Schufa Meldung

Durch Fehler von Bankmitarbeitern erhalten Kunden oft eine schlechtere Schufabewertung, selbst wenn sie nur Kreditangebote einholen. Das zeigte ein Test von Finanztest. Banken können diese falschen Einträge bei der Schufa berichtigen. test.de sagt, wie gut das klappt.

Falsche Ratingstufe

Anneliese Jäger (Namen von der Redaktion geändert) hatte als Testkundin für Finanztest bei drei Banken nach einem 5 000-Euro-Kredit gefragt. Ihre Kreditwürdigkeit hatte danach stark gelitten. Dabei wollte sie nur Konditionen vergleichen, um ein günstiges Angebot zu finden. Nach den Beratungsterminen bei der Citibank, der Commerzbank und der ready bank stand Jäger bei der Schutzgemeinschaft für allgemeine Kreditsicherung (Schufa) nur noch in der Ratingstufe D. Sie war damit in eine Gruppe einsortiert, in der voraussichtlich drei von 100 Personen ihren Kredit nicht zurückzahlen werden.

Vertragspartner liefern Daten

Jäger erfuhr das aus ihren Schufa-Daten, die sie auf unsere Bitte eingeholt hatte. Die Schufa speichert Daten, die etwas über die Vertragstreue von Verbrauchern aussagen. Etwa 4 500 Vertragspartner liefern die Daten, zum Beispiel Banken, Versandhäuser und Mobilfunkanbieter. Diese Partner nutzen die Schufa-Daten auch selbst, um entscheiden zu können, ob und zu welchen Konditionen sie mit ihrem Kunden einen Vertrag schließen.

Bessere Bonität vor Anfrage

Vor den Kreditgesprächen war die Bonität von Anneliese Jäger viel besser gewesen: Sie war in der höchsten Ratingstufe A. In dieser Gruppe zahlt weniger als eine von 100 vergleichbaren Personen ihren Kredit nicht zurück. Kunden dieser Kategorie haben die Aussicht auf sehr viel bessere Angebote als diejenigen aus Stufe D. Die Schufa rechnet die Kreditwürdigkeit auch in eine Zahl um, den „Score“ . Der lag bei Jäger zuerst bei 741 und nun bei 511.

Kreditangebot nur mit Schufa-Anfrage

Schuld am schlechten Schufa-Eintrag waren die Bankmitarbeiter. Sie hatten während der Kreditberatung elektronisch bei der Schufa Daten über den Kunden abgefragt, um über einen möglichen Kredit und seinen Zins entscheiden zu können. Dabei haben sie einen Fehler gemacht. Der Bankmitarbeiter muss seine Anfrage bei der Schufa begründen. Wenn der Kunde zunächst nur Konditionen erfragt, um verschiedene Angebote vergleichen zu können, muss der Bankmitarbeiter das Merkmal „Anfrage Kreditkonditionen“ im Computerprogramm anklicken. Die Schufa weiß dann, dass der Kunde erst einmal nur ein Angebot haben will.

Falsche Merkmal ausgewählt

Klickt der Bankmitarbeiter dagegen das falsche Merkmal „Anfrage Kredit“ an, ist für die Schufa nicht zu erkennen, dass der Kunde nur ein Angebot wollte. Sie sieht, dass er nach einem Kredit gefragt hat, und weiß nicht, warum er ihn nicht bekommen oder genommen hat. Sie bewertet den Kunden daraufhin schlechter. Genau das ist sieben Testpersonen von Finanztest Ende 2007 bei insgesamt 7 von 14 untersuchten Banken passiert (siehe Test Kreditberatung). Die Schufa hatte Finanztest damals versichert, dass sie solche Fehler korrigieren kann. Dies wurde nun geprüft. Ergebnis: Die Korrektur klappt tatsächlich – aber nur, wenn die Banken mitspielen.

Zwölf Monate unverändert

Finanztest hat einige der betroffenen Testpersonen losgeschickt, um eine Berichtigung zu veranlassen. Üblicherweise bleibt ein Anfragemerkmal sonst zwölf Monate lang gespeichert und beeinflusst so lange die Kreditwürdigkeit des Bankkunden. Anneliese Jäger schrieb Ende Januar eine E-Mail an die Schufa (meineschufa@schufa.de), in der sie den Sachverhalt schilderte und um Korrektur bat. Gut eine Woche später teilte ihr die Schufa per Brief mit, dass sie eine Überprüfung des Sachverhalts bei den Banken veranlasst habe.
Tipp: test.de nennt Adressen der Schufa-Verbraucherservice-Stellen

Korrektur erst nach Anforderung

Ende Februar kam die positive Nachricht: Die Citibank und die Commerzbank hatten die Anfrage in das richtige Merkmal „Anfrage Kreditkonditionen“ geändert. Die ready bank löschte die Anfrage gleich ganz. „Wenn sich sonst nichts bei dem Verbraucher geändert hat, bekommt er theoretisch eine Kreditwürdigkeit ganz ähnlich wie vor der Anfrage“, sagt Schufa-Pressesprecherin Katrin Haase. Jäger fand sich allerdings mit einem Score-Wert von 642 in Ratingstufe B wieder. Sie hat die Stufe A damit nur knapp verfehlt. Dass sie nicht exakt denselben Wert hat wie zuvor, kann auch an ihrer Vergleichsgruppe liegen, erklärt die Schufa. Den Score berechnet die Schufa tagesaktuell auf der Grundlage einer Gruppe von Menschen mit denselben Merkmalen wie sie der Verbraucher hat, der den Kredit beantragt. Solche Merkmale sind zum Beispiel die Zahl der Kreditkarten und die bisherige Zahlungstreue bei Kredit- und Handyverträgen. Veränderungen in der Gruppe haben Folgen für den Score-Wert des Einzelnen.

Direkt an die Bank wenden

Bei den anderen Finanztest-Testpersonen klappte die Korrektur der falschen Schufa-Daten weniger gut als bei Jäger. Bei Thomas Binder (Namen von der Redaktion geändert) änderte die SEB Bank das schädliche Anfragemerkmal, die norisbank dagegen nicht. In solchen Fällen bittet die Schufa die Bankkunden darum, sich direkt an die Bank zu wenden. Die schriftliche Reklamation bei der norisbank war erfolgreich: Zehn Tage nach seinem Anruf bei der Schufa teilte diese Binder mit, dass das falsche Merkmal geändert wurde.

Schwierigkeiten mit Kreditinstitut

Bei Angela Stein (Namen von der Redaktion geändert) konnte die Schufa die von der ready bank und der Postbank gemeldeten falschen Merkmale ebenfalls nicht korrigieren. Beide Banken bestätigten das Merkmal „Anfrage Kredit“. Auch Stein schrieb die Banken an, erhielt aber bis Redaktionsschluss keine Antwort. Die Commerzbank verzögerte eine Korrektur, indem sie von einer Testperson die Bestätigung des in den Schufa-Daten gespeicherten Merkmals forderte. Dabei stand es schwarz auf weiß in dem der Bank vorliegenden Schufa-Schreiben.

Angaben für andere gesperrt

Im vergangenen Jahr haben 1,2 Millionen Menschen bei der Schufa eine Eigenauskunft geholt. Wie viele Daten korrigieren lassen wollten, sagt die Schufa nicht. „In Zweifelsfällen bleiben die Angaben des Verbrauchers für andere gesperrt, bis der Sachverhalt geklärt ist“, versichert Katrin Haase. „Nach der Korrektur schicken wir dem Verbraucher dann kostenlos eine neue Eigenauskunft zu.“

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