Schwarzer Tee im Test Test

Gern einge­schenkt. Gut 20 Liter Schwarztee trinkt jeder Bundes­bürger im Jahres­durch­schnitt.

In allen 27 Darjee­ling- und Ceylon-Assam-Tees fanden wir Schad­stoffe – teils in sehr geringer, teils in hoher Dosis. Drei Tees sind mangelhaft, nur acht gut.

Der Befund über­raschte selbst unsere Lebens­mittel­chemiker. Und forderte sie heraus. Sie hatten Anthrachinon im Tee vermutet – aber nicht in dem Ausmaß. Die chemische Analyse ergab: Alle Darjee­lings und Ceylon-Assams sind belastet. Teils nur sehr gering, teils sehr deutlich.

Wie Anthrachinon in den Tee gelangt, war unklar. Wie die Funde zu bewerten sind auch. Im Tier­versuch wirkt der Stoff krebs­er­regend. „Es liegen keine eindeutigen Daten zur Toxikologie für den Menschen vor“, sagt ein Sprecher des Bundes­instituts für Risiko­be­wertung (BfR). Es gelte das Prinzip: Den Stoff so weit wie möglich minimieren.

Schwarzer Tee: Schadstoffe bei Darjee­ling und Ceylon-Assam

Weitere Analysen und Recherchen ergaben: Die Substanz könnte etwa beim Trocknen der Teeblätter entstehen und scheint zurzeit nicht ganz vermeid­bar. Damit nicht genug: Anthrachinon ist zwar der über­raschendste, aber nicht der einzige Schad­stoff in den Tees. Unser Labor entdeckte weitere potenziell krebs­er­regende Substanzen. Welche Schadstoffe die Chemiker in den Tees entdeckten.

Zwei Ceylon-Assam-Mischungen im Test und ein Darjee­ling sind so stark belastet, dass das Qualitäts­urteil nur lauten kann: mangelhaft. Für drei Biotees heißt es am Ende: ausreichend. Testergebnisse: Schwarzer Tee 11/2014.

Für eine generelle Warnung, auf schwarzen Tee zu verzichten, gibt das bekannte Wissen über die Schad­stoffe aber keinen Anlass. Fünf Produkte enthalten nur sehr wenig von den unerwünschten Substanzen. Das Schad­stoff­urteil lautet daher gut.

In Geruch und Geschmack schneiden fast alle Tees gut ab. Die Darjee­lings scheinen laut chemischer Analyse tatsäch­lich aus der Region Darjee­ling zu stammen. Nichts weist auf eine andere Herkunft hin. Pestizid­rückstände fanden wir kaum: In 20 Tees lagen die Gehalte weit unter den Höchst­grenzen, in den sechs Biotees und dem Edeka-Darjee­ling fanden wir keine Pestizide.

Moderne Analytik, neue Stoffe

Anthrachinon, PAK, Pyrrolizidinalkaloide, Mineral­ölbestand­teile – möglich, dass die Substanzen schon lange in Tee vorkommen, aber oft über­sehen oder nicht geprüft wurden. Mit Hightech-Analytik lassen sich selbst winzige Spuren aufdecken. Das gibt bisweilen Rätsel auf. Zum Beispiel: Wie gelangt Anthrachinon in Tee?

Auf der Suche nach der Quelle

Schwarzer Tee im Test Test

Platz zum Entfalten. Im geschmacks­neutralen Glas­einsatz quellen Teeblätter gut auf. Alternative: ein Metall­einsatz.

Irgendwo zwischen Plan­tagen in Asien und Geschäften in Deutsch­land muss der Ursprung liegen. Lebens­mittel­chemiker Jochen Wettach, Leiter unseres Tests, begab sich auf Spuren­suche nach dem Wo und Wie. Er informierte, wie üblich, die Anbieter vorab über die Labor­werte. Eindeutige Antworten lieferten die Anbieter nicht.

Dass Anthrachinon beim Teeanbau illegal als Pestizid einge­setzt wird, ist unwahr­scheinlich. Ansonsten hätten wohl nicht so viele Biotees, in denen wir keine Pestizide fanden, ein Anthrachinon­problem.

Der Deutsche Teeverband mutmaßt, dass Anthrachinon „aus den Verpackungs­materialien in die Produkte“ gelangt. Es wird in der Papier­herstellung einge­setzt, um die Zellulose­ausbeute aus Holz zu erhöhen. Für Papier mit Lebens­mittel­kontakt hatte das Bundes­institut für Risiko­be­wertung Anthrachinon 2013 jedoch aus der Liste empfohlener Stoffe gestrichen. Die indische Papier­industrie verpflichtete sich laut Teeverband in diesem Jahr, auf Anthrachinon für Verpackungen zu verzichten. Kollege Wettach ging dem Hinweis trotzdem nach. Er ließ Packungen und Teebeutel der fünf höchst­belasteten Tees auf Anthrachinon prüfen. Das Resultat: Nur in zwei Fällen fanden sich Spuren. Das spricht nicht für die Verpackung als Quelle.

Trock­nungs­prozess im Verdacht

Einige Anbieter setzten uns auf eine andere Fährte. Die Teekampagne etwa teilte mit, sich seit längerem um die Vermeidung des Schad­stoffs zu bemühen. Sie setze auf der ganzen Produktions­strecke anthrachinonfreie Materialien ein und stoße bei Eigen­kontrollen trotzdem auf Anthrachinonspuren. Die Vermutung des Bioanbieters: „Es verdichten sich die Hinweise, dass dort, wo Kohle in den Trock­nungs­prozessen einge­setzt wird, die Belastungen höher liegen.“ Unser Projektleiter griff auch diesen Verdacht auf. Er ließ alle Tees erneut prüfen – auf PAK, poly­zyklische aromatische Kohlen­wasser­stoffe. Das sind typische Substanzen aus Verbrennungs­prozessen. Kein Tee war frei von PAK. Sehr hohe Gehalte hatten die Tees von Gold­männ­chen, Gepa und Fairglobe von Lidl. Diese drei enthalten auch mit am meisten Anthrachinon. Die vier Tees mit den geringsten PAK-Gehalten wiederum sind nur minimal mit Anthrachinon belastet. „Das Ergebnis deutet einen Zusammen­hang zwischen Anthrachinon und Verbrennungs­prozessen beim Trocknen der Teeblätter an“, sagt Projektleiter Wettach.

Die Menge macht das Gift

Die Recherchen waren damit längst nicht beendet. Für Verbraucher lautet die zentrale Frage: Wie gefähr­lich sind die Substanzen? Für Warentester folgt die Frage: Welches Schad­stoff­urteil vergeben wir für welche Konzentration? Entscheidend ist nicht nur, wie schädlich ein Stoff ist, sondern auch, in welcher Menge er auftaucht.

Für Anthrachinon lautet das Ergebnis der Ermitt­lungen: Wir fanden 6 bis 76 Mikrogramm je Kilogramm Tee. Der derzeit gültige Grenz­wert von 10 Mikrogramm je Kilogramm ist kein passender Maßstab, weil er pauschal für alle Lebens­mittel angewendet wird. Wir haben uns daher an dem geplanten EU-Grenz­wert orientiert, der speziell für Tee erarbeitet wurde. Er liegt bei 20 Mikrogramm je Kilogramm. Diese Grenze über­schreiten nur die Tees von Gold­männ­chen und Alnatura.

Ebenfalls zum Urteil mangelhaft führt die Konzentration von Pyrrolizidinalkaloiden im Ceylon-Assam von Kauf­land. Nachdem wir dem Anbieter unsere Labor­werte mitgeteilt hatten, schrieb er uns, er habe das Produkt aus dem Handel genommen.

„Pyrrolizidinalkaloide können nach derzeitigem Kennt­nisstand über Wild­kräuter wie Jakobs­kreuzkraut in den Tee geraten und punktuell zu Verunreinigungen führen“, sagt Dorina Bodi, Expertin für diese Stoffe beim BfR. In einer Stellung­nahme schreibt das BfR, akute Gesund­heits­schäden seien durch vereinzelt hohe Zufuhren unwahr­scheinlich. Risiken bestünden, wenn jemand für lange Zeit viel aufnehme.

Im Verhältnis dazu scheinen die PAK-Gehalte weniger kritisch. Literaturrecherchen und unsere Laborstich­proben zeigen, dass PAK selbst bei stark belasteten Tees nur wenig in den Aufguss übergehen. Das Problem ist eher: Die Summe machts. Der Mensch nimmt PAK noch aus weiteren Quellen auf, wie Geräuchertem, Abgasen. Zum Vergleich: Eine Tasse des höchst­belasteten Tees hat weniger PAK als 2 Gramm Räucherschinken enthalten dürfen.

Mineralöle lösen sich kaum im Tee

Für PAK heißt die Maxime des BfR: Lebens­mittel sollten so wenig wie möglich enthalten. Das gilt auch für Mineral­ölbestand­teile, die wir in vielen Tees nachgewiesen haben. Die gefundenen Mengen halten wir allerdings für unkritisch. Im Aufguss waren sie nicht mehr mess­bar.

Das Fazit: Nied­rige Gehalte an Anthrachinon, PAK und Mineral­ölbestand­teilen lassen sich im Tee derzeit vielleicht nicht ganz vermeiden, hohe aber sehr wohl. Die Anbieter sind also gefordert, den Spuren nach­zugehen – und die Belastungen so weit wie möglich zu senken.

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