Schülerschreibtische Test

Liegen statt Sitzen. Nach einem langen Schultag lieben Kinder die Abwechslung.

Über tausend Euro kostet der teuerste Tisch im Test – aus edlem Holz, aber gefährlich für die Finger. Gut, dass es bessere und billigere Alternativen gibt.

Nichts gegen Bett, Fußboden oder Kuschelsofa. Zum Vokabelnpau­ken, Gedichtlernen oder Bücherlesen dürfen auch kleine Einsteins es sich gern gemütlich machen. Stehen zu Hause aber Schreiben, Rechnen oder Zeichnen auf dem Stundenplan, ist ein richtiger Schreibtisch der bessere Platz – der Handschrift und dem Rücken zuliebe. Müssen Schüler sich schon während des Unterrichts mit unbequemen Schulmöbeln her­umplagen, sollten sie wenigstens bei den Hausaufgaben komfortabel und rückengerecht sitzen dürfen – auf einem vernünftigen Stuhl und an einem kindgerechten, nicht zu kleinen Arbeitstisch.

Alle 14 Schülerschreibtische dieser Untersuchung lassen sich in der Höhe verstellen und haben eine durchgehende oder geteilte Tischplatte, die sich in mehreren Stufen oder stufenlos schräg stellen lässt. Damit erfüllen sie die wichtigste Empfehlung von Orthopäden und Ergonomen: Der Schreibtisch muss mitwachsen, sich auf die teils rasanten körperlichen Größenveränderungen während der Schulzeit einstellen lassen (siehe Interview). Die Forderung heißt: Nicht das Kind muss sich – zwangsweise – dem Möbel anpassen, sondern das Möbel muss sich vielmehr dem Kind anpassen.

Spitzenreiter nicht unter 560 Euro

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Doch dafür müssen Eltern oft tief in die Tasche greifen. Die Modelle unserer Auswahl kosten zwischen 90 und über 1 000 Euro. Die Spitzenreiter, Hülsta Xpert C1, Moll Booster und Moll Ovato, sind nicht unter 560 Euro (ohne Anbauten) zu haben. Doch dafür gibt es rundum überzeugende Qualität. Als preisgünstige „gute“ Alternative bietet sich Kettler Kid's Comfort für rund 200 Euro an. Er taugt aber nur bedingt fürs Arbeiten am PC. Denn für einen Röhrenmonitor ist die Tischplatte nicht tief genug.

Der Teuerste ist mangelhaft

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Die Gleichung „teuer ist gut“ geht aber nicht immer auf. Ausgerechnet der teuerste Schreibtisch im Test, Stilvoll Crescendo C2 für 1 070 Euro, hat einen gefährlichen Konstruktionsmangel. Schon bei leichter Berührung, manchmal sogar ganz ohne Zutun, löst sich die letzte Stufe der Plattenarretierung und der schräg gestellte Teil saust herab. Glück gehabt, wenn sich das Kind nur erschreckt und seine Finger nicht dazwischenstecken. Statt Freude an dem schönen, langlebigen Buchentisch stellt sich Ärger ein.

Ebenfalls „mangelhaft“ und somit keine Investition in die Zukunft ist Moizi 5 für knapp 500 Euro. An sich ein kindgerechter Schreibtisch, praktisch und sehr gut zum PC-Arbeitsplatz auszubauen. Aber er ist unter Belastung nicht standsicher. In den oberen Positionen, ab der vierten Bohrung, kippt er einfach nach vorn um, wenn sich zum Beispiel der Vater zum Junior auf die Kante hockt.

Massivholz – schön, aber empfindlich

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Haltbarkeit: Hier wird von oben beschwert, seitlich 10 000 Mal gedrückt und dabei geprüft, ob sich der Schreibtisch verzieht.

Wie teuer der heimische Kinderarbeitsplatz kommt, ist auch eine Frage des Materials. Von weicher Kiefer oder Fichte abgesehen sind Tischplatten aus Vollholz oft kostspieliger als einfache beschichtete Spanplatten. Massives Holz sieht dafür edler aus, zumindest im Neuzustand. Gerade die Platten werden beim jahrelangen Schreiben, Malen und Spielen arg strapaziert und sollten möglichst robust sein. Geölte und gewachste Holzflächen sind das von Hause aus nicht, Gebrauchsspuren unausweichlich. Schon wenig Wasser, das kurze Zeit einwirkt, gibt Flecken. So manch hässliche Stelle oder kleiner Kratzer lässt sich aber mit den beigefügten Pflegesets wieder ausmerzen. Unverständlich, dass das bei DeBreuyn fehlt.

Auch lackierte Holzfurniere machen optisch etwas her. Ist der Lack satt und hart wie auf dem Buchenfurnier des Hülsta Xpert C1, bleibt die Fläche lange schön. Bei billigeren Modellen wie Flexa (rund 190 Euro) und Mavicon (104 Euro) mit lackierter Kiefernoberfläche darf man damit nicht rechnen. Die Lackschicht ist minderwertiger, und Kiefernholz ist von Natur aus weicher und druckempfindlicher als Buche, dafür auch billiger.

Grundsätzlich hält die Kunstharzbe­schichtung am meisten aus. Von ihr lassen sich viele Flecken relativ leicht entfernen, zum Beispiel Kugelschreiber, Saft oder Senf. Am widerstandfähigsten war im Test die Tischplatte von Paidi Marco. Sie nimmt wenig übel, bekommt kaum Kratzer oder Druckstellen. Anders die Faserplatte von Interlink Plato. Ihr Überzug ist empfindlich, zerkratzt leicht und sieht darum schnell alt aus.

Interlink Plato gibt Formaldehyd ab

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Die Großschublade von Paidi Marco und Paulo hält auf Dauer wenig aus. Die Führungsschienen brechen, die Lade kracht herunter.

Mit diesem billigen Tisch für 90 Euro macht man seinem Nachwuchs auch sonst wenig Freude. Am Rollcontainer nerven scharfe Kanten, der Tisch wackelt und er ist mit Schadstoffen belastet. Die empfindlichen Messinstrumente registrierten Formaldehyd und giftige Pestizide (Holzschutzmittel). Alles noch unterhalb der gesetzlichen Grenzwerte und deshalb mit „ausreichend“ benotet, aber unnötig hoch und vermeidbar.

Vier Tische (Flexa, Mavicon, Paidi Paulo, Team 7) geben vermehrt flüchtige organische Verbindungen ab, so genannte VOC (volatile organic compounds). Das sind hier meist Terpene, die natürlicherweise im Kiefernholz vorkommen oder, wie bei Paidi Paulo, Lackbestandteile. Unerwünscht ist beides. Solche Substanzen belasten die Raumluft und können in hoher Konzentration Schleimhäute reizen oder Allergien auslösen.

Wie sich die Schreibtische im Alltag bewähren, haben neben Experten auch Grundschüler und Erwachsene ausprobiert. Die Großen mussten die Möbel aufbauen und in der Höhe verstellen, die Kleinen die Platte schräg stellen und prüfen, wie praktisch der Tisch insgesamt ist. Besonders umständlich gestaltet sich der Auf- und Umbau bei DeBreuyn und Flexa. Das liegt zum einen an der Konstruktion – bei DeBreuyn muss man zum Höherstellen zum Beispiel viele Teile gleichzeitig halten und verschrauben – zum anderen an chaotischen Montageanleitungen. Bloß gut, dass Kinder nicht Monat für Monat kräftig nach oben schießen. Das Anpassen der Tischhöhe (siehe Tabelle: So passen Tisch und Stuhl zum Kind) ist daher meist nur ein- oder zweimal im Jahr erforderlich.

Heftfixierung muss sein

Tagtäglich kann aber das Schräg- beziehungsweise Flachstellen der Tischplatte fällig werden, je nachdem, ob darauf geschrieben, gezeichnet oder gespielt wird. Am bequemsten sind stufenlose, gas- oder bremsfederunterstützte Verstellungen wie bei Hülsta Xpert C1 und den Moll-Schreibtischen. Üblich sind aber eher Rastermechanismen, oft einfach, manchmal umständlich zu bedienen.

Unglücklich waren die Schüler über die fehlende Fixiermöglichkeit bei Mayer Young College. In geneigter Position rutschen Hefte und Bücher einfach herunter. Das passiert nicht, wenn sie von einer Halterung am Tischrand gestoppt werden. So etwas gehört zur Grundausstattung. Praktisch ist auch eine geteilte Platte. Dann dient der feste Teil als Ablage. So ausgerüstet, werden die Junioren dort sicher gern Platz nehmen.

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