Schreibtischdrehstühle Test

Abgebrochene und verbogene Armlehnen, scharfe Kanten an Gasfedern, wo sie gefährlich sind, fehlende Warnhinweise und kippelige Stühle: Dieser Test offenbarte Mängel gleich reihenweise. Besonders bei billigen Angeboten wird an der Sicherheit gespart.

Fünf Jahre ist es her, doch an den Schrecken kann sich der junge Kollege noch gut erinnern: Plötzlich und ohne Vorwarnung knackte sein Bürostuhl nach hinten weg, und die Gasfeder schoss explosionsartig zwischen seinen Beinen durch das Zimmer. Zum Glück kam niemand zu Schaden.

Ähnliches passierte bis Anfang der 80er Jahre häufiger – teilweise mit schweren Verletzungen. Ein Grund: Scharfe Kanten an der Halterung setzten der Gasfeder – dem Bauteil für das bequeme Verstellen des Sitzes – punktuell so zu, dass sie mit der Zeit Risse bekam und zerbarst. Erst eine Sicherheitsnorm für Gasfedern in Büroarbeitsstühlen bannte die Gefahr. Seitdem sind gerundete Kanten an der Gasfederkonstruktion Stand der Technik.

Unsichere Gasfedern

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Schwachpunkt Armlehnen: Einige verformten sich stark...

Diesen Sicherheitsstandard sollten die Anbieter kennen und umsetzen. Doch nicht alle liefern die zu erwartende Qualität – ob aus Unwissenheit oder aus Kostengründen, sei dahingestellt. Bei 5 von 14 Schreibtischstühlen stellten wir an der Gasfederhalterung scharfe Kanten oder eine zu geringe Abdeckung fest, meist bei preisgünstigen Modellen. Der Drehstuhl H 305-3 sowie die Modelle Ikea / Bonny, Roller / Ashton, XXXLutz / Enzo und der teurere Topstar Alustar Basic bekamen die rote Karte: „mangelhaft“. Ihr Sicherheitsrisiko ist nicht zu unterschätzen.

Schreibtischdrehstühle für die Wohnung gelten streng genommen nicht als Büroarbeitsstühle. Aber daheim werden sie nicht selten genauso intensiv benutzt und strapaziert. Deshalb stellen seit kurzem Prüfinstitute, die das „GS“-Zeichen für „Geprüfte Sicherheit“ vergeben, an sie die gleichen Sicherheitsanforderungen wie an Büroarbeitsstühle. Wir sehen das genauso. Zumal diese Sitzmöbel häufig als „Bürostühle“ angepriesen werden. Die angeblichen Profieigenschaften machen sie auch interessant für Kleinbetriebe und Ich-AGs, die sich teure Modelle vom Büroausstatter oft nicht leisten können.

Kippelige Stühle

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oder gingen unter Belastung zu Bruch.

Gefahr droht Heimarbeitern am Schreibtisch auch durch kippelige Exemplare. Vier Drehstühle – Nowy Styl Master 10, Höffner / Techno Line Arco, Topstar Alustar Basic und Roller / Ashton – sind nicht standsicher. Wer sich mit voller Wucht nach hinten oder zur Seite fallen lässt, oder wenn jemand kraftvoll an ihnen zieht, droht der Abgang. An den beiden Chefsesseln von Roller und XXXLutz kann man sich obendrein die Finger übel klemmen. An der Verstellmechanik gingen die hölzernen Prüffinger zu Bruch. „Nussknackereffekt“ heißt das im Fachjargon.

Mängel offenbarten einige in der Haltbarkeit. An den Topstar-Stühlen Ergo Steel und Point 60 sowie den Modellen H 305-3 und Höffner brachen unter Belastung die Armlehnen ab. Beim Topstar Ergo Steel verbogen sie sich schon bei 35 Kilogramm. Da die Stühle durch derartige Mängel aber nicht unbrauchbar werden – kaputte Armlehnen können ersetzt werden – haben wir sie noch „ausreichend“ haltbar genannt.

Keine Verstellmöglichkeiten

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Risiko Gasfeder: Schlecht ist es, wenn sie von der Halterung zu wenig abgedeckt ist...

Apropos Armlehnen: Die meisten Stühle werden mit und ohne angeboten. Oft kann der Kunde sogar zwischen verschiedenen wählen. Ergonomisch sinnvoll sind Armstützen, wenn sie passen: Ober- und Unterarm bilden annähernd einen rechten Winkel. Nur dann werden Schultern und Nacken wirksam entlastet.

Am besten sind höhenverstellbare Armlehnen, die sich individuell anpassen lassen. Selbstverständlich sind sie nicht. Gerade billige Stühle bieten oft nur feste Stützen, so auch die beiden sogenannten Chefsessel von Roller und XXXLutz. Diese beiden Möbel bieten außer der variablen Sitzhöhe und einer Wippfunktion keinerlei Verstellmöglichkeiten. Auf ihnen sitzen nur die bequem, für die sie exakt passen.

Aktives Sitzen

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oder die Innenkante der Halterung scharfkantig ist.

Ein Schreibtischstuhl sollte möglichst vielen Menschen „guten“ Sitzkomfort bieten. Im Test waren das gerade einmal drei teure Modelle: Sedus Netwin, Trend!Office Sim-o Operator und Ikea / Verksam. Wichtig für den Komfort ist, dass man Sitzhöhe und -tiefe sowie Rücken- und Armlehne seinen Körpermaßen anpassen kann. Rückengerecht wird der Stuhl mit ergonomisch geformtem Rückenpolster oder einer höhenverstellbaren Beckenrandabstützung, oft als Lordosenstütze bezeichnet. Sinnvoll ist auch eine Synchronmechanik. Dabei neigen sich Rückenlehne und Sitz gleichzeitig in einem abgestimmten Verhältnis. So rutscht man beim Nachhintenlehnen nicht heraus.

Sie verhindert auch den sogenannten „Hemdauszieheffekt“ beim Wechseln der Sitzpositionen. All dies fördert aktives Sitzen, wie es sich Orthopäden wünschen. Die Bewegung und der Wechsel zwischen verschiedenen Sitzhaltungen aktivieren die Muskeln und schonen die Bandscheiben. Als entlastend gilt auch das früher verpönte Sitzen mit nach hinten geneigtem Oberkörper, Relax-Haltung genannt.

So stellen Sie den Stuhl richtig ein

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  • Sitzhöhe: Die Füße sollen fest auf dem Boden stehen, Ober- und Unterschenkel einen Winkel von 90 Grad bilden.
  • Sitztiefe: Zwischen Kniekehle und Vorderkante des Sitzes sollte mindestens drei Finger breit Platz sein.
  • Sitzflächenneigung: Für die vordere Sitzposition soll die Sitzfläche leicht nach unten geneigt werden können.
  • Rückenlehne: Damit das Becken wirksam abgestützt werden kann, muss der verstärkte Teil der Polsterung etwa 15 bis 20 Zentimeter über der hinteren Sitzkante sein. In der mittleren Sitzposition soll die Lehne einen Winkel von etwa 100 Grad bilden, beim Entspannen etwa 120 Grad.
  • Armlehnen: Ober- und Unterarm sollen einen rechten Winkel (90 Grad) bilden.

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