Schulranzen Test

Viele sind schön anzusehen, auf der Straße aber schlecht zu erkennen. Nur normgerechte Schulranzen erreichten das Klassenziel.

Anna läuft, bis ihr die Puste ausgeht. Noch 30 Sekunden. Dann darf die Achtjährige vom Band herunter – geschafft. Sie schnallt den Scout ab, macht Platz für Jan. Der hat einen McNeill auf dem Rücken, legt zügig los, so als würde bald die Schulglocke läuten. Die beiden Zweitklässler trainieren nicht etwa für die Bundesjugendspiele oder für den nächsten Schulmarathon. Ihr Ziel: der beste Ranzen. Dafür haben sie und ihre Mitschüler 18 „Packesel“ mehrere Wochen lang ausgiebig getestet – in der Schule, zu Hause und auf der Straße. Das Walking auf dem Laufband soll zeigen, welche Modelle beim flotten Gehen hin- und herschlackern und welche fest auf dem Rücken sitzen bleiben. Prüftechnisch heißt das „Eigendynamik beim Gehen“, wichtig für den Tragekomfort.

Das war nicht das einzige „Fach“ auf dem Teststundenplan. Gemeinsam mit den Eltern und unterstützt durch Fachleute hielten die Kinder alle Vorzüge und Mängel fest, die ihnen im täglichen Gebrauch aufgefallen waren. Außerdem untersuchten Experten die Materialeigenschaften und die Sicherheit der Ranzen.

Scout-Ranzen sind die besten

Schulranzen Test

Das Abschlusszeugnis zeigt: Scout ist mit seinen „guten“ Modellen Easy II, Maxi und Easy I Klassenprimus. Eine Zwei minus gibt es für den Felix-Ranzen von Spiegelburg. Er sitzt nicht so gut, weil der Rücken zu stark gewölbt ist. Mit einer Drei („befriedigend“) müssen sich fünf Modelle begnügen: Herlitz Race, McNeill Ergo Light 5 DIN und Ergo Light 900 DIN, Sammies Master DIN und Skibby DIN. Neun Mappen, also die Hälfte, verfehlen unser Klassenziel. Ihre optische Warnwirkung ist „mangelhaft“. Kinder, die mit solch einem Ranzen unterwegs sind, tragen ein erhöhtes Unfallrisiko im Straßenverkehr.

Die Ranzennorm DIN 58124 legt genau fest, wie viel reflektierende und grell leuchtende Flächen eine Schultasche haben muss, damit die Kleinen unterwegs gut zu sehen sind – bei Tag und bei Nacht. Sie schreibt vor, dass mindestens zehn Prozent der Gesamtfläche einen Katzenaugeneffekt haben müssen: In der Dunkelheit wird das Licht der Scheinwerfer (oder anderer Quellen) dorthin zurückgeworfen, retroreflektiert. Mindestens 20 Prozent müssen fluoreszierend sein, also tagsüber und in der Dämmerung weithin aufleuchten. Vorbilder sind das Orange und das Gelb von Feuerwehr und Rettungsdiensten. Neu sind diese Sicherheitsstandards nicht. Dennoch finden Eltern in den Geschäften oft Ranzen ohne „Sicherheitspaket“ – häufig zum Verwechseln ähnlich, in den gleichen Farben und mit den gleichen Motiven. Manche haben zwar retroreflektierende Streifen, aber keine oder zu wenig grell leuchtende Flächen.

Sicherheit hat Vorfahrt

Schulranzen Test

Gurte dürfen weder drücken noch scheuern, schon gar nicht auf nackter Haut.

Aus modischen Gründen, so heißt es bei Herstellern, werden sie einfach weggelassen. Angeblich, weil die kleinen Kunden große orangerote oder gelbe Signalflächen ablehnen. Eltern sollten sich davon nicht beirren lassen und ausdrücklich besonders auffällige und hell strahlende, also normgerechte Modelle verlangen. Sicherheit hat nun einmal Vorrang vor modischen Aspekten. Nicht nur in ländlichen Gegenden, sondern auch im Großstadtgewirr.

Wenig auszusetzen gab es an den Materialeigenschaften. Manche Ranzen sind aber nicht wirklich wasserdicht. Bei einem kräftigen Schauer wird es in den beiden McNeill Ergo Light 900 etwas feucht, im School-Tool Timeless sogar richtig nass. Das passiert auch bei schoolPax soft und Step by Step by Hama, wenn sie ohne Regenschutz unterwegs sind. Dicht sind beide nur mit Hülle. Die liegt aber nur lose bei, geht leicht verloren oder wird „vergessen“ – nicht gerade kindgerecht.

Ein anderes Problem sind Weichmacher (Phthalate). Was in Kinderspielzeug verboten ist, hat auch im Ranzen nichts verloren. Wir fanden sie in den Griffen von sechs Modellen – geringe Mengen, nicht akut gefährlich, aber vermeidbar. Herlitz und McNeill haben Abhilfe zugesagt

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