Schuldenkrise Test

Das Rettungspaket für die Griechen ist geschnürt, doch die Sorgen der Deutschen bleiben. Ist ihr Geld noch sicher? Was wird aus dem Euro? Müssen sie höhere Steuern zahlen? Finanztest erläutert, wie Anleger von der griechischen Misere betroffen sind.

Ende April ging es heiß her bei den Fondsgesellschaften. Die Manager so mancher Rentenfonds Euro versuchten, griechische Anleihen loszuwerden, ehe es zu spät war. Kommentare zur Schuldenkrise wollten die meisten lieber nicht abgeben.

Rentenfonds Euro legen das Geld der Anleger in Anleihen an, die auf Euro lauten. Sie kaufen überwiegend Papiere sicherer Schuldner, und als solcher galt bis vor Kurzem auch Griechenland. Ende März machte der Anteil griechischer Papiere an zahlreichen Fonds 4 bis 5 Prozent aus, mitunter sogar 10 Prozent. Nachdem die Ratingagenturen im April die griechischen Titel als spekulativ eingestuft hatten, mussten viele Fonds verkaufen.

Fondskurse stabil

Zahlreiche Fonds halten auch Anleihen von Portugal und Irland, aber vor allem von Italien und Spanien (siehe Tabelle: Anteil ausgewählter Länder in Rentenfonds). Experten fürchten, dass diese Staaten in den Sog der Griechenland-Krise geraten könnten.

Noch hat sich die Schuldenkrise in den Kursen der Fonds kaum bemerkbar gemacht. Unser Vergleichsmaßstab für die Bewertung der Rentenfonds Euro, der Euroland-Staatsanleihen-Index von Citigroup, hat im April 0,6 Prozent verloren. Das macht aus einer sicheren Geldanlage noch längst keine riskante. Seit Oktober vergangenen Jahres, als die Griechen zugaben, dass sie sich viel höher verschuldet hatten als zuvor bekannt, hat der Index um 1,6 Prozent zugelegt.

Steuerzahler bangen

Das Rettungspaket der Euroländer und des Internationalen Währungsfonds für Griechenland sieht keine Geldgeschenke vor, sondern Kredite. Die Euroländer stellen 80 Milliarden Euro zur Verfügung, der IWF 30 Milliarden. Auf Deutschland entfallen 22 Milliarden Euro. Mit dem Geld können die Griechen zunächst ihre fälligen Schulden bezahlen. Doch es bleiben Zweifel, ob sie die Kredite zurückzahlen können – und ob das Hilfspaket ausreicht. Immerhin muss das Land in den kommenden fünf Jahren Anleihen in Höhe von 140 Milliarden Euro tilgen.

Herkulesaufgabe

Davon, ob die Staatengemeinschaft ihr Schuldenungeheuer besiegt, hängt auch die Zukunft der gemeinsamen Währung ab. Seit die schlechten Nachrichten aus dem Mittelmeerraum nicht abreißen, hat der Euro gegenüber dem Dollar 8,5 Prozent verloren. Sein Wert liegt aber immer noch 12 Prozent über dem Durchschnitt (siehe Infografik: Der Euro ist nicht schwach). Mit dem Hilfspaket haben die Euroländer zwar ein Signal gesetzt, dass die Mitglieder für ihre Schulden einstehen, doch an den Märkten herrscht immer noch Angst vor der Ansteckungsgefahr. Die kleinen Länder Portugal und Irland, so glaubt man, lassen sich notfalls noch in den Griff bekommen. Träfe die Pleitewelle aber Spanien oder gar Italien, dann könnte Euroland auseinanderbrechen. Viele Anleger glauben jetzt schon, dass der Euro vor dem Aus steht. Der Spiegel titelte drastisch „Euroland abgebrannt“. Nicht nur für Deutschland wäre die Rückkehr zur Mark ein Nachteil, denn der gemeinsame Währungsraum nutzt der Wirtschaft. Immerhin brachte der Handel mit Griechenland den Deutschen in den vergangenen drei Jahren ein Plus von 17 Milliarden Euro.

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