Schnurlos-Telefone von Lidl Schnelltest

Schnurlose Zwillinge bei Lidl: Der Discounter bietet das Komforttelefon-Twin-Set Cocoon 950 mit Anrufbeantworter für 59,99 Euro an. Das Set für einen analogen Telefonanschluss besteht aus zwei Mobilteilen, einer Basis- und einer Ladestation. Es ist erweiterbar auf bis zu fünf Mobilteile. Zum Vergleich: Der Testsieger aus dem aktuellen test 8/2005 kostet zwar auch nur zirka 60 Euro. Doch für den Preis gibts nur ein Mobilteil mit einer Basisstation. Wenn das Cocoon-Set gute Sprachübertragung, Betriebszeit und Handhabung hat und der Anrufbeantworter solide funktioniert, wartet auf die Lidl-Kunden ein Schnäppchen.

Schneller Start

Auf das erste Gespräch müssen Lidl-Kunden nicht lange warten: Basis- und Ladestation auspacken, an die Steck- und Telefondose anschließen und die Mobilteile reinstecken. Es piepst und dann kanns nach kurzer Aufladezeit mit dem Telefonieren schon losgehen. Doch Vorsicht: Laut Anleitung soll der Akku vor der ersten Nutzung erst einmal 20 Stunden aufgeladen werden. Die Bedienungsanleitung ist zu diesem Zeitpunkt noch überflüssig.

Kurze Reichweite

Das erste Test-Gespräch zeigt: Die Mobilteile machen einen stabilen Eindruck. Die Tasten lassen sich beim Wählen der Telefonnummer angenehm drücken - sind aber nicht beleuchtet. Allerdings: Wer sich mit dem Mobilteil von der Basisstation entfernt, kommt ohne Gesprächsstörungen nicht so weit, wie mit den meisten anderen der in test 8/2005 getesteten Schnurlos-Telefonen. Um das Gespräch zu beenden, muss man die grüne Hörertaste drücken. Das kann verwirren - gerade wenn das vorherige Telefon eine grüne Abheben- und rote Auflegen-Taste hatte. Klar sollte bei analogen Twin-Sets sein: Wenn einer mit einem Mobilteil die Leitung belegt, kann der andere nicht telefonieren.

Durchschnittliche Sprachqualität

Die Gesprächsqualität ist uneinheitlich. Den Anrufer versteht der Angerufene gut, aber etwas zu leise. Seine Sprache kommt beim anderen nicht so gut an: S- und T-Laute sind undeutlich. Ebenfalls kein Qualitäts-Highlight: das Freisprechen. Drückt der Nutzer die Freisprech-Taste, überlagern sich Sprache und ein dezentes Rauschen.

Je funktioneller desto komplizierter

Je mehr Funktionen seines Telefons der Nutzer ausreizen möchte, desto häufiger muss er zur Bedienungsanleitung greifen. Ohne die Anleitung ist ein komfortabler Betrieb nicht möglich. So kann er noch einigermaßen intuitiv die Zeit an den Mobilteilen einstellen. Doch versucht er dies an der Basisstation, wird er ohne Anleitung scheitern. Schade: Die Zeitangabe wird nicht synchronisiert. Das heißt, sie muss an jedem der drei einzelnen Geräte (Basisstation, zwei Mobilteile) eingestellt werden. Fällt der Strom aus, geht das Ganze noch einmal von vorne los.

Kein homogenes Telefonset

Manche Funktionen des Cocoon wirken nicht durchdacht. Beispiel Paging-Taste: Der Nutzer drückt sie an der Basisstation, um seine Mobilteile „orten“ zu können. Findet er es, muss er auch das zweite suchen. Denn schaltet er auch das zweite Teil nicht aus, so piepst dieses 30 Sekunden lang. Dass das Komforttelefon-Twin-Set kein homogenes System ist, sondern von der Firma Ucom aus einzelnen Komponenten zusammengesetzt zu sein scheint, zeigt sich deutlich in der Bedienung des Anrufbeantworters.

Anrufbeantworter mit Bedienungsschwächen

Die Menüführung an den Mobilteilen ist optisch geprägt. Der Nutzer klickt auf dem Display per Oben- und Unten-Pfeil einen Menüpunkt an und wählt den nächst tieferen Menüpunkt per OK-Taste aus. Ganz anders die Menüführung etwa des Anrufbeantworters an der Basisstation. Das Menü ist sprachgesteuert. Der Nutzer muss sich von Sprachinformation zu Sprachinformation bewegen. Das nervt vor allen Dingen dann, wenn die einzelnen Punkte schon bekannt sind. Andere Telefonsets lösen auch die Bedienung des ABs optisch: Er kann einfach über das Display des aufgesteckten Mobilteils bedient werden. Weiterer Nachteil: Der Anrufbeantworter lässt sich nur über die Basisstation oder durch Fernabfrage abhören. Mit den Mobilteilen geht das nicht.

Bilderlose Anleitung

Die Bedienungsanleitung, die für das Verstehen vieler Funktionen notwendig ist, ist sehr textlastig. Bilder und Fotos würden dem Verständnis gut tun und die Bedienung beschleunigen. Zudem finden sich einige Übersetzungsfehler wie etwa beim VIP-Code, die den Leser unnötig verwirren. In Sachen Betriebszeit gibts zum Schluss noch etwas Erfreuliches: Die ist nämlich überdurchschnittlich gut. Dafür gibts Kritik beim Stromverbrauch: Die Basis- und Ladestation ziehen zusammen 2,9 Watt Strom. Das ist relativ viel.

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