Schutz vor Radon Meldung

Das unsichtbare Gas Radon verursacht Lungenkrebs. Obwohl das lange bekannt ist, griff der Gesetzgeber bisher nicht ein. Wir zeigen, wie Sie sich schützen können.

Elizabeth H. hat in ihrem Leben nie geraucht. Dennoch erkrankte sie an Lungenkrebs – im Alter von 37 Jahren. Unfassbar und zunächst uner­klär­lich. Bis ihr Vater das Haus auf Radon testen ließ. Er hatte erfahren, dass dieses Gas Lungenkrebs verur­sachen kann. Und tatsächlich, das Messergebnis zeigte: Das Haus war mit Radon belastet. Elizabeth H. hatte 15 Jahre dort gelebt.

Radon ist ein im Erdreich natürlich vorkommendes, radioaktives Gas. Es gelangt zum Beispiel über ein undichtes Funda­ment ins Haus und reichert sich dort an. Die Bewohner atmen das unsichtbare, geruchlose Gas ein. Ohne es zu merken.

Hauptursache für Lungenkrebs ist zwar das Rauchen – nach Informationen der Deutschen Krebsgesellschaft sind 85 Prozent aller Todesfälle durch Lungenkrebs damit begründet –, aber es ist auch nachgewiesen, dass Radon diese Krebsart verursacht. Besonders tragisch: Die Aussichten auf Heilung sind trotz aller Fortschritte in der Medizin derzeit gering.

Lungenkrebsursache Nummer zwei

Schutz vor Radon Meldung

Je undichter der Keller, desto größer die Radongefahr Problem­stellen:
1. Leitungsdurchbrüche
2. Bodenplatte
3. Ris­se im Mauerwerk.

Je undichter der Keller, desto größer die Radongefahr Problem­stellen:
1. Leitungsdurchbrüche
2. Bodenplatte
3. Ris­se im Mauerwerk.

Viele wissen nicht, dass Radon Ursache Nummer zwei ist – noch vor dem Passivrauchen. Im Einzelfall lässt sich der Zusammenhang zwischen Ursache und Wirkung kaum nachweisen. Aber die Statistik ist besorgniserregend: Rund fünf Prozent aller Lungenkrebstodesfälle sind auf Radon zurückzuführen, beziffert eine Studie des Bundesamts für Strahlenschutz die Gefahr. Für Deutschland sind das jedes Jahr etwa 1 900 Lungenkrebsto­desfälle.

Die Gefahr ist nicht überall gleich groß. In manchen Gegenden, etwa im Bayerischen Wald oder im Erzgebirge, ist im Untergrund mehr Radon vorhanden als in anderen. Die Karte zeigt, wo das Risiko erhöht ist und weitere Nachforschungen sinnvoll sind. Doch Vorsicht: Selbst in eigentlich weniger stark belasteten Regionen drohen erhöhte Radongehalte in der Innenraumluft – nämlich dann, wenn das Haus zum Baugrund hin schlecht abgedichtet ist und wenn die Wohnräume dann im Keller oder Erdgeschoss liegen.

Messen und sanieren

Schutz vor Radon Meldung

Messgerät: Im Haus auf­stellen und zur Auswertung zurücksenden.

Die Stiftung Warentest bietet ein einfaches Messverfahren an (Hinweis: Der Service wurde eingestellt) und gibt Empfehlungen zur Sanierung. Wer weiß, dass er gefährdet ist, kann reagieren, sich und seine Familie schützen. So wie Hans S. aus dem Allgäu. Die test-Messung brachte eine hohe Radonbelastung ans Licht. Jetzt hat Hans S. einen Fachmann beauftragt, der den Keller abdichten soll. Das geht in diesem Fall recht einfach: Die offenen Dehnungsfugen werden mit einem radondichten Kunststoff gefüllt. Schwieriger wird das bei einer Familie im Elbtal: Das alte Haus steht auf felsigem Untergrund und hat keine Grundplatte. Ein Ingenieurbüro soll dafür nun eine möglichst kostengünstige und wirkungsvolle Sa­nierungs­lösung finden.

Was eine Gebäudesanierung kostet, gibt das Bundesministerium für Umwelt an: Meist lässt sich schon für etwa 3 000 Euro ein gutes Ergebnis erzielen. Es geht aber auch preiswerter – wenn nur offensichtliche Schwach­stellen wie Fugen abgedichtet werden müssen. Und manchmal reicht es, besser zu lüften oder die Nutzung einzelner Räume zu verändern, etwa das Arbeitszimmer vom Keller nach oben zu verlegen und die Kellertür gut abzudichten. Am besten ist, wenn gleich beim Neubau auf den Radonschutz geachtet wird: Laut Umweltministerium kostet das etwa 20 Euro pro überbauten Quadratmeter.

Informieren und sich schützen

Zu wenige wissen von der Radongefahr. Dass auch Passivrauchen Lungenkrebs verursacht, ist dagegen weitgehend bekannt, über Gesetze zum Schutz der Nichtraucher wird diskutiert. Dabei wäre auch ein besserer Schutz vor Radon erforderlich. Weil verbindliche Grenzwerte bisher fehlen, sind viele verunsichert. Wie Simone R. aus dem Vogtland: Sie hat ihr Haus deshalb noch nicht saniert, obwohl sie mit der test-Messung hohe Radonwerte aufgespürt hatte. Gut ein Drittel aller test-Messwerte liegen über dem Zielwert der Weltgesundheitsorganisation von 100 Bec­que­rel pro Kubikmeter Raumluft.

Dass dieser Wert möglichst überall unterschritten wird, sollte eigentlich ein Radonschutzgesetz bewirken. Die rot-grüne Regierung wollte es auf den Weg bringen, um belastete Wohnhäuser zu erkennen und möglichst zu sanieren. Der Entwurf stieß auf Kritik in den Bundesländern und bei den Hausbesitzerverbänden, die hohe Sanierungskosten fürchteten. Auch die jetzige Regierung befürwortet den Schutz vor Radon. Sie hat aber noch kein Gesetz verabschiedet.

Wichtig ist vor allem, dass die Betroffenen über die Gefahren informiert werden. Fest steht: Rauchen und Radon, noch schlimmer die Kombination, erhöhen die Wahrscheinlichkeit, an Lungenkrebs zu erkranken. Elizabeth H. geht davon aus, dass Radon ihren Krebs verur­sacht hat. Sie sagt: „Wenn wir das Radonproblem doch nur früher erkannt hätten ...“

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