Häufige Fragen rund um die Rettungsaktion für den Euro

Wie sieht das Rettungspaket genau aus?

Griechenland bekommt Hilfen in Höhe von 110 Milliarden Euro. Es handelt sich dabei nicht um Geldgeschenke, sondern um Kredite, die zurückgezahlt werden müssen. Die Euroländer sind mit 80 Milliarden dabei, der Internationale Währungsfonds (IWF) mit 30 Milliarden. Auf Deutschland entfallen rund 22 Milliarden Euro. Außerdem haben die EU-Finanzminister beschlossen, Kreditrahmen von insgesamt 500 Milliarden Euro für klamme Mitgliedstaaten bereitzustellen. 440 Milliarden schultern die Mitgliedstaaten, 60 Milliarden kommen von der Europäischen Kommission. Der IWF legt noch 250 Milliarden Euro oben drauf. Deutschland soll von der Garantiesumme bis zu 123 Milliarden Euro übernehmen.

Im EU-Vertrag wurde eine No-Bail-Out-Klausel vereinbart, das heißt so viel wie: Kein Euroland darf einem anderen die Schulden bezahlen. Ist es jetzt völlig egal, was damals vereinbart wurde?

Die rechtliche Grundlage für die jetzigen Hilfspakete bildet Artikel 122 des Lissabon-Vertrages. Er erlaubt finanziellen Beistand der Union „aufgrund von außergewöhnlichen Ereignissen, die sich der Kontrolle des Staates entziehen“. Eigentlich war das für Naturkatastrophen gedacht. Dazu zählen die Finanzminister jetzt aber auch die Spekulationsattacken gegen den Euro. Hedgefonds hatten gedroht, im Jahr 2010 den Euro zu zerschießen.

Nützt das Rettungspaket? Müssen wir jetzt keine Angst mehr um den Euro haben?

Griechenland kann mit dem Geld seine fälligen Anleihen bezahlen. Damit ist der Staatsbankrott erst einmal abgewendet. Ob Griechenland wirklich gerettet ist, hängt davon ab, ob die Sparmaßnahmen greifen und das Land seine Schulden auch tatsächlich abbauen wird. Das Rettungspaket für andere klamme Mitglieder hat zumindest eines bewirkt: Die Panik ist zunächst aus den Märkten verschwunden. Die Risikoaufschläge für griechische Anleihen sind dramatisch gefallen, auch die Zinsen für portugiesische und spanische Anleihen sind gefallen. Der Dax legte am Tag nach den Beschlüssen um 5 Prozent zu, der Euro Stoxx 50 sogar um 10 Prozent. Auch der Euro ist zwischenzeitlich wieder gestiegen.

Aber sind diese teuren Rettungsaktionen überhaupt notwendig? Wenn es nicht sicher ist, dass Griechenland wirklich gerettet ist, dann hätte man sich das doch sparen können?

Es gibt zwei wichtige Gründe, warum das Hilfspaket für Griechenland als sinnvoll angesehen werden kann. Erstens haben die Banken nicht nur in Deutschland für viele Milliarden Euro Griechenland-Anleihen gekauft. Hätte Griechenland den Bankrott erklären müssen, dann wäre es nach Ansicht vieler zur zweiten Bankenkrise nach der Lehman-Pleite gekommen. Zweitens sind zahlreiche Experten sicher, dass ein Staatsbankrott Griechenlands einen Dominoeffekt ausgelöst und auch andere Wackelkandidaten wie Portugal, Irland, Spanien oder Italien zu Fall gebracht hätte. (Nach ihren Anfangsbuchstaben nennt man die Euro-Sorgenkinder auch die PIIGS-Staaten.) Spätestens bei Spanien wäre die Katastrophe nicht mehr aufzuhalten gewesen – ganz zu schweigen von Italien. Italien hat in der Summe ungefähr genauso viele Schulden wie Deutschland, das kann keiner mehr retten. Allein die deutschen Banken halten Anleihen in Höhe von rund 700 Milliarden Euro. Auch die Versicherungen sind engagiert.

Deutschland muss immer nur zahlen, zahlen, zahlen. Jetzt müssen wir auch noch Schulden machen für die anderen. Was bringt denn der Euro den Deutschen überhaupt?

Es stimmt. Deutschland zahlt viel Geld, sowohl an die EU als auch jetzt für das Rettungspaket. Aber Deutschland profitiert auch vom Euro, und das nicht zu knapp. Ungefähr die Hälfte der Waren, die wir ausführen, gehen in den Euroraum. Das hat uns allein 2009 einen Überschuss von 60 Milliarden Euro gebracht. Mit den Exporten nach Griechenland haben wir 4 Milliarden Euro verdient. Wenn Deutschland jetzt aus der Währungsunion austreten und wieder die Mark einführen würde, dann müsste die nach Schätzungen von Volkswirten sofort um 20 oder 30 Prozent aufwerten. Das hieße, dass unsere Waren für die anderen Länder zu teuer würden. Sie würden weniger kaufen und in der Folge würde unsere Wirtschaft einbrechen.

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