Schufa Meldung

Die Schufa speichert nicht nur Daten über den Einzelnen. Sie errechnet daraus auch so genannte Scores, die im Einzelfall für Ärger sorgen können.

Im Jahre 1876 stellte der Jurist und Mediziner Cesare Lombroso die These vom "geborenen Verbrecher" auf, den man am Körperbau erkennen könne. Nachdem er viele Kriminelle untersucht hatte, stand für Lombroso fest: Ein Verbrecher hat abstehende Ohren, zusammengewachsene Augenbrauen, schmale Lippen und hervorstehende Eckzähne. Ein Schablonendenken, das inzwischen als eindeutig überholt gilt.

Schufa-Scoring

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Im modernen Wirtschaftsleben feiert eine ähnliche Theorie jedoch gerade große Erfolge ­ die Lehre vom Scoring. Die Schutzgemeinschaft für Allgemeine Kreditsicherung (Schufa) hat Daten zu rund 53 Millionen Menschen gespeichert, die Indizien für die Kreditwürdigkeit sein sollen. Erfasst werden dabei neben vergebenen Krediten auch Girokonten und Kreditkartenverträge, vor allem aber negative Punkte wie gekündigte Kredite oder ein Offenbarungseid.

Ergänzend zu diesen Fakten teilt die Schufa seit 1997 Banken, Leasingfirmen und Telefongesellschaften auf Wunsch auch einen so genannte Score zu den Personen mit. Der Zahlenwert zwischen 1 und 1.000 soll die Auswertung der mitgeteilten Schufa-Daten erleichtern. Die Kredit vergebende Firma soll so schneller abschätzen können, ob der Kunde seine Verbindlichkeiten ordentlich erfüllen wird. Die pünktliche Rückzahlung gilt als umso sicherer, je höher der Score ist.

Wichtig ist dabei zunächst, dass ein mitgeteilter Score den Betroffenen an sich adelt. Denn für Menschen mit auffälligen Schufa-Einträgen wie geplatzten Krediten oder Gehaltspfändungen wird ein Score gar nicht erst berechnet. Der Punktwert soll nur bei bisher soliden Kunden die Gefahr eines überraschenden Kreditrisikos zeigen, etwa wegen Scheidung, einer Arbeitslosigkeit oder ungeplanten Kindern.

Errechnet wird der Score allerdings frei nach Lombroso: Der Einzelne wird benotet, indem man das Zahlungsverhalten einer Vergleichsgruppe in den letzten Monaten untersucht. Haben die meisten Leute mit ähnlichen Schufa-Daten ihre Raten ordentlich abgezahlt, gilt auch der Einzelkunde als kreditwürdig. Waren die Datenzwillinge jedoch schlechte Kunden, kann auch ein Millionär plötzlich als riskant gelten.

Score-Berechnung

Welche Faktoren den Scorewert im Einzelnen bestimmen, wird von der Schufa als Geschäftsgeheimnis behandelt. Angeblich will sie so verhindern, dass Bürger bewusst Risikofaktoren umgehen. Fest steht aber, dass so wichtige Punkte wie ein fester Job oder ein hohes Einkommen nicht von der Schufa gespeichert werden und damit auch nicht in den Score einfließen. Die Zahlungsfähigkeit wird also nicht berücksichtigt, während scheinbar unverfängliche Umstände, die aber gespeichert sind, den Score hochtreiben können.

So im Fall von Michael Waigel*. Der 25-Jährige hat eine Frau und zwei Kinder, seit 1991 denselben Arbeitsplatz mit gutem Verdienst und bisher alle Kredite pünktlich abgezahlt. Anscheinend ein idealer Kunde. Deshalb dachte sich Waigel nichts dabei, als er auf dem Antrag für einen ISDN-Anschluss bei Mannesmann Arcor auch die Zustimmung zur Schufa-Auskunft erklären musste. Doch dann hieß es für ihn: Kein Anschluss unter diesem Score. Man teilte Waigel mit, dass es bei seinem Scorewert 450 zu 31,52 Prozent wahrscheinlich sei, dass er innerhalb der nächsten 15 Monate "Schufa-auffällig werde". Dieses Risiko wolle Mannesmann Arcor nicht eingehen.

Eigenauskunft mit Folgen

Da Michael Waigel sich für das Opfer eines Irrtums hielt, beantragte er bei der Schufa eine Eigenauskunft zu den über ihn gespeicherten Daten. Der angeforderte Auszug enthielt nur den Hinweis auf zwei vorzeitig abgezahlte Kredite, Kreditanfragen zum Dispokredit und drei Versandhauskonten.

Auf Anraten der Schufa ließ Waigel alle veralteten Krediteinträge löschen und startete eine neue Anfrage ­ der Datenmüll war inzwischen gelöscht worden. Trotzdem hielt Mannesmann Arcor ihm weiterhin seinen schlechten Scorewert vor.

Keine Einzelfallprüfung

Der Score verfehlte in diesem Fall sein Ziel. Da er vom Kreditrisiko einer Vergleichsgruppe ausgeht, lässt er eine Bewertung des Einzelfalls nicht zu. Auch wenn bei Millionen Menschen mit ähnlichen Daten ein Kredit geplatzt ist, kann der Einzelne das Darlehen doch pünktlich auf Heller und Pfennig abzahlen.

Deshalb soll der Score auch nach dem erklärten Willen der Schufa nur ein Hilfsmittel bei der Kreditentscheidung sein. Wulf Bach, Geschäftsführer der Bundes-Schufa, formuliert es drastisch: "Als Leiter einer Bank würde ich jeden Mitarbeiter hinauswerfen, der einen Kreditkunden nur wegen seines Scores von 25 Prozent abweist. Denn damit gehen statistisch gesehen 75 Prozent guter Kunden verloren." Ein klärendes Gespräch sei immer vonnöten.

Dass Sachbearbeiter im Massengeschäft aber nur selten von einem vorgegebenen Score abweichen, liegt auf der Hand. Dieser soll ja gerade die Prüfung vereinfachen.

Und so hieß es denn auch im Brief von Mannesmann Arcor auf die Beschwerde von Michael Waigel: "... die Schufa hat Ihnen leider keine positive Bonität bescheinigt, woraufhin es uns nicht möglich ist, Ihnen ein Vertragsangebot zu unterbreiten." Dem Score wurde offenbar ohne Ansehen der Person blind geglaubt.

Selbstauskunft ein Eigentor

Warum sein Score trotz Löschung der alten Daten weiterhin schlecht ausfiel, konnte Michael Waigel nur durch hartnäckiges Nachfragen bei der Schufa klären. Man beziehe auch Eigenauskünfte in die Scoreberechnung ein, lautete die Auskunft. Erfahrungsgemäß würden gerade jüngere Leute mit der Eigenauskunft "etwas vorhaben" und "künftig auffällig werden". Auf gut Deutsch: Wer nachfragt, macht sich damit verdächtig.

Wer Falscheinträge löschen lässt, senkt also eventuell seinen Score, erhöht ihn aber sofort wieder mit einer Eigenauskunft zur Überprüfung. Ein wahrer Teufelskreis, der sich nur schwer mit dem Bundesdatenschutzgesetz vereinbaren lässt.

Da dieses Gesetz jedem Bürger das Recht auf Auskunft über seine Schufa-Daten garantiert, darf dieses Recht nicht dadurch eingeschränkt werden, dass sich negative Folgen aus der Eigenauskunft ergeben, meint auch der Bundesdatenschutzbeauftragte Joachim Jacob.

Michael Waigel hat inzwischen seinen ISDN-Anschluss. Nach Löschung seiner alten Daten lag sein Risikowert zwar immer noch bei unbefriedigenden 21 Prozent. Einen solchen Wert akzeptiert Mannesmann Arcor allerdings bei ISDN-Kunden.

*Name von der Redaktion geändert.

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