Schufa Test

Aus Informationen über anonyme „Datenzwillinge“ eines Kunden errechnet die Schufa eine Zahl, die den Banken die Kreditentscheidung erleichtern soll. Ob diese Zahlen etwas taugen, weiß nur die Schufa selbst.

Ob Girokonto oder Handyvertrag – meist entscheiden auch die Daten der Schufa, ob finanzielle Dinge glatt laufen oder der Verbraucher in die Röhre schaut.

Die Daten deutscher Verbraucher kennt niemand besser als die Schufa. Die „Schutzgemeinschaft für allgemeine Kreditsicherung“ in Wiesbaden sammelt mithilfe ihrer Vertragspartner Daten und stellt sie ihnen zur Verfügung. Gegen Geld, versteht sich.

Mit knapp 2 300 Banken und Sparkassen sind fast alle deutschen Kreditinstitute im Verbund der Schufa. Sie hilft ihnen, Kunden zu durchschauen.

Die Banken liefern der Schufa dafür unter anderem Kundenadressen oder Daten zu Ratenkrediten. Sie melden auch unangenehme Fakten: Zahlt ein Kunde nicht oder überzieht er gegen den Willen der Bank den Dispo, erfährt es die Schufa.

Andere Daten können die Kreditinstitute melden, müssen es aber nicht, zum Beispiel, ob jemand ein Girokonto oder ein Baudarlehen hat. Manches melden sie gar nicht. Kundeneinkommen und Sparvermögen sind tabu.

Die Schufa sucht auch selber Daten, etwa in Schuldnerverzeichnissen. Sie ist keine Behörde, sondern ein Privatunternehmen, 1927 von der Berliner Versorgungsgesellschaft Bewag gegründet.

Schufa beschleunigt das Geschäft

Schufa Test

Im Schufa-Verbund sind nicht nur Kreditinstitute, sondern auch fast 2 000 Händler und andere Dienstleister, über 60 Telekommunikationsfirmen, fast 50 Versicherungen, 75 Versorgungs- und fast 90 Inkassounternehmen.

Mit über 350 gewerblichen Wohnungsgesellschaften machen sogar Vermieter mit, melden etwa Mietrückstände und informieren sich über schlechtes Zahlungsverhalten der Mieter bei Bankgeschäften. Auch das Online-Auktionshaus Ebay ist seit kurzem im Boot.

Rund 59 Millionen Bürger hat die Schufa in ihrem Speicher, den Großteil der geschäftsfähigen Bevölkerung. Die meis­ten finden das bedrohlich. Denn Schufa-Daten wirken da, wo es weh tun kann: in den privaten Finanzen.

Sie übersehen aber, dass ohne Schufa der flotte Kredit- oder Handyvertrag oder ein Kauf „auf Rechnung“ oft nur frommer Wunsch wäre. Sekundenschnelle Datenabfrage ermöglicht die sofortige Prüfung der Zahlungsfähigkeit. So profitieren viele Menschen vom Datenmoloch Schufa, der sich selber eine „Beschleunigerfunktion“ attestiert.

Rätselraten über das Scoring

Doch der Bequemlichkeit steht die Ungewissheit gegenüber, was die Schufa speichert und was damit geschieht. Jeder kann sich zwar die eigenen Daten anschauen. Aber niemand erfährt im Detail, wie die Schufa sie verarbeitet.

Sicher ist, dass sie Scoring-Werte berechnet. Dieser Score, eine Zahl, soll dem Schufa-Partner die Prognose erleichtern, ob ein Kunde zahlen wird.

Im Prinzip geht das so: Der Schufa-Computer sucht in der Datei Personen mit gleichen Merkmalen, wie der Kunde sie hat, dessen Scorewert errechnet werden soll. Welche Daten aus dem riesigen Bestand dies sind und welches Gewicht ihnen zukommt, ist geheim.

Sind die bis zu zwei Millionen Datenzwillinge des Kunden ermittelt, wird geschaut, wie groß deren Kreditwürdigkeit bislang war. Dafür bildet die Schufa einen Wert zwischen 0 und 1 000.

Zusammen mit den Rohdaten eines Kunden gibt sie den Wert weiter. Dabei adelt allein die Existenz des ­Scorewerts den Kunden nach Darstellung der Schufa. Denn über Kunden mit Negativeinträgen etwa über geplatzte Kredite wird erst gar kein Score erstellt.

Wie viele Vertragspartner Scorewerte nutzen, kann die Schufa derzeit nicht sagen. Scorewerte würden aber bei Sparkassen immer wichtiger. Das glaubt auch der Sparkassenverband.

Spekulationen schießen ins Kraut

Was den Score verschlechtert oder verbessert, sagt die Schufa nicht. Das sei aufgrund des komplexen Verfahrens nicht möglich.

Eine ältere Begründung lautet: Wüssten Verbraucher, was den Wert hebt, könnten sie ihn ja künstlich nach oben treiben. Was aber dagegen einzuwenden ist, wenn sich Kunden ordentlich verhalten, ist schwer nachzuvollziehen.

Also wird über den Score spekuliert. Der WDR berichtete, dass eine noble Adresse einen besseren Score bringe als ein Arme-Leute-Viertel, dass häufige Umzüge oder Jobwechsel den Score verschlechtern und die Regel „Je älter, je kreditwürdiger“ gelte. Obs stimmt? Wer fragt, erfährt nur, dass der Wohnort ­keine Rolle spielt.

Die Zahl der Selbstauskünfte sei inzwischen für den Scorewert ebenfalls ohne Bedeutung, sagt die Schufa – nach Kritik auch von Finanztest. Zuvor galt wohl: Wer guckt, ist ein Risiko.

Bedenken der Datenschützer

Datenschützer wie Thomas Petri vom Datenschutzzentrum Schleswig-Holstein halten das Scoring für rechtswidrig. „Scorewerte dürften nur weitergegeben werden, wenn der Betroffene einwilligt. Die Unterschrift unter eine Schufa-Erklärung reicht nicht. Wer versteht schon, was Scoring ist? Einwilligen kann man nur in etwas, was einem auch hinreichend erklärt wurde. Das aber ist hier so gut wie unmöglich.“

Die Schufa argumentiert anders. Auf die Einwilligung komme es nicht an, für Scorewerte gelte das Bundesdatenschutzgesetz nicht. Denn Scores seien keine „personenbezogenen Daten“. Nur diese Daten schützt das Gesetz.

Da Scorewerte nicht aus Daten der betreffenden Person, sondern aus denen einer anonymen Vergleichsgruppe berechnet werden, gebe es keinen Perso­nenbezug.

Die Schufa hat in diesem Punkt Unterstützung vom Amtsgericht Düsseldorf, das Scorewerte für „anonym“ und wohl nicht für personenbezogen hält (Az. 232 C 5842/02). Für die Schufa ist das ein Beleg der Rechtmäßigkeit des Scoring. Doch zur Rechtmäßigkeit hat das Gericht ausdrücklich geschwiegen.

Thomas Petri nennt das Schufa-Argument blanken Unsinn. „Nur wenn man Score und Person gemeinsam, eben „personenbezogen“ betrachtet, hat alles einen Nutzen. Und natürlich wird damit auch die Information übermittelt, dass ein bestimmter Mensch zu einer Gruppe mit bestimmten Risiken gehört. Wenn das nicht personenbezogen ist, was dann?“

Die Schufa hat noch ein Argument in Reserve: Selbst wenn der Scorewert personenbezogen sei, dürfe er weitergeleitet werden. Das Gesetz macht Ausnahmen, wenn Bürger kein „schutzwürdiges Interesse“ dagegensetzen können. Können sie nicht, sagt die Schufa, Scorewerte würden Kredite schließlich immer nur beschleunigen, nie verhindern.

Dagegen spricht die Erfahrung der Datenschützer. Dort beschweren sich ständig Bürger über Banken, die Kredite ablehnen mit den Worten „Ihr Score ist schlecht“. Dagegen spricht auch die Wortwahl der Schufa-Mitarbeiter, die Scorewerte in Gesprächen zwar meist „Kreditbeschleuniger“ nennen, sie dann aber doch auch als „Warnsignale“ bezeichnen. Alles nur vorteilhaft?

Die Daten müssen stimmen

Ob Kunden vom Scorewert nur profitieren, ist zweifelhaft. Denn nicht nur die Datenauswertung hat Tücken, sondern auch die Daten selbst.

Unsere Untersuchung der Schufa-Daten von 100 Menschen zeigte, dass sie mitunter schlicht falsch sind. Hinzu kommt, dass nach Schufa-Angaben Daten ins Scoring einfließen, über deren Meldung die Vertragspartner selber entscheiden. Was alles fehlt, weiß die ­Schufa nicht, verspricht aber, Unschärfen „durch Gewichtung“ zu berücksichtigen. Der Kunde muss es glauben.

Wäre nicht so unklar, wie Kunden ohne Scorewert im Geschäftsverkehr behandelt werden, wäre unser Rat klar: Jeder sollte der Weitergabe widersprechen. Denn ob die Zahlen als „Kulisse für die Kreditvergabe“ (O-Ton Schufa) taugen, weiß keiner.

Zumindest können Bürger ihren ­Scorewert sperren lassen, seit das Amtsgericht Hamburg einem Bürger erlaubte, die Weitergabe des Scores zu untersagen (Az. 9 C 168/01). Zum Urteil über die Zulässigkeit des Scoring kam es nicht, da die Schufa den Anspruch anerkannte. Seltsam, wo sie doch überzeugt ist, dass es diesen Anspruch nicht gibt.

Ob man es dem Hamburger nachtun sollte, ist ungewiss. Finanztest hat über einen Bürger berichtet, über den die Schufa überhaupt keine Daten hatte. Er bekam prompt Schwierigkeiten beim Abschluss eines Telefonvertrags. Wahrscheinlich kann auch ein fehlender Scorewert Geschäfte behindern.

Auch Mietern drohen Probleme

Die Schufa muss oft als Drohmittel herhalten. So schickten in der Vergangenheit etwa die Landesbank Baden-Württemberg, die Firma Interkom oder auch die CC-Bank ihren Kunden gleich mit der Mahnung den Hinweis, dass bei der Schufa ein negativer Eintrag droht. Auch gewerbliche Vermieter könnten künftig mit der Schufa Druck machen. Sie sind erst seit kurzem, aber schon zahlreich im Schufa-Verbund.

Datenschützer wie Daniel Holzapfel aus dem Büro des Berliner Datenschutzbeauftragten rechnen mit Druck auf die Mieter. Er fragt sich: Was passiert, wenn ein Vermieter Zahlungsverzug meldet, obwohl der Mieter wegen Schimmel zu Recht die Miete kürzt?

Zwar gilt bei der Schufa Zahlungsverzug erst bei unbestrittenen und fälligen Forderungen als negatives Merkmal. Doch nicht alle Mieter wissen, wie sie mit der Mahnung des Vermieters richtig umgehen. Bestreiten sie die Forderung zu spät, könnte die Sache an die Schufa gehen. Dann hilft meist nur ein Urteil zugunsten des Mieters als Beweis der Rechtschaffenheit. So kann er den Eintrag aus der Datei schaffen.

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