Schokolade Test

Alle 25 Produkte haben ein intensives Kakaoaroma. Doch Kennzeichnungsmängel und Schadstoffe kosten Punkte. Wir beleuchten auch die Produktionskette.

Die dunkle Schöne umweht heutzutage ein Hauch von Exotik: Viele Tafeln locken mit Bildern von prallen Kakaofrüchten, mit Landkarten ferner Anbaugefilde wie Papua-Neuguinea, São Tomé und Tobago. Gerade bei Bitterschokolade werden Herkunft und Kakaosorte ganz besonders betont.

Und die Deutschen lassen sich gern verführen. Der Umsatz von Bitterschokolade ist 2006 um rund 23 Prozent gestiegen. Wohl auch, weil ihr zunehmend positive Effekte für die Gesundheit nachgesagt werden (siehe „Gesundheit“). Wer aber glaubt, er setze mit der bitteren weniger Pfunde an, irrt: Mit rund 550 Kilokalorien pro 100 Gramm hat sie in etwa den gleichen Energiegehalt wie Milchschokolade. Es wird gemunkelt, die Bittere habe im Norden Deutschlands mehr Anhänger, die Süße dagegen im Süden.

Nach den Milchschokoladen haben wir jetzt 25 Bitterschokoladen untersucht. Neben dem Sarotti-Klassiker, der „Herrenschokolade“ in Schwarz, bietet heute fast jede große Schokoladenmarke Tafeln mit hohem Kakaogehalt an. Von Bitterschokolade spricht man ab etwa 60 Prozent Kakaoanteil, genau festgelegt ist das aber nicht.

Discounter schlagen Edelmarken

Die Überraschung: Nicht die Konfiserien, sondern die Discounter Aldi und Lidl haben im Test die Nase vorn. Neben Arko, Tchibo, Tip, Ritter Sport und Zetti sind ihre Tafeln „gut“. Manche Traditions- und Edelmarke – wie Gubor, Rausch, Hachez, Leysieffer – schafft nur ein „Ausreichend“.

­Kadmium in Edelkakao

In allen Bitterschokoladen im Test fanden wir das Schwerme­tall Kadmium, den höchsten Gehalt bei Rausch. Das Problem ist nicht neu, gerade Tafeln mit viel Edelkakao sind betroffen. Manche Edelkakaosorten gedeihen auf vulkanischen Böden und nehmen Kadmium über die Wurzel auf, ein ganz natürlicher Prozess also.

Bis heute gibt es keinen Grenzwert für Kadmium in Schokolade. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) empfiehlt für dunkle Schokolade einen Höchstgehalt von 0,3 Milligramm pro Kilogramm. Die Rausch-Tafel überschritt diesen Wert um die Hälfte und bekommt so im Schadstoffurteil nur „ausreichend“.

Lebensmittel, die viel Kadmium enthalten, können beim Menschen zu Übelkeit, Durchfall und Nierenschäden führen. Zigarettenrauch belastet den Körper allerdings noch stärker. Laut BfR machen 150 Gramm Schokolade pro Woche, die mit dem Höchstgehalt belastet sind, etwa 10 Prozent der vorläufig duldbaren Menge an Kadmium pro Woche aus. Ein Grenzwert wäre nützlich, könnte aber gleichzeitig das Aus für bestimmte Kakaoländer oder -sorten bedeuten.

Mal bitter-süß, mal fruchtig-sauer

Bei Côte d’Or und Hachez waren Fehler in Geruch und Geschmack Grund für die mäßige Note. Generell schnitten fast alle Schokoladen sensorisch gut ab, Mängel gab es selten. Die Geschmacksvielfalt ist groß: Einige zeigen eine milde, andere eine starke Bitternote. Einige schmecken deutlich süß, andere fruchtig-sauer. Unsere Beschreibungen helfen, die Lieblingstafel zu finden (siehe Tabellen).

Kakaogehalt stimmt nicht immer

Viele Minuspunkte in der Bewertung gehen auf das Konto schwerwiegender Fehler in der Kennzeichnung. Da erweisen sich Kakaogehalte niedriger als angegeben, Nährwerte und Zutaten auf der Verpa­ckung als nicht korrekt und eine Jahrgangsschokolade verwirrt durch zwei unterschiedliche Jahresan­gaben. Für die Deklaration heißt es dann „mangelhaft“, im Endurteil „ausreichend“. Auch die Bioprodukte von Karina, gepa und Sarotti sind davon betroffen. In puncto geografische Herkunft halten die Tafeln jedoch tatsächlich, was sie versprechen. Wir haben diejenigen, die konkrete Angaben machen, im Labor geprüft.

Erschreckend viel PAK bei Rapunzel

Einen absolut unerwarteten Fund bescherte uns die Bio Negro Edelbitterschokolade von Rapunzel: Wir fanden in ihr erschreckend hohe Gehalte polyzyklischer aromatischer Kohlenwasserstoffe (PAK), davon Benzo(a)pyren in einer Menge von 10 Mikrogramm pro Kilogramm. PAK stehen unter Verdacht, Krebs zu erzeugen. Wie sie in die Schokolade gelangten, können wir nicht sagen. Klar ist aber: Es fehlte an Kontrollen, die Schokolade hätte erst gar nicht verkauft werden dürfen. Das Urteil: „mangelhaft“.

Rapunzel erschüttert so das Vertrauen in seine Schokoladen. Neben gepa ist es die einzige Marke im Test, die Biokriterien mit fairem Handel vereint.

Gesellschaftliche Verantwortung (CSR)

Rund 20 Millionen Kleinbauern leben vom Kakaoanbau, meist in Entwicklungs- und Schwellenländern rund um den Äquator. Fast 60 Prozent der Weltproduktion stammen aus der Elfenbeinküste und Ghana, der Rest aus Südamerika und Asien. Vielerorts kämpfen die Kakaobauern ums Überleben, gegen schwankende Kakaopreise, Missernten und Klimaeinflüsse.

Wir haben nachgefragt, wie die Hersteller ihre Unternehmensverantwortung gegenüber den Bauern und der Natur wahrnehmen (Corporate Social Responsibility, CSR). Ein Fragebogen an die Anbieter im Test half uns dabei. Außer Rotstern haben alle geantwortet.

Der Vorteil fairer Preise

Die meisten Schokoladen wurden aus Kakao aus Ecuador, Venezuela, Westafrika und der Karibik hergestellt, geht aus den Antworten hervor. Die Hersteller kaufen den Rohstoff oft über Zwischenhändler und Importeure ein oder – und das gilt vor allem für Fairtrade- und Bioprodukte – direkt von den Plantagen. Fairtrade- und Bio-Importeuren ist es so möglich, die Produktionskette gut zu überblicken.

Für Produkte mit dem Transfair- oder Hand-in-Hand-Siegel (Lidl, gepa, Rapunzel) werden den Bauern Mindestpreise plus ein Entwicklungszuschlag gezahlt. Große Schwankungen auf dem Weltmarkt können so besser ausgeglichen werden. Viele Hersteller gaben keine konkrete Antwort, inwiefern sie Bauern angemessen bezahlen. Oder sie sagten, sie können den Weltmarktpreis nicht beeinflussen.

Um besser wirtschaften zu können, arbeiten die Kakaobauern oft in Genossenschaften zusammen. Ihnen stehen wenige mächtige Firmen gegenüber wie Barry Callebaut, der weltgrößte Kakaoverarbeiter mit Sitz in 25 Ländern. Ihm gehören unter anderem Stollwerck und Sarotti. Der Konzern unterstützt Kakaobauern in der Elfenbeinküste, Ghana, Kamerun, Tansania und Brasilien. Projekte wie „Partenaire de Qualité“ sollen das Know-how stärken, die Ernte steigern und Anbaugebiete nachhaltig schützen. Auch Ritter Sport („Cacaonica“) und Kraft („Action Contre la Faim“) engagieren sich ähnlich.

Generell aber zeigte sich uns ein nüchternes Bild: Statt eigene Projekte ins Leben zu rufen, verweisen viele Hersteller auf ihre großen Teilhaber und vor allem auf Branchenverbände wie den Bundesverband der Deutschen Süßwarenindustrie oder die Stiftung der Deutschen Kakao- und Schokoladenwirtschaft. Auf deren Internetseiten sucht man aber vergeblich nach Hinweisen zu konkretem Engagement für die Anbauländer.

Wunder Punkt Kinderarbeit

Im Jahr 2000 kam ans Licht, dass in Westafrika Minderjährige auf Plantagen ausgebeutet wurden, sogar aus Nachbarstaaten dafür verschleppt wurden. Internationale Organisationen sprechen von 600 000 Kindern allein in der Elfenbeinküste. Es ist schwierig, die Kinderarbeit zu stoppen. Viele Partner vor Ort und in den Industrieländern müssten langfristig zusammenarbeiten. Viele Familien sind auf die Arbeitskraft ihrer Kinder angewiesen. Schulbildung bleibt oft auf der Strecke.

Alle Hersteller im Test verurteilten die Kinderarbeit und verwiesen wieder auf Mitgliedsverbände. Wenige handeln so konkret wie die International Cocoa Initiative und Caobisco, der europäische Süßwarenverband. Doch um sicherzu­stellen, dass Kakaobohnen in Westafrika nicht von Kinderhand geerntet werden, reichen bisherige Projekte nicht aus.

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