Schutz vor Einbrechern Special

Hier haben Einbrecher leichtes Spiel. Mehr Schutz bieten zertifizierte Fenster und Türen.

Sichere Türen und Fenster sind der beste Schutz gegen ungebetene Gäste. So lassen sich Schwachstellen beseitigen.

Einbrecher haben keine Zeit. Wenn sie Tür, Fenster oder Garage nicht innerhalb von ein bis zwei Minuten aufhebeln können, machen sich viele unverrichteter Dinge aus dem Staub.

Das ist die Chance für Hauseigentümer und Mieter. Sie beugen am besten vor, wenn sie Türen und Fenster so sicher machen, dass diese Meißel, Schraubendreher und Bohrer lange standhalten.

Schutz vor Einbrechern Special

Einbrecher suchen sich meistens in der Dämmerung die schwächste Stelle, um in die Wohnung oder das Haus zu gelangen. Das sind oft die Schlösser der Wohnungstüren oder die Fensterriegel. Gern hebeln die Gangster die Wohnungs-, Balkon- oder Terrassentür an der Schlossseite auf, wie die Grafik zeigt.

Doch wann bietet eine Tür oder ein Fenster genügend Widerstand? Einen Hinweis gibt die Einteilung in sogenannte Widerstandsklassen. Neue Türen und Fenster sollten mindestens der Widerstandsklasse 2 entsprechen.

„Solche Türen haben einen gutbefestigten Rahmen (Zarge) und ein stabiles Türblatt, hochwertige Bänder eventuell mit Extrasicherung, Mehrpunktverriegelungen, ein Sicherheitstürschild sowie bohr-, schlag- und ziehgeschützte Schließzylinder“, erklärt Thomas Wener von der Kriminalpolizeilichen Beratungsstelle in Köln.

Widerstandsklassen (WK) nach Din-Norm gibt es von 1 bis 6. Die erste Klasse bietet keinen verstärkten Schutz gegen ungebetene Gäste. Für private Häuser und Wohnungen erfüllen Fenster, Türen und Rollläden mit Widerstandsklasse 2 oder 3 den Mindestschutz.

Die bayerische Polizei hat alle geprüften Herstellerfirmen auf ihrer Homepage aufgelistet. Viele Städte haben kriminalpolizeiliche Beratungsstellen oder ein Kommissariat Vorbeugung, das Mieter und Eigentümer über Schutzvorkehrungen informiert. Die Stellen helfen beim Hausbau genauso wie beim Nachrüsten.

Die Beratungen sind meist kostenlos. Nur wer die Berliner Kriminalexperten nachhause bestellt, zahlt 40 Euro für eine halbe Stunde. Und in Nordrhein-Westfalen kommen die Beamten nur in Ausnahmefällen zum Hausbesuch.

Schutz für den Neubau

Finanztest empfiehlt Häuslebauern, schon bei der Planung ihrer vier Wände an einbruchshemmende Türen und Fenster zu denken. Die Preise richten sich nach Größe und Material – ob Kunststoff, Holz oder Aluminium – und dem Handwerkerstundensatz für die Montage.

Beispielsweise verkauft die Baufirma Libricht in Lage bei Bielefeld eine Haustür mit Widerstandsklasse 2 aus Kunststoff vom zertifizierten Hersteller Drinkuth für rund 1 785 Euro einschließlich Mehrwertsteuer. Dazu kommen noch die Handwerkerkosten für den Einbau. Im Obi-Baumarkt kostet eine billige Kunststofftür der Marke Roro ohne Widerstandsklasse dagegen lediglich rund 500 Euro.

Auch wenn Hersteller von Fertighäusern behaupten, dass die gelieferten Bauteile Einbruchsversuchen standhalten, sollte sich das der Bauherr anhand von Zertifikaten zeigen lassen. Infrage kommen Prüfsiegel mit den Aufschriften Din, Pivcert, VdS, ift und MPA NRW.

Im Zweifel sollten Bauherren bei der polizeilichen Beratungsstelle nachfragen. Erweisen sich die Türen und Fenster als nicht widerstandsfähig, sollte sich der Hausbauer selbst Angebote von geprüften Herstellern einholen. Wichtig ist auch, mit der Montage eine zertifizierte Firma zu beauftragen. Denn die sicherste Tür nützt nichts, wenn sie nicht fachgerecht eingebaut ist.

„Bauherren sollten mit der Baufirma über den Einbau von Türen und Fenstern mit definiertem Einbruchschutz verhandeln, auch wenn sie nicht zur geplanten Ausstattung gehören“, sagt Bernd Bories. Er ist Fachberater der Kriminalpolizeilichen Beratungsstelle in Berlin . Finanztest empfiehlt: Vor dem Bezahlen das Einbauen schützender Bauteile in den Vertrag schreiben.

Die Landeskriminalämter haben geprüfte Handwerksfirmen auf regionaler Ebene im Internet gelistet (siehe Unser Rat).

Alarmanlagen allein genügen nicht

Bewegungsmelder und Alarmanlagen allein halten Eindringlinge nicht vom Betreten der Wohnung ab. Ihnen signalisiert das Klingeln nur, dass sie sich beeilen müssen, bevor Polizei oder Wachdienst eintreffen.

Von 1 277 gescheiterten Einbrüchen in Bayern haben 2009 nach Angaben des Landeskriminalamts widerstandsfähige Türen und Fenster 1 011 verhindert. Einbruchsmeldeanlagen haben in 266 Wohnungen und Häusern Einbrecher vertrieben. Aufmerksame Nachbarn oder Zeugen haben 247 Einbrüche verhindert.

Richtig nachrüsten

Schutz vor Einbrechern Special

Eigentümer oder Mieter, die ihre Wohnungen besser schützen möchten, sollten zuerst Schlösser und Riegel von Wohnungstüren, Terrassentüren und Fenstern prüfen.

Wenn Mieter Wohnungstür oder Fenster austauschen wollen, müssen sie sich das vom Vermieter genehmigen lassen. Auch zusätzliche Sicherungen sollten Mieter mit dem Eigentümer absprechen. Möglicherweise beteiligt er sich ja an den Kosten.

Die Grafik zeigt, welche Sicherungen für eine stabile Wohnungstür sinnvoll sind. Um eine Wohnungstür robuster zu machen, ist ein starkes Türblatt unerlässlich. Denn bei einer leichten Wabentür machen Zusatzschlösser oder Sicherungen an Scharnieren und Bändern keinen Sinn.

Die meisten Türen haben ein Einsteckschloss mit Schließzylinder. Das ist der Angriffspunkt, wo Einbrecher zuerst ihr Glück versuchen. Geprüfte Schließzylinder und Türschilde sind für alle Pflicht. In der Untersuchung von test 7/09 hat der Schließzylinder BKS Serie 45 Janus für etwa 110 Euro mit sehr gut abgeschnitten. Das Türschild FSB 7376 5510 0105 für rund 105 Euro hat im Test ein Gut erhalten. Die Polizei Bayern empfiehlt in ihrer Liste im Internet Hersteller von Türschildern und Schließzylindern.

Ein Kastenzusatzschloss mit Sperrbügel ist dann sinnvoll, wenn der Bewohner nicht weiß, wer vor der Tür steht. Öffnet er mit vorgehängtem Schloss, kann ihn der Besucher nicht so leicht überrumpeln. Für Kinder und alte Leute ist das ratsam. Als Einbruchsschutz jedoch sind alle drei Kastenzusatzschlösser im Test durchgefallen.

1 000 Euro für sichere Doppelflügeltür

Schwieriger zu sichern sind zweiflüglige Wohnungstüren aus Holz. Verschiedene Riegel und ein vertikales Stangenschloss zwischen den Flügeln machen Eindringlingen aber das Aufhebeln schwer. Je nach Beschaffenheit der Tür kostet das Nachrüsten zwischen 600 bis 1 000 Euro, sagt Axel Leisner von dem Berliner Schlüsseldienst Tegge.

Hausratversicherung leistet

Wer einen Einbruchsdiebstahl erleiden musste und eine Hausratversicherung abgeschlossen hat, bekommt wenigstens den materiellen Schaden ersetzt. Als Nachweis will der Versicherer über Einbruchsspuren informiert werden. Deshalb sollten Betroffene gleich die Polizei rufen.

Haben Bewohner Gangstern das Einsteigen leicht gemacht, weil sie Balkontür oder Fernster gekippt oder geöffnet hatten, bewertet das der Versicherer oft als grob fahrlässiges Verhalten. Häufig kürzt er dann die Leistung.

Nicht nur für den Abschluss einer Versicherung, auch für den Fall eines Einbruchs ist es sinnvoll, Einrichtungs- und Wertgegenstände der Wohnung mit dem jeweiligen Wert für einen Neukauf in einer Liste zu dokumentieren. Die Versicherungssumme sollte mindestens dem Gesamtwert des Hausrats entsprechen.

Eine solche Wertermittlungsliste enthält die Checkliste Hausratversicherung, die es im Internet unter www.test.de/check-hausratversicherung gibt. Wer sie ausfüllt, kann sich nach einem Einbruch leichter einen Überblick verschaffen, wie groß der angerichtete Schaden ist und erhält den Schaden vielleicht schneller ersetzt. Ein kleiner Trost.

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