Wer Handwerker oder Architekten "ohne Rechnung" schwarz für sich arbeiten lässt, bringt damit den Fiskus unter anderem um die Mehrwertsteuer. Der Staat wehrt sich dagegen mit Bußgeldern oder sogar Haftstrafen. Der geschlossene Vertrag bleibt aber trotz dieser Verfehlung wirksam. Wurde gepfuscht, gibt es auch Schadenersatz, urteilte der Bundesgerichtshof (BGH, Az. VII ZR 192/98).

Eine Bauherrin hatte ihren Architekten und die Baufirma auf fast 130.000 Mark Schadenersatz wegen Feuchtigkeitsschäden an ihrem Haus verklagt. Der Architekt wehrte sich gegen die Forderungen mit dem Hinweis, sein Honorar sei "ohne Rechnung" gezahlt worden. Solche Schwarzarbeit lasse den Vertrag nichtig werden, Ersatzansprüche seien deshalb ausgeschlossen.

Die BGH-Richter urteilten jedoch anders: Zwar sei der Teil der Vereinbarung nichtig, in dem vereinbart wurde, dass keine Rechnung gestellt werden soll. Der restliche Vertrag sei bei solchen Steuerhinterziehungen aber nur dann hinfällig, wenn die Hinterziehung der Hauptzweck gewesen wäre. Hier habe dagegen der Hausbau im Mittelpunkt gestanden. Der Architektenvertrag bleibe damit wirksam. Deshalb durfte die Klägerin Schadenersatz fordern.

Viele Gerichte beurteilten solche Fälle bisher anders. So hielt das Oberlandesgericht (OLG) Hamm in einem Parallelfall den gesamten Architektenvertrag für nichtig (Az. 5 U 109/96). Auch das OLG Saarbrücken verweigerte einer Geschädigten wegen der "Steuerverkürzung" den Ersatz wegen Pfuschs am Bau (Az. 1 U 298/99).

Tipp: Wehren Sie sich mit rechtlichen Mitteln, wenn eine "schwarz" beauftragte Firma auf Ihrem Bau teuren Pfusch angerichtet hat. Je höher der angerichtete Schaden ist, umso geringer fallen die wegen der Schwarzarbeit verhängten Bußen ins Gewicht.

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