Privatkredit: So gibts Kredit

Schufa Test

Mit dem Programm „Kiwi“ bearbeitet die Berliner Sparkasse jährlich rund 20 000 Kreditanfragen. Das Programm berechnet die Kredit­kosten und prüft, ob der Kunde das Geld zurückzahlen kann.

Kunden sollten wissen, auf was es Banken und Sparkassen bei der Kreditvergabe ankommt. Die Berliner Sparkasse hat Finanztest zuschauen lassen.

Seien Sie neugierig bei der Kreditvergabe! Fragen Sie, ob Sie auf den Computerbildschirm schauen dürfen, auf dem das Kreditvergabeprogramm abläuft. Denn das ist interessant. Es ist auch ein kleiner Test. Lässt man Sie nicht gucken, sind Sie vielleicht nicht bei der richtigen Bank.

Häufig versteht ein Kunde nicht, warum sein Kreditantrag abgelehnt wird. Bankmitarbeiter berufen sich oft pauschal auf „eine schlechte Schufa“ und verraten keine Details.

Der Einblick in den Entscheidungsweg der Bank hilft dem Kreditsuchenden aber auch, sich selbst zu prüfen. Er findet leichter heraus, ob er die finanzielle Bürde wirklich schultern kann.

Die Gefahr, sich zu überheben, ist groß. Schätzungsweise drei Millionen Deutsche sind bereits nicht mehr in der Lage, es mit eigener Kraft aus den Miesen zu schaffen.

Kreditberatung schützt nicht vor unvernünftiger Verschuldung – und muss es auch nicht. Das Oberlandesgericht Stuttgart hat entschieden, dass eine Bank nicht vor Risiken einer speziellen Kreditverwendung warnen muss (Az. 6 U 52/02). Der Kunde muss selber wissen, ob die neue Schrankwand das extrem knappe Haushaltsgeld rechtfertigt.

Viele Kunden muten sich zu viel zu – und manche Kreditinstitute wittern das Geschäft. So hat die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen ermittelt, dass 17 von 28 Kreditinstituten einem Testkunden mit monatlich 1 300 Euro netto und einem Sparvermögen von 2 000 Euro im Schnitt stolze 12 500 Euro Kredit geben würden. Für die Verbraucherschützer steht fest: „Da droht der Einstieg in die Schuld­nerkarriere.“

Sparkasse dreht Bildschirm

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Zentraler Punkt der Kiwi-Prüfung ist die Etatrechnung. Die monatlichen Belastungen des Kunden und seine regelmäßigen Einkünfte werden ins Verhältnis gesetzt.

Es ist wichtig, dass Kreditkunden Details der Bankentscheidung erfahren. Die Berliner Sparkasse hat ihren Computerbildschirm für Finanztest gedreht und uns in ihr Kreditprogramm „Kiwi“ sehen lassen. Mit Kiwi („Kreditentscheidungsunterstützung auf Wissensbasis“) arbeitet der Berater, wenn ein Privatkunde mit regelmäßigem Einkommen Kredit möchte. So bewältigt die Berliner Sparkasse jährlich über 20 000 Anträge, die allesamt im Kundengespräch abgewickelt werden.

Los geht es mit Kundendaten wie Name und Adresse. Das Kundenalter wird in Kiwi auch erfasst, spielt aber bei der Sparkasse keine große Rolle. In anderen Kredithäusern ist das anders. So stellte der Bundesverband der Verbraucherzentralen im vergangenen Jahr die Diskriminierung von Senioren fest und brandmarkte unter anderem die norisbank, die Hypovereinsbank und die Citibank, die Rentner offenbar planmäßig Kredite versagten. Kiwi interessiert das nicht. Es wird aber nur bei Kunden im erwerbsfähigen Alter eingesetzt.

Dann sind zwei Unterschriften fällig. Eine kommt unter die Schufa-Erklärung, damit die Sparkasse Kundendaten melden und auch abfragen darf. Das geht online und ermöglicht Kiwi, die Daten über bestehende Konten und Kredite und Meldungen über säumige Zahlungen sofort zu berücksichtigen. Der Scorewert des Kunden interessiert Kiwi nicht.

Sicherheiten müssen sein

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Stehen alle Ampeln auf Grün, gibt es sofort Kredit. Leuchtet eine Kiwi-Ampel gelb, dürfen nur zwei Bankmitarbeiter gemeinsam den Kredit vergeben.

Die zweite Unterschrift kommt unter die Abtretungserklärung. Sie erlaubt es der Sparkasse im gesetzlich festgelegten Rahmen auf das Gehalt des Kunden zuzugreifen, wenn dieser den Kredit nicht zurückzahlt. Das reicht der Sparkasse in der Regel als Sicherheit, zumal sie oft einen Kredit an Lebensgefährten oder Ehepartner gemeinsam vergibt.

Natürlich können Kunden einen Kredit auch durch Bürgen absichern lassen oder eine Lebensversicherung als Sicherheit abtreten. Üblich ist das bei der Berliner Sparkasse aber nicht. Muss tatsächlich mal ein Bürge ran, gilt bei der Sparkasse: Der Hauptschuldner darf nicht so klamm sein, dass der Bürge die Last von Anfang allein tragen müsste.

Flexible Kreditberechnung

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Bei einer roten Ampel gibt es keinen Kredit.

Die Finanztest-Beispielkundin ist ledig und will allein für ihre Schulden geradestehen. Sie hätte gern 10 000 Euro. Kiwi macht Vorschläge und berechnet, wie hoch die Monatsraten bei verschiedenen Laufzeiten ausfallen würden – und umgekehrt.

Die Kundin will maximal eine Monatsrate von 350 Euro. Weniger wäre schön, aber je länger die Laufzeit, desto teurer der Kredit.

Nach Eingabe der 350 Euro meldet Kiwi, dass 35 Raten nach den Standardkonditionen nötig wären, und liefert die Bearbeitungskosten. Üblich sind 2 Prozent vom Nettokreditbetrag, also 200 Euro. Bis Ende April verzichtet die Berliner Sparkasse im Rahmen einer Werbeaktion aber darauf. So kostet der Kredit bei 35 Monaten Laufzeit 1 497,89 Euro, effektiver Jahreszins 9,66 Prozent.

In den Raten enthalten sind bereits die Kosten einer Restschuldversicherung (649,40 Euro). Die würde den Erben der Kundin im Fall ihres Todes die Rückzahlung der Raten ersparen und auch einspringen, wenn die Kundin durch Krankheit oder Unfall arbeitsunfähig wird. Nach Ablauf der sechswöchigen Lohnfortzahlung zahlt die Versicherung in solch einem Fall die Raten. Das sichert natürlich auch die Sparkasse ab.

Auf die Etatrechnung kommt es an

Die Kundin ist einverstanden und Kiwi macht die Etatrechnung auf. Im Mit­telpunkt steht das Monatseinkommen. Unsere Kundin verdient monatlich 2 500 Euro netto, muss das aber nicht belegen. Der Mitarbeiter kann ins Gehaltskonto schauen, das ebenfalls die Sparkasse führt. Alles in Ordnung.

Aber Kiwi spielt nicht mit. Die regelmäßige Zahlung ist in jüngster Zeit ausgeblieben. Weist ein Gehaltskonto 40 Tage keinen Habenumsatz aus, wird die Kreditampel im Feld „Sperren“ gelb.

Doch die Kundin erklärt es. Die Buchhaltung des Arbeitgebers hat geschlampt. Der Job existiert und ist nicht befristet. Sonst wäre ein Kredit nur mit einer Laufzeit möglich, die noch vor dem Job endet.

Sonstige Einnahmen hat die Kundin nicht und es geht an die fixen Ausga­ben. Die will Kiwi genau wissen. Es sind 500 Euro für Miete und Nebenkosten, 140 Euro monatlich für einen laufenden Kredit und 50 Euro, die für ein Privatdarlehen an den Vater gehen.

Nun errechnet Kiwi ein individuelles Exis­tenzminimum. Dieses muss 30 Prozent des verfügbaren Geldes, mindestens aber 500 Euro betragen. Beantragt ein Paar einen Kredit, müssen es 35 Prozent vom gemeinsamen Einkommen und mindestens 750 Euro sein.

Für unsere Kundin errechnet Kiwi ein Existenzminimum von 750 Euro (30 Prozent von 2 500 Euro Gehalt). Es reicht also dicke. Nach Abzug aller Verbindlichkeiten bleibt noch ein verfügbares Einkommen von 1 460 Euro. Wäre es hier knapp geworden, hätte der Berater gewarnt, dass während der Kreditlaufzeit größere Anschaffungen oder ein teurer Urlaub nicht drin sind.

Nun stellt Kiwi alles in einer Zahl dar, dem Verschuldungsgrad. Er zeigt das Verhältnis der fixen monatlichen Eingänge und der Gesamtverschuldung und soll bei der Sparkasse nicht über dem Wert 10 liegen. Das wäre der Fall, wenn die Schuldensumme das Zehn­fache der monatlichen Eingänge überschritte. Die Kreditampel stünde dann auf Rot.

Der Verschuldungsgrad unserer Kundin liegt bei 6,7, die Ampel ist grün. Darin sind alle – etwa über die Schufa bekannten – Dispokredite auf der Belastungsseite berücksichtigt, nicht nur die Belastung aus dem beantragten Kredit. Denn die Kundin könnte ihre Dispos ja ausschöpfen.

Kunde muss über drei Ampeln

Mit der Zahl 6,7 ist der Kreditantrag nun schon so gut wie durch. Die Kiwi-Ampel leuchtet nur im Feld „Sperren“ wegen des verspäteten Gehaltseingangs gelb. Aber die Kundin konnte ja erklären, dass es nicht an ihr liegt.

Trotzdem darf der Berater nun nicht mehr allein entscheiden. Das ginge nur, wenn alle Ampeln grün leuchteten. Also ruft er eine weitere Beraterin. Gemeinsam werfen beide noch einen Blick ins Feld „Schufa“, wo es zwar Einträge über bestehende Kreditkarten- und Girokonten gibt, aber keine bedenklichen Meldungen, etwa über geplatzte Kredite. Auch die „Schufa“-Ampel ist grün.

Nun bleibt noch ein Knopf auf der Eingabemaske „Abschluss“. Gemeinsam bewilligen beide Berater den Kredit. Das Geld geht aufs Girokonto.

Nach Angaben der Berliner Sparkasse werden 75 Prozent der Privatkredite auf diese Weise direkt am Beratertisch bewilligt.

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