchenkräuter eingesetzt, zu denen auch Schwarzkümmel gehört. Die Autoren der Studie folgern daraus, solche Gewürze garantierten Gesundheit und ein langes Leben.

In unseren Breiten werden Samen, Öl und Kapseln angeboten ­ zum Einnehmen und Einreiben, für Teezubereitungen und zum Inhalieren, als Zutaten für Salat und Brotteig. Zwei Ölarten werden aus den Samen des Schwarzkümmels hergestellt: ein fettes und ein duftendes, ätherisches Öl. Beiden wird eine gesundheitsfördernde Wirkung zugeschrieben. Beim flüchtigen, ätherischen Öl ist vor allem Thymochinon (Anteil rund 30 Prozent) hervorzuheben, das keimtötende Eigenschaften besitzt.

Aus einer Tonne Schwarzkümmelsamen entstehen durch einen Verdampfungsprozess etwa zwei bis dreieinhalb Kilogramm ätherisches Öl. Das fette Öl wird kalt gepresst oder durch chemische Lösungsmittel gewonnen.

Allerdings gibt es keinerlei Vereinbarungen über Qualitätsmerkmale von Schwarzkümmelöl. Bei biologischen Produkten variiert der Gehalt der einzelnen Bestandteile je nach Anbaugebiet und Pflanze. Schwarzkümmel hat mehr als hundert Inhaltsstoffe.

Inzwischen gibt es Belege, dass auch das fette Öl ­ schonende Verarbeitung vorausgesetzt ­ wertvolle Bestandteile hat. Es enthält etwa 50 bis 60 Prozent Linolsäure ­ eine lebenswichtige ungesättigte Fettsäure. In seiner Qualität ist es mit Soja-, Distel- und kaltgepresstem Sonnenblumenöl, also hochwertigen und preiswerteren Speiseölen, vergleichbar. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt beispielsweise rund 6,5 Gramm essentielle Fettsäuren pro Tag für junge Erwachsene. Wie viele andere Öle kann Schwarzkümmelöl so zu einer Senkung der Blutfettwerte beitragen.

Der strenge Geschmack des Schwarzkümmelöls mag ein Grund dafür sein, dass es als Nahrungsergänzungsmittel in Kapselform angeboten wird. Die Werbebotschaften auf den Etiketten sind allerdings eher allgemein gehalten. "Wichtig für den Zellstoffwechsel" oder "Ausgewogenheit in der Nahrung ist oft nicht mit reinen Nahrungsmitteln zu erreichen" oder "Schwarzkümmelöl enthält viele Fettsäuren" ist dort zu lesen. Unbedingt notwendig ist eine solche Nahrungsergänzung allerdings nicht.

In der Medizin

Schwarzkümmel (Öl) Meldung

Etliche Bücher stellen Schwarzkümmel in Ratgeber-Manier dar: von "Natürlich heilen mit Schwarzkümmel" bis hin zu "Das große Schwarzkümmel-Handbuch". Sie schildern den Gebrauch der schwarzen Samen in Küche und traditioneller Medizin, die Rolle der ungesättigten Fettsäuren im Körper, die Anleitung zur "Selbstmedikation", die von Abwehrschwäche über Potenzstörungen bis zu Zahnschmerzen reicht. Auch der Einsatz des Öls bei Hauterkrankungen wird propagiert.

Wissenschaftliche Studien zur medizinischen Bedeutung von Schwarzkümmel, zumal mit Patienten, gibt es bisher nur wenige. Vor allem sind die Erkrankungen, die sie lindern oder heilen sollen, nicht untersucht worden. Nachgewiesen ist bisher eine gewisse antibakterielle Wirkung, durch die sich das ätherische Schwarzkümmelöl eventuell für eine kombinierte Anwendung mit herkömmlichen Antibiotika anbieten würde. Außerdem soll es gegen Pilzinfektionen wirken. Diese Aussage stützt sich jedoch auf eine einzige Studie. Eine Emulsion des Öls hatte außerdem eine Wirkung auf Wurmparasiten, die mit herkömmlichen Mitteln vergleichbar sein soll ­ allerdings nur im Reagenzglasversuch.

Die Ratgeber heben besonders die positive Beeinflussung des Immunsystems hervor. Tatsächlich wurde nach einer fünfwöchigen Schwarzkümmelanwendung 1987 in einer Studie ein anregender Einfluss auf einzelne Bestandteile des menschlichen Immunsystems beobachtet, nämlich auf die T-Helferzellen. Bis heute sind allerdings keine Einzelheiten veröffentlicht worden.

In Ägypten wird Schwarzkümmel traditionell wegen seiner angeblich blutzuckersenkenden Wirkung eingenommen. Aber bei den häufig zu diesem Zweck angewandten Teemischungen schien nicht der Schwarzkümmel der hierfür verantwortliche Bestandteil zu sein, sondern andere Inhaltsstoffe. Das ergaben Tierversuche.

Eine weitere wissenschaftliche Arbeit beschreibt die Hemmung der Magensaftproduktion durch einen wässrigen, aus den Samen gewonnenen Pflanzenauszug bei Ratten. Auch eine krampflösende sowie beruhigende Wirkung wurde beobachtet, ebenfalls nur im Tierversuch. Eine entzündungshemmende Wirkung der ätherischen Anteile von Schwarzkümmel, zum Beispiel bei Rheuma, ist zwar nicht auszuschließen, wurde bisher aber nur bei Ratten gefunden.

Fazit:

Zwar gibt es keine gesundheitlichen Bedenken gegen Schwarzkümmelöl, ein praktischer Nutzen ist aber nicht zu erkennen. Kontrollierte Studien mit Patienten, die einen vorbeugenden medizinischen oder therapeutischen Einsatz von Schwarzkümmelöl begründen, stehen aus. Die in den Kapseln enthaltenen Mengen an Nährstoffen sind außerdem so gering, dass sie ernährungsphysiologisch nicht von Bedeutung sind. Die gesundheitlich wertvolle Linolsäure ist in herkömmlichen Speiseölen ohnehin enthalten.

Dieser Artikel ist hilfreich. 1737 Nutzer finden das hilfreich.