Ab dem kommenden Jahr gelten bei der Reklamation mangelhafter Waren neue, verbraucherfreundlichere Regeln. Das sieht die Jahrhundertreform des Bürgerlichen Gesetzbuchs (BGB) vor, die die Bundesregierung beschlossen hat. 685 Seiten zählt der Kabinettsentwurf zur Modernisierung des Schuldrechts, der im Mai verabschiedet wurde und am 1. Januar 2002 in Kraft treten soll.

Fast jeder hat sich wohl schon einmal darüber ärgern müssen, dass ein gekauftes Gerät nur kurz nach Ablauf der sechsmonatigen Gewährleistungsfrist kaputt gegangen ist. Bisher war in solchen Momenten aller Ärger umsonst. Denn reklamieren konnte man dem Gesetz nach nur binnen sechs Monaten. Ab dem nächsten Jahr gibt es jedoch zwei Jahre "Bewährung" auf alle Einkäufe. Tritt der Mangel bereits in den ersten sechs Monaten zutage, wird künftig zudem angenommen, dass er schon beim Kauf vorhanden war. Bisher konnten sich Verkäufer etwa darauf herausreden, dass die korrekt verkaufte Ware nur abgenutzt sei. Dann musste der Kunde beweisen, dass von vornherein der Wurm drin war. Wer das nicht konnte, hatte eben Pech. Darüber hinaus gilt ab kommendem Jahr: Zeigt der Einkauf innerhalb der Zweijahresfrist Schwächen, kann man künftig nicht nur den Kauf rückgängig machen oder Preisnachlass fordern. Ab 2002 soll man ersatzweise auch "Nacherfüllung" fordern dürfen. Wer etwa ein neues Auto trotz aller Macken behalten will, kann demnach auch die Reparatur des Wagens verlangen. Er kann aber auch ein neues Auto fordern.

Der Gesetzentwurf muss noch Bundestag und Bundesrat passieren. Da nur wenig im BGB beim Alten bleiben soll, wird mit zahlreichen Änderungsvorschlägen gerechnet.

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