Schulbücher: Nicht ohne Tadel

Einen Fehler darf jeder mal machen. Das gilt für Schüler genauso wie für Lehrer. Nobody is perfect. Aber wenn sich in Lehrbüchern inhaltliche Fehler und didaktische Schwächen häufen, dann ist das schon bedenklich. Die Stiftung Warentest hat 17 Biologie- und Geschichtsbücher untersucht. Nur wenige davon sind uneingeschränkt zu empfehlen. Drei Mal gab es „mangelhaft“ im Prüfpunkt Fehlerfreiheit. Da ist Nachsitzen angesagt.

Wenn der Uhu den Fuchs frisst

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Statt den Schülern die Welt zu erklären stellen manche Schulbücher die Welt eher auf den Kopf: Da steht der Uhu bei „Biologie heute entdecken“ in der Nahrungspyramide plötzlich über dem Fuchs. Dabei erbeuten Uhus doch meist nur Hasen, Mäuse und Vögel. Nur in Ausnahmefällen steht auch mal ein junger Fuchs auf dem Speiseplan. Laut „Bios 2“ ist der Darm eines Blauwals 56 Mal so lang wie der Körper. Zwar haben Blauwale tatsächlich riesige Därme, aber die sind nur 4 bis 5 Mal so lang wie ihr Körper. Und das Geschichtsbuch „Horizonte 4“ verlegt den Sturz Erich Honeckers um einen Monat nach vorn. Wäre Honecker tatsächlich am 18. September 1989 zurückgetreten, hätte er am 7. Oktober nicht noch das 40-jährige Bestehen seines gerade zusammenbrechenden Staates feiern können.

Didaktisch schwach

Neben inhaltlichen Fehlern sind viele Biologiebücher auch didaktisch schwach. Inhalte sind oft zu wissenschaftlich dargestellt und kompliziert formuliert. Manche Seiten sind voll mit kleiner Schrift. Das spricht an Bilder gewöhnte Schüler nicht an. Schnell schalten sie beim Lesen ab. Auch bei Aufgabenstellungen fällt den Verlagen offensichtlich wenig Kreatives ein. Jedes zweite Biobuch erhielt daher nur ausreichende Didaktiknoten. Positive Ausnahmen sind „Nautilus Biologie 2“ sowie „Bioskop 7/8“ mit altersgerechten Darstellungen, übersichtlichem Design, verständlichen Texten sowie vielfältigen Aufgaben zum Selberlernen.

Verzerrte Darstellungen

Im Fach Geschichte sind nicht alle Bücher auf dem neuesten Stand. So stellt „Das waren Zeiten 4“ die Geschichte der Europäischen Union nur bis 1995 dar. „Zeit für Geschichte“ beschreibt lediglich die deutsch-französische Freundschaft als Keimzelle der EU. Und in „Zeiten und Menschen“ fehlt ein Kapitel zur Einigung Europas völlig. Auch die Bücher „Anno 4“ und „Geschichte und Geschehen“ enthalten viele veraltete Angaben und überholte Interpretationen. Sie bedürfen ebenfalls einer inhaltlichen Überholung. Schlimmer als falsche Jahreszahlen sind jedoch einseitige und verkürzte Deutungen der Geschichte. Schließlich sollen Schüler im Geschichtsunterricht vor allem lernen, Ereignisse aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten und sich eine eigene Meinung zu bilden. Bei „Horizonte 4“ ist das nur schwer möglich: Die Stellung der Frau in der DDR schildern die Autoren beispielsweise nur sehr kurz und einseitig.

Abweichende Urteile

Deutlich anders als die Experten beurteilten mitunter Schüler ihre Lehrbücher. Jedes Buch nahmen mehr als 55 Gymnasiasten unter die Lupe. Dabei schnitt der „Duden Biologie“ mit sehr gut ab. Die vielen Fotos und Grafiken, aber auch die gesamte Aufmachung des Buches sprachen die Schüler besonders an. Zum Vergleich: Die Experten hatten den Duden wegen fachlicher und methodischer Schwächen im Schnitt nur befriedigend beurteilt. Das bei den Experten durchweg gute Geschichtsbuch „Zeiten und Menschen 4“ beurteilten die Schüler dagegen mit befriedigend.

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