Schulranzen Test

Schick und praktisch reicht nicht. Gute Ranzen fallen auch schnell ins Auge – im Dunkeln ebenso wie bei miesem Wetter und in der Dämmerung.

Nimmt ein Autofahrer eine Gefahr nur zwei Sekunden verzögert wahr, verlängert sich sein Bremsweg um etwa 27 Meter, wenn er mit 50 Stundenkilometern fährt. Für so unsichere Verkehrsteilnehmer wie Schulanfänger könnte das böse enden, vor allem wenn sie ungestüm dahergelaufen kommen. Deshalb ist es wichtig, dass sie gut zu erkennen sind – mit Schulranzen, die besonders kräftig leuchten.

Nur normgerechte Ranzen sind sicher

Schulranzen Test

Auffallend: Der Ranzen mit grell leuchtenden Signalfarben fällt schneller auf als derjenige ohne diesen Warneffekt.

Wie aber sieht ein sicherer Ranzen aus? Das steht in der Schulranzennorm DIN 58124. Die ist kein Gesetz, aber Stand der Technik und Maßstab für gute Qualität. Danach müssen die Vorder- und Seitenteile sowohl retroreflektierende als auch fluoreszierende Materialien haben. Retroreflektierend heißt: In der Dunkelheit wird das Licht der Scheinwerfer zurückgeworfen, wie bei Katzenaugen. Dabei sind Mindest-Rückstrahlwerte vorgegeben. 10 Prozent der Gesamtfläche soll diesen Katzenaugeneffekt aufweisen. Und mindestens 20 Prozent der Fläche muss fluoreszieren, am Tag und in der Dämmerung weithin aufleuchten. Diese Flächen dürfen orangerot oder gelb sein und müssen eine möglichst hohe wahrnehmbare Leuchtkraft haben, wie bei Feuerwehr, Rettungsdiensten und Warnwesten. Nur so erkennen andere Verkehrsteilnehmer die Ranzenträger schnell, vor jedem Hintergrund und zu jeder Jahreszeit. Das kann lebensrettend sein.

Dennoch sucht man Schulranzen mit ausgeprägten Warnflächen in den Ge­schäf­ten oft vergeblich. Weil die Kinder die Leuchtfarben angeblich nicht mögen, werden sie kaum verlangt, heißt es. Die grellen Töne „beißen“ sich tatsächlich oft mit den Motiven, die die Ranzen zieren. Vielleicht sind sich die Eltern aber auch nicht darüber im Klaren, wie wichtig die Signalflächen sind, und fragen deshalb nicht nach solchen Ranzen.

Scout-Modelle bei den Klassenbesten

Dabei schließen sich Design und Sicherheit nicht aus. Scout-Ranzen des Marktführers Sternjakob sind begehrt wie eh und je, obwohl es sie seit langem mit grellen Signalfarben gibt. Die Modelle Easy II und Maxi liegen auch in dieser Untersuchung wieder vorn, wie schon im letzten Test vor drei Jahren. Mit der besten optischen Warnwirkung beeindruckt jetzt der eher nüchtern gehaltene Schoolmate Safety XT von Jack Wolfskin. Trotz einiger Schwächen im täglichen Gebrauch hieß es für ihn am Ende deshalb noch „gut“.

Es gibt also sehr wohl ansprechende Ranzen, die die Sicherheitsanforderungen erfüllen. Man muss sie nur finden. Hier sind die Händler gefordert, aber auch die Eltern, die sie im Geschäft verlangen und beim Nachwuchs durchsetzen müssen. Verbraucherschützer, Verkehrsexperten und auch die Stiftung Warentest appellieren seit Jahren an die Eltern, nur sichere, normgerechte Ranzen zu kaufen. Die sollen nicht nur körpergerecht geformt und alltagstauglich sein, sondern eben auch kräftig leuchten.

Zwei sind „mangelhaft“

Sind Reflexstreifen meist selbstverständlich, wird an fluoreszierenden Signalflächen oft gespart. Von den Testmodellen verzichten McNeill Ergo-Light Compact und Step by Step by hama sogar ganz darauf. In der optischen Warnwirkung und deshalb auch im test-Qualitätsurteil sind sie „mangelhaft“. Ärgerlich ist das besonders beim McNeill-Ranzen. Anbieter Thorka verweist nämlich extra auf die Schulranzennorm. Unter „Die Sicherheitsausstattung“ liest man in der Anleitung: „Für Dunkelheit und bei diesigem Wetter sind alle Ergo-Light Schultaschen mit retro-reflektierenden Streifen besetzt. (10 % der Sichtfläche laut DIN 58.124). Die weitere DIN Empfehlung beinhaltet 20 % der Sichtfläche im Farbton Leuchtorange. Nur DIN-gerechte Schultaschen werden mit dieser empfohlenen Fläche ausgestattet.“ Wohl wahr. Es steht aber nicht dabei, dass das Leuchtorange an diesem Ranzen gar nicht existiert. Beim hama-Modell ist das kaum besser. Orange ist viel vorhanden, aber es ist matt und leuchtet nicht wie vorgeschrieben.

Zugelassen sind auch Kombimaterialien, die beide Eigenschaften, die retroflektierenden und die fluoreszierenden, vereinen. Scout Mega und McNeill Ergo-Light 900 DIN sind damit ausgestattet. Doch man erkennt sie im Dunkeln nicht so gut wie die Ranzen mit getrennten Warnflächen.

School-Mood trägt sich schlecht

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Ungünstig: Beim School-Mood-Ranzen liegt der Gurt wie eine Halskrause an. Das kann unangenehm auf der Haut scheuern.

Neben der passiven Sicherheit standen weitere „Fächer“ auf dem Testplan der Ranzen: Packen, Tragen, Auf- und Absetzen, Wasserdichtheit und die Haltbarkeit. 23 Schüler einer zweiten Klasse halfen den Testern dabei. Vier Wochen lang probierten sie die Ranzen abwechselnd aus. Gemeinsam mit den Eltern und unterstützt durch Fachleute notierten sie alle Vorzüge und Mängel, die ihnen im Schulalltag auffielen.

Am meisten ärgerten sich die Tester über den hohen und oben schmalen School-Mood Timeless II. Er drückt bei Kindern mit kurzer Rückenpartie unangenehm im Lendenbereich oder gegen das Gesäß. Zieht man ihn höher, zwicken die ungünstig geformten Tragegurte unter den Achseln und scheuern am Hals. Außerdem ist er nicht wasserdicht. Im Regentest sammelten sich rund 25 Milliliter Wasser (etwa zweieinhalb Esslöffel) im Inneren. Regnet es kräftiger, können Bücher und Hefte nass werden.

Das scheint dem Anbieter nicht unbekannt zu sein. „Bei extrem starkem Platzregen kann es dazu kommen, dass Wasser durch die Nähte eindringt. Im Zweifelsfall sollte man einen Regenschutz verwenden“, heißt es in einer Beilage. Im Zweifel ist das Schulheft dann aber schon durchnässt und eine Regenhülle nicht zur Hand.

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Fummelig: Um den Verschluss des McNeill Ergo-Light Compact zu öffnen, brauchen kleine Hände viel Kraft.

Die beiden McNeill-Ranzen sind ebenfalls etwas wasserscheu, besonders an den Vorderfächern. Genervt waren die Experten hier – wie auch bei anderen Modellen – vor allem von den Deckeln, die nicht vollständig nach hinten umklappen. Das ist aber wichtig, damit die Ranzen mit der Rückseite dicht am Schultisch stehen können. Nur so sind alle Fächer, auch die äußeren, bequem zugänglich.

Apropos Fächer: Nützlich sind separate Außen- und Seitentaschen für eine Trinkflasche, die Brotdose und andere Dinge, die schnell zur Hand sein sollen. Einige Kinder bemängelten beim ansonsten sehr beliebten Scout-Maxi, dass sie fehlen. „Hat keine, brauch’ welche“, hieß es dazu in den Notizen lapidar. Alle anderen Ranzen haben zumindest zwei Seitentaschen.

Die Chemie muss stimmen

Im letzten Ranzentest vor drei Jahren waren einige Modelle mit Schadstoffen belastet. Ihre Griffe enthielten Phthalat-Weichmacher. Die Anbieter versprachen Abhilfe, und sie haben Wort gehalten. Wir fanden diesmal keine solchen Weichmacher und auch nur geringste Spuren polyzyklischer aromatischer Kohlenwasserstoffe (PAK). Schädliche Azofarbstoffe sind ebenfalls kein Thema. Nun muss nur noch die Chemie zwischen den Schulkindern und den normgerechten Schulranzen stimmen.

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