Schokolade Test

Wir können gleich elf „gute“ Produkte empfehlen. Vor allem einige Discounter zeigen sich von ihrer Schokoladenseite.

Er hätte stutzig werden müssen. Als Kolumbus auf seiner vierten Reise in Mittelamerika landete, beobachtete er, wie die Einheimischen sich eilig nach jeder Kakaobohne bückten, die ihnen herunterfiel. Was dem Entdecker verborgen blieb: Die kostbaren Bohnen waren sowohl Zahlungsmittel als auch Grundlage eines köstlichen Getränks. Kolumbus interessierte sich nicht für den Kakao, ja er probierte ihn nicht einmal und verschwand alsbald gen Indien. So brauchte es ein weiteres Vierteljahrhundert, bis der Spanier Hernando Cortéz 1528 die Bohnen nach Europa brachte. Von dort aus begann ihr Siegeszug um die Welt.

Lidl und Aldi liegen vorn

Schokolade in fester Form ist aber erst seit dem 19. Jahrhundert bekannt. Und die Milchschokolade? Die haben die Schweizer erfunden, genauer Daniel Peter aus Vevey, der 1875 Milchpulver unter die Schokolade mischte.

Heute verputzt jeder Deutsche pro Jahr etwa neun Kilogramm der süßen Versuchung, besonders viel davon zu Weihnachten. Die Vorlieben haben sich im Laufe der Zeit geändert. Bitterschokolade hat in der Gunst stark zugelegt, aber die beliebtesten Sorten sind immer noch Milch- und Vollmilchschokoladen.

Wir können gut die Hälfte der 20 getesteten Tafeln empfehlen, besonders die von Lidl und Aldi. Die Fairglobe-Schokolade von Lidl führt die Siegerriege mit knappem Vorsprung an. Diese 100-Gramm-Tafel kostet 1,19 Euro und gehört zu den teureren im Test. Sie trägt das Fairtrade-Siegel. Damit verpflichtet sich der Anbieter zu bestimmten Mindeststandards wie fairen Preisen für die Rohware und menschenwürdigen Arbeitsbedingungen im Kakaoanbau. Bei Lidl und Netto ist „gute“ Schokolade aber auch schon zu kleinen Preisen zu haben: für 35 Cent je 100 Gramm.

Von Lutschern und Beißern

Ob zartschmelzend oder knackig-fest – da scheiden sich die Geister. Die einen mögen ihre Schokolade weich und cremig. Sie lutschen das Stück genüsslich und lassen es langsam auf der Zunge zergehen. Diese Genießer sind mit Aldi/Moser-Roth, Alpia und den zwei Lindt-Vollmilchschokoladen gut bedient. Die beiden Schweizer Produkte werben sogar damit: „Extra cremig“ oder „Besonders feinschmelzend“ steht auf ihren Verpackungen. Firmengründer Rodolphe Lindt erfand einst das Konchierverfahren, bei dem die Schokolade durch stetes Rühren ein rundes Aroma und zarten Schmelz erhält. Die Schweizer Qualität hat allerdings ihren Preis: Mit 1,50 Euro und 1,95 Euro sind die Lindt-Schokoladen die teuersten Tafeln im Test. Andere Schoko-Fans schwören auf den festen Biss. Den haben die massiven Tafeln von Ritter Sport und die Trumpf Schogetten. Weil sie nicht so cremig-weich sind, kleben sie auch weniger an den Händen und im Mund.

„Sandiges“ Mundgefühl

Die Trumpf Schogetten haben trotzdem einen Fehler: Sie erzeugen ein pulvriges Gefühl im Mund, das an feinen Sand erinnert. Dasselbe trifft auf die Schokoladen von Kaufland, Plus und auf die Sarotti Bio-Vollmilchschokolade zu. Ein brennendes, stechendes, pelzig-belegendes oder zusammenziehendes Mundgefühl führen genauso zum Punktabzug. Aber auch eine Schokolade, die sensorisch ohne Fehler ist, muss nicht unbedingt sinnliches Vergnügen und Genuss bereiten.

Schokolade mit Charakter

Was macht denn nun den Genuss perfekt? Diese Frage muss jeder für sich beantworten: Den einzig wahren Schoko-Geschmack gibt es nicht. Kakao riecht und schmeckt je nach Sorte und Anbauregion unterschiedlich. Davon hängt es beispielsweise ab, ob eine Schokolade fruchtiger oder bitterer ist als andere. Oft macht gerade das den feinen Unterschied aus, den Genießer an „ihrer“ Tafel schätzen.

Kinder lieben vor allem die helleren Schokoladen. Wegen des hohen Milch- und Zuckergehalts schmecken diese sahniger und deutlich süßer als die eher herben, dunkleren Bitterschokoladen. Und auch Erwachsenen fällt es bei Milchschokolade oft schwer, nicht gleich die ganze Tafel zu vernaschen.

Neben Zucker, Kakao und Milch versuchen die Schokoladenhersteller, uns den Geschmack mit Gewürzen und Aromen zu versüßen. Beispielsweise haben sie den meisten Produkten natürliche Vanille oder synthetisches Vanillin zugegeben. Auch der Emulgator Sojalezithin steht bei fast allen in der Zutatenliste. Er sorgt dafür, dass die Schokolade geschmeidig auf der Zunge zergeht. Liebhaber der deutlich herberen dunklen Sorten kommen im nächsten test-Heft auf ihre Kosten. Für die Dezemberausgabe haben wir 25 Bitterschokoladen untersucht.

Milka stapelt tief

Alle Tafeln in dieser Untersuchung sind Vollmilchschokoladen. Ihr Kakaoanteil beträgt mindestens 30 Prozent, ihr Milchanteil mindestens 18 Prozent (siehe „Kleine Schokoladenkunde“). So schreibt es die Kakaoverordnung vor. Der Test bestätigt: Jede Schokolade dürfte sich als „Vollmilch“ präsentieren. Nur Milka stapelt tief: Auf ihrer Verpackung steht „Milchschokolade“, aber auch sie erfüllt die Anforderungen an eine Vollmilchschokolade.

Zucker an erster Stelle

Kakao und Milch stehen in den Zutatenlisten aber nicht an erster Stelle. Mit Ausnahme der Gepa-Tafel taucht dort bei allen Schokoladen im Test Zucker auf, meist gefolgt von Kakaobutter. Das heißt, Zucker und Kakaobutter haben die größten Gewichtsanteile. Der Gesamtfettgehalt beträgt rund 30 Prozent. Ein etwa zehnjähriges Kind hat so mit einer Tafel fast die Hälfte seines Tagesbedarfs an Fett gedeckt.

Gepa hat das meiste Fett

Bei der Gepa-Schokolade rangiert die Kakaobutter auf der Zutatenliste vor Zucker. Und tatsächlich: Mit mehr als 43 Prozent hat sie den höchsten Fettanteil. Das spiegelte sich bei der Verkostung wider. Die Prüfer nahmen die Bio-Schokolade als sehr fettig wahr und stellten zudem eine deutliche Fremdnote fest. Gesamturteil: „mangelhaft“.

Die Analyse im Labor ergab zudem: Konservierungsstoffe waren von der Verpackung in die Schokolade übergegangen. Gepa hat auf die bei Schokolade übliche Alu-Folie verzichtet und statt dessen eine aus Kunststoff verwendet. Etwa jede vierte Tafel war sogar nur in Papier verpackt – die Folie fehlte völlig.

Viele Schokoladen im Test enthalten als Zutat Haselnussmasse. Weil die Hersteller der restlichen Tafeln nicht garantieren können, dass diese gänzlich nussfrei sind, schreiben sie zur Sicherheit den Hinweis „kann Spuren von Nüssen enthalten“ auf die Verpackung. So auch bei der Edel-Vollmilchschokolade Penny/van d'Or. Die Untersuchung ergab aber nicht nur Spuren, sondern einen kräftigen Nussanteil von fast sechs Prozent. Das hätte als Zutat ausgewiesen sein müssen. Für Menschen mit einer Nussallergie ist diese fehlerhafte Deklaration eine echte Gefahr. „Mangelhaft“ lautet deshalb das Gesamturteil.

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