Tipps für Mieter: So holen Sie Ihr Geld zurück

Nach den Urteilen des Bundes­gerichts­hof zu Schön­heits­reparaturen steht fest: Die Klauseln in Millionen von Miet­verträgen sind unwirk­sam. Viele Mieter, die ohne wirk­same Verpflichtung reno­viert haben, können jetzt vom Vermieter Erstattung oder Bezahlung des Werts der Arbeiten verlangen. test.de hilft mit Musterbriefen.

Aufgepasst – Ansprüche verjähren schnell

Forderungen von Mietern wegen zu Unrecht erbrachter Schön­heits­reparaturen verjähren nur sechs Monate nach Ende des Miet­vertrags. Entscheidend ist dabei nicht, wann die Mieter ausgezogen sind, sondern bis wann der Mieter­vertrag lief. Bei einer Kündigung ist das das Ende der Kündigungs­frist. Vereinbaren Mieter und Vermieter ein vorzeitiges Ende des Miet­vertrags, entscheidet dieses Datum. Um die Verjährung zu stoppen, reicht es nicht aus, die Erstattung gezahlter Beträge oder die Bezahlung des Werts von Reno­vierungs­arbeiten vom Vermieter zu fordern. Dazu sind gericht­liche Schritte nötig. Wer sich auskennt, kann diese selbst einleiten. Doch dabei geschehen schnell Fehler. test.de empfiehlt deshalb, spätestens fünf­einhalb Monate nach Ende des Miet­vertrags einen Anwalt oder den Mieter­ver­ein einzuschalten.

Hier können Sie einen unserer Musterbriefe für die Rückforderung auf Ihren Rechner herunter­laden.

Auch die Anwalts­kosten müssen erstattet werden

Wer als Mieter zuvor recht­zeitig selbst Erstattung von Reno­vierungs­kosten fordert, hat auch Anspruch auf Ersatz aller Anwalts­honorare. Aber aufgepasst: Wer dem Vermieter wegen der drohenden Verjährung vor Einschaltung des Anwalts nicht mehr als zwei Wochen Zeit für die Erfüllung der Forderung geben kann, muss die Kosten für die außerge­richt­liche Tätig­keit eines Anwalts wahr­scheinlich selbst zahlen.

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Wer jetzt Geld zurück­fordern darf

Anspruch auf Erstattung von Zahlungen oder Bezahlung von Reno­vierungs­arbeiten haben alle Mieter, in deren Vertrag sich eine Schön­heits­reparaturklausel findet, die nach den strengen Kriterien des Bundes­gerichts­hofs nicht wirk­sam ist. Die beiden aktuellen Urteile betreffen

  • Klauseln, die dem Mieter einer unreno­viert überge­benen Wohnung die Schön­heits­reparaturen ohne angemessenen Ausgleich auferlegen
  • und so genannte Quoten­abgeltungs­klauseln, wonach der Mieter einen Teil der Reno­vierungs­kosten zahlen soll, wenn eine Reno­vierung bei Auszug noch nicht erforderlich ist.
  • Unwirk­sam sind auch zahlreiche weitere Schön­heits­reparaturklauseln vor allem in älteren Verträgen. Lesen Sie dazu das test.de-Special Schönheitsreparaturen.

So fordern Sie richtig

Einfach ist die Rück­forderung für Mieter, von denen der Vermieter aufgrund einer unwirk­samen Klausel eine Zahlung verlangt hat. Sie können Erstattung der Zahlung fordern. Ähnlich einfach: Sie haben für eine vom Miet­vertrag unwirk­sam vorgeschriebene Reno­vierung einen Maler beauftragt und diesen bezahlt. Solange der Preis nicht über­höht war und der Hand­werker anständig gearbeitet hat, können Sie die Zahlung des Rechnungs­betrags vom Vermieter verlangen. Schwieriger wird es, wenn Sie selbst reno­viert haben. Sie haben gegen den Vermieter eigentlich Anspruch auf Ersatz des Werts ihrer Arbeiten. Er bemisst sich nach der Recht­sprechung des BGH aber nur nach dem, was Sie als Kosten für das notwendige Material sowie als Vergütung für die Arbeits­leistung Ihrer Helfer aus dem Verwandten- und Bekann­tenkreis aufgewendet haben oder hätten aufwenden müssen. Außerdem haben Sie Anspruch auf einen Ausgleich für den Einsatz Ihrer Frei­zeit. Einzelne Gerichts­urteile und Miet­rechts-Spezialisten halten acht bis zwölf Euro pro Stunde für angemessen. Kommt es zum Rechts­streit, kann der zuständige Richter Ihren Aufwand schätzen.

Hier können Sie einen unserer Musterbriefe für die Rückforderung auf Ihren Rechner herunter­laden.

test.de empfiehlt: Stellen Sie so genau wie möglich dar, was Sie gemacht haben, wie lange es gedauert hat, und was Sie an Material benötigt haben. Wenn Sie Belege haben, legen Sie diese vor. Fehlen die Belege, schätzen Sie anhand aktueller Angebote, was das Material gekostet hat.

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