Schorn­steinfeger Special

Ab 2013 bestimmen Haus­besitzer selbst, wer ihnen aufs Dach steigt. Sie können sich den Kamin­kehrer frei aussuchen. Voraus­gesetzt, sie binden sich jetzt nicht lang­fristig.

Schorn­steinfeger sind wie kleine Könige. Jeder hat sein eigenes Reich, den Kehr­bezirk, wo er ohne Konkurrenz ist. Das bringt viele Kunden in Rage. Steigt der Kamin­kehrer aufs Dach, müssen sie zahlen, egal ob sie mit der Arbeit zufrieden sind oder nicht. Und der Mann mit dem Zylinder kommt in unerbitt­licher Regel­mäßig­keit. Vor der schwarzen Zunft gibt es kein Entrinnen. Das ändert sich nun: Das Kehr­monopol, 1935 einge­führt und 1969 per Gesetz geändert, geht zu Ende.

Konkurrenz beim Kehren

Ab 2013 können Kunden sich frei einen Betrieb aussuchen. Dann bekommen Schorn­steinfeger Konkurrenz aus anderen Branchen, zum Beispiel von Heizungs­bauern. Haus­besitzer müssen jetzt schon aufpassen: Einige Kehrer legen Kunden lang­fristige Verträge vor oder Verträge mit Verlängerungs­klausel. Wer unter­schreibt, hat von der neuen Wahl­freiheit erst­mal nichts.

Hintergrund ist, dass die EU im Mono­pol einen Verstoß gegen die Dienst­leistungs­freiheit sieht. Daher wird nun das bisherige Schorn­steinfegergesetz durch das neue Schorn­steinfeger­hand­werks­gesetz ersetzt. Die Arbeit eines Kamin­kehrers wird in zwei Bereiche aufgeteilt.

Erstens, eine Aufgabe des Staates

Schorn­steinfeger Special

Auch für die Immissions­schutz­messung alle zwei bis drei Jahre dürfen Kunden künftig frei einen Betrieb auswählen.

Die Brandsicherheit, die Abnahme eines neuen Kamins oder das Kehr­buch, in dem steht, wann der Schorn­stein im Haus gefegt und kontrolliert wurde: All das sieht der Staat als seine Aufgabe. Weil von Feuer­stellen Brandgefahr ausgehen kann, will er sicher­gehen, dass sie tech­nisch in Ordnung sind. Bei diesen hoheitlichen Aufgaben bleibt alles wie bisher: Zuständig ist der „bevoll­mächtigte Bezirks­schorn­steinfeger“. Der bisherige Titel Bezirks­schorn­steinfegermeister muss den Zusatz „Meister“ abgeben, da dies eine deutsche Qualifikation ist. EU-recht­lich korrekt heißt er dann „bevoll­mächtigter Bezirks­schorn­steinfeger“.

Der König erhält also einen neuen Titel, bleibt in seinem Reich und erfüllt dort hoheitliche Aufgaben: Alle drei­einhalb Jahre – bisher alle fünf – besucht er sein Volk zur Feuer­stättenschau und begut­achtet die Anlage vom Brenn­raum bis zur Schorn­steinkrone. Da hat der Kunde keine Wahl: Er muss den Bevoll­mächtigten herein­lassen.

Zweitens, eine Aufgabe des Kehrers

Anders bei der eigentlichen Arbeit vor Ort. Das Kaminkehren gibt der Staat ab 2013 frei. Dann müssen Kunden dafür nicht mehr den Bezirks­schorn­steinfeger nehmen, sondern können selbst einen Betrieb wählen. Der muss allerdings beim Bundes­amt für Wirt­schaft und Ausfuhr­kontrolle und bei der Handwerks­kammer registriert sein. Auch Installateur- und Heizungs­baumeister können sich mit Zusatz­qualifikationen registrieren lassen. Anderer­seits dürfen Schorn­steinfeger künftig auch Arbeiten an der Heizung erledigen.

Tipp: Adressen finden Sie beim Bundes­amt für Wirt­schaft und Ausfuhr­kontrolle, www.bafa.de, „Schorn­steinfe­gerregister“ oder unter www.schornsteinfeger.de.

Freien Feger suchen

Bis Ende dieses Jahres erhalten Haus­besitzer den Feuer­stätten­bescheid: Dort steht, welche Anlagen es im Haus gibt und welche Arbeiten zu tun sind. Der Bescheid kostet 12 bis 40 Euro, je nach Zahl der Feuer­stätten. Mit diesen Daten weiß auch ein fremder Kamin­kehrer, was zu tun ist. Kunden können sich damit für die Kehr­arbeiten einen freien Feger suchen.

Als Über­gangs­regelung gilt, dass Betriebe aus dem EU-Ausland, aus Norwegen oder der Schweiz schon heute hier arbeiten dürfen. Deutsche Betriebe dürfen sich aber erst ab 2013 anbieten.

Achtung: „Anders als bisher können Haus­eigentümer künftig nicht mehr warten, bis der Schorn­steinfeger von sich aus kommt“, betont Rainer Albus, Bezirks­schorn­steinfegermeister im rhein­land-pfäl­zischen Diez und ehren­amtlicher tech­nischer Landes­innungs­wart. Vielmehr müssen sie sich künftig selbst kümmern und einen Feger beauftragen. Und sie müssen nach­weisen, dass alles ordnungs­gemäß erledigt wurde. Die Formulare dafür gibt ihnen der Kehrer. Er kann sie auch im Kunden­auftrag direkt an den Bezirks­schorn­steinfeger schi­cken.

Tipp: Lassen Sie sich in diesem Fall eine Kopie geben. Verantwort­lich für den Nach­weis bleibt der Haus­eigentümer.

Im Feuer­stätten­bescheid steht kein fester Termin, sondern eine Frist von mehreren Wochen. Der Nach­weis, dass die Arbeit erledigt wurde, muss bis 14 Tage nach Ende der Frist beim Bevoll­mächtigten sein. Falls nicht, erfolgt ein Zweit­bescheid, oft gegen 45 Euro Gebühr. Kümmert der Eigentümer sich dann immer noch nicht, kommt eine Ersatz­vornahme: Die Arbeiten werden im Voll­stre­ckungs­verfahren ausgeführt.

Tipp: Wer Sorge hat, Termine zu verpassen, kann den jetzigen Feger bitten, weiter zu kehren. Den Service, ihre Kunden recht­zeitig mit einer Post­karte an fällige Arbeiten zu erinnern, werden ab 2013 allerdings auch Fremd­betriebe bieten.

Einige Schorn­steinfeger versuchen bereits, Eigentümern zweijäh­rige Verträge über eine „Gas-Hausschau“ unter­zujubeln. Da wird suggeriert, jähr­liche Kontrollen seien Pflicht. „Irreführend“, nennt das Wolf-Bodo Friers, Geschäfts­führer von Haus und Grund Frank­furt/Main. Was einige Kehrer anbieten, ist eine rein optische Kontrolle. Die kann jeder Eigentümer selbst vornehmen – auch ohne tech­nische Kennt­nisse.

Tipp: Wie das geht, steht unter www.dvgw.de, Such­wort „Sicherheit im Haus“.

Bisher kommt der Schorn­steinfeger meist alle zwei Jahre, bei modernen Heizungen auch alle drei Jahre zur Immissions­schutz­messung. Auch diese Arbeit kann der Hausherr künftig frei vergeben.

10 bis 30 Prozent sparen

Die neue Wahl­freiheit dürfte die Preise um 10 bis 30 Prozent senken, schätzt das Zentrum für umwelt­bewusstes Bauen. Mit dieser Spanne werben heute auch Betriebe aus der Europäischen Union. So verspricht www.freieschornsteinfegerwahl.de bis zu 30 Prozent. Schorn­steinfeger rechnen nach Arbeits­werten ab. Die Stundensätze liegen meist bei 52,55 bis 72 Euro. Dagegen sind es zum Beispiel „bei Installateuren und Heizungs­bauern im Bezirk Stutt­gart etwa 42 bis 45 Euro“, so Franz Falk, Geschäfts­führer der Handwerks­kammer Stutt­gart. Es bleibt also Luft für Preissenkungen. Und damit würde im Reich des Schorn­steinfegers der Kunde zum König.

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