Interview: „Ist der Tisch zu hoch, verkrampfen sich die Kinder“

Schülerschreibtische Test

Professor Hans W. Jürgens

Professor Hans W. Jürgens, Leiter der Forschungsgruppe Industrieanthropologie an der Universität Kiel und Vorsitzender der ISO-Normungskommission für Schulmöbel.

Was gehört zu einem ergonomisch richtigen Hausaufgabenplatz?

Tisch und Stuhl müssen an die Körpermaße des Kindes angepasst sein und dabei die Unterschiede, die durch das schnelle Wachsen auftreten können, berücksichtigen. Das ist entweder durch verschieden große Stühle möglich oder über die Verstellbarkeit von Tisch und Stuhl. Dazu gehört, dass sich Höhe und Tiefe der Sitzfläche und die Rückenlehnenhöhe anpassen lassen – am besten in Kombination.

Was kann man dabei falsch machen?

Der häufigste Fehler sind zu hohe Stüh­le oder eine zu hohe Einstellung der Sitzhöhe, sodass die Kinder ihre Füße nicht vollständig auf den Boden auf­setzen können. Ein generelles Problem sind auch zu hohe oder zu hoch eingestellte Tischplatten, sodass das Kind bei der Arbeit die Schultern hochzieht und sich dabei verkrampft. Das tritt verstärkt beim Arbeiten an der Computertastatur auf.

Muss die Tischplatte neigbar sein?

Umfangreiche Untersuchungen von Orthopäden und Augenärzten zeigen, dass die Platte mindestens bis 16 Grad neigbar sein soll. Das ermöglicht es dem Kind, unterschiedliche Sitzpositionen einzunehmen, je nachdem, was es gerade tut. So kann es selbst wählen, ob es zum Beispiel weiter unten auf der Platte, also körpernah, schreibt oder liest oder eher weiter oben. Das führt automatisch dazu, dass das Kind seine Haltung öfter wechselt, ganz im Sinne des dynamischen Sitzens.

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