Schufa Special

Wegen falscher Schufa-Daten können Verträge platzen. Eine Korrektur ist deshalb wichtig.

Bei unserem Test zu Online­krediten belastete die Degussa Bank mit falschen Schufa-Anfragen die Bonität der Kunden. Damit ist nun Schluss. Die Degussa hat nun nachgebessert. Finanztest erklärt, was bei einer Bonitäts­anfrage passiert und wie es zu der Panne kommen konnte.

Test Raten­kredite: Halten Banken ihre Zins­versprechen ein?

Vor einem halben Jahr hatten Test­kunden im Auftrag von Finanztest bei 22 Online­banken Angebote für einen 5 000-Euro-Kredit einge­holt (Test Ratenkredit, Finanztest 12/2016). Wir wollten wissen, ob die Banken ihr Zins­versprechen einhalten und ob ein Kredit­antrag per Computer reibungs­los abläuft.

Degussa Bank fiel im Test durch

Bei fast allen Online­banken konnten unsere Test­personen mühelos Kredit­angebote erfragen. Die Kredit­institute führten ihre Kunden sicher durchs Netz und versorgten sie umfassend mit wichtigen Informationen. Die Degussa Bank aber fiel sehr negativ auf, bekam das Finanztest-Qualitäts­urteil mangelhaft. Sie stellte bei allen drei Test­personen falsche Anfragen bei der Schufa, der Schutz­gemeinschaft für allgemeine Kreditsicherung. Diese handelt mit Finanz­daten von Privatleuten. Bei ihr erkundigen sich Banken, Onlinehändler und Mobil­funk­unternehmen über die Kreditwürdig­keit und das Zahlungs­verhalten von Kunden.

Kredit­konditionen oder Kredit­anfrage

Bevor eine Bank einen Kredit vergibt, will sie wissen, ob ein Kunde kreditwürdig ist. Dafür kann sie bei der Schufa die „Anfrage Kredit­konditionen“ stellen. Das bedeutet, dass der Kunde sich noch nicht für diese Bank entschieden hat, sondern zunächst lediglich Kredit­konditionen vergleichen will. Die Anfrage wirkt sich nicht auf die Berechnung seiner künftigen Bonität aus. In unserem Test stellte die Degussa Bank zunächst die korrekte „Anfrage Kredit­konditionen“ an die Schufa. Zusätzlich schickte sie aber eine weitere Anfrage hinterher: die „zur Bonitäts­prüfung anläss­lich der Beantragung eines Blanko­bauspardarlehens oder nicht­grund­pfandrecht­lich gesicherten Kredits“. Diese bedeutet, dass der Kunde bereits einen Kredit beantragt hat und die Bank wissen will, ob er zahlungs­fähig ist. Eine solche Anfrage wirkt sich auf die künftige Kreditwürdig­keit des Bank­kunden aus.

Zusätzliche Meldung kann zu schlechterem Score­wert führen

Für die Einschät­zung der Kreditwürdig­keit berechnet die Schufa einen sogenannten Score­wert. Er gibt an, wie wahr­scheinlich es ist, dass der Kunde seinen Kredit bezahlt, also seine vertraglichen Pflichten erfüllt. Ihm werden verschiedene Rating­stufen zuge­ordnet. Unseren Testern drohte mit der zusätzlichen falschen Schufa-Meldung eine schlechtere Bonität als vor der Anfrage. Bei einem Tester kann das zum Beispiel der Grund gewesen sein, warum sein Score­wert sich so veränderte, dass die Bank seine Kreditwürdig­keit von „sehr geringes Risiko eines Ausfalls“ in „geringes bis über­schaubares Risiko eines Ausfalls“ veränderte.

Schlechtere Bonität kann gravierende Folgen haben

Nach­voll­ziehen können wir das aber nicht genau, denn es gibt zwei Unbe­kannte: Zum einen gibt die Schufa nicht preis, in welchem Umfang eine Anfrage den Score beein­flusst. Die Berechnung darf sie geheimhalten, hat der Bundes­gerichts­hof im Jahr 2014 geur­teilt (Az. VI ZR 156/13). Zum anderen beschreibt der Score das Zahlungs­ausfall­risiko einer ganzen Personengruppe, der der Bank­kunde angehört. Im schlimmsten Fall bedeutet die Veränderung des Scores, dass unsere Tester schlechtere Konditionen für einen Kredit bekommen, keinen Handy­vertrag erhalten oder bei einem Onlineversender nicht auf Rechnung zahlen dürfen.

Fehler müssen korrigiert werden

Das konnten und wollten wir nicht so stehen lassen. Unsere drei Tester schickten formlose Schreiben an die Degussa Bank. Sie schilderten den Sach­verhalt und verlangten, die falschen Schufa-Einträge zu korrigieren. Das Berichtigen, Löschen und Sperren von falschen Daten ist keine Kulanz, sondern laut Paragraf 35 Bundes­daten­schutz­gesetz vorgeschrieben. Die Tester hätten die Nachbesserung auch von der Schufa fordern können, doch die verweist meist auf das Unternehmen, das die falschen Daten geliefert hat.

Bank und Schufa informieren

Es kann trotzdem sinn­voll sein, die Schufa parallel auf die falschen Daten hinzuweisen. Die bean­standeten Daten muss sie nämlich bis zur Klärung sperren und darf sie nicht weitergeben. Zwei unserer Tester erhielten von der Degussa Bank per Post Bescheid, dass sie die Schufa gebeten habe, die unbe­rechtigten Anfragen zu löschen. Beim dritten Tester gab es diesen Hinweis erst auf seine telefo­nische Nach­frage. Aber Anfang des Jahres 2017 waren alle Korrekturen ausgeführt und die Bonität entsprach wieder der vor dem Test.

Degussa hat nachgebessert

Die Degussa Bank hat die falschen Schufa-Meldungen korrigiert. Wir waren uns aber nicht sicher, ob sie den Fehler auch für künftige Anfragen ausgemerzt hat – immerhin hatte die Bank uns gegen­über in keiner Weise auf das verheerende Test­urteil reagiert. Deshalb stellte ein Tester noch einmal eine Kredit­anfrage bei der Degussa Bank. Das Resultat war erfreulich. Die neue Schufa-Eigen­auskunft bewies, dass nun alles so ist, wie es sein soll.

Was die Schufa speichern darf

Die Schufa darf per Gesetz Daten über Privatpersonen speichern. Allerdings darf das Ganze keine Black Box sein. Die Schufa muss darüber informieren, welche Daten sie speichert, wie lange sie diese speichert und unter welchen Voraus­setzungen sie die Daten an andere Unternehmen weitergibt.

Beispiel Forderungen. Manchmal drohen Firmen mit einem Eintrag bei der Schufa, weil eine Rechnung angeblich nicht bezahlt wurde. Die offene Rechnung darf das Unternehmen aber nur an die Schufa melden, wenn der Kunde die Forderung nicht bestreitet, er zweimal schriftlich gemahnt worden ist und zwischen Mahnung und Über­mitt­lung mindestens vier Wochen liegen.

Beispiel Kredit. In der Schufa-Auskunft kann noch ein Kredit stehen, der schon abge­zahlt ist. Kredite werden erst drei Kalender­jahre nach voll­ständiger Tilgung gelöscht. Das heißt, wenn die Forderungen im Juni 2016 bezahlt sind, wird die Information darüber Ende 2019 gelöscht. So lange kann ein möglicher Vertrags­partner immer noch sehen, dass der Kunde eine gute Zahlungs­moral hat.

Auskunft verlangen

Wie eine über­sicht­liche und informative Eigen­auskunft nach Paragraf 34 Bundes­daten­schutz­gesetz aussehen soll, sehen Sie in unserem Test Schufa & Co, Finanztest 2/2016. Verlangen Sie einmal im Jahr Auskunft über die gespeicherten Schufa-Daten.

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