Schnittrosen Test

Rund eine Milliarde Euro geben die Deutschen jedes Jahr für Schnittrosen aus. Viele Rosen sehen nach zwei, drei Tagen schon ziemlich alt aus. Gute Ware ist selten.

Sie ist die Schönste, ohne Zweifel. In der Antike schon den Göttern geweiht, galt sie vielen gar als heilig und wurde als „Königin der Blumen“ verehrt. Cleopatra, so wird erzählt, empfing ihren Geliebten Marcus Antonius in einem Bett aus Blütenblät­tern. Eine Rose ist mehr als eine Rose. Sie ist ein Symbol, vor allem für die Liebe. Keine, die so viele Schwüre hören darf. Auch wenn die Liebe dann mitunter schneller welk ist als die Rose. Doch es kommt vor, dass auch die Rosen schon am Tage nach dem ersten Rendezvous die Köpfe hängen lassen.

Wir wollten wissen, wie lange ein Strauß Rosen Freude schenken kann und haben bei 18 Anbietern drei Monate lang je fünfmal eingekauft: im Supermarkt, beim Discounter, bei Blumenhandelsketten und exemplarisch auch im Blumenladen um die Ecke. Außerdem haben wir uns Rosen schicken lassen, von Fleurop und vom Onlinedienst Valentins. Insgesamt hatten wir rund 2 700 Rosen zur Bewertung im Haus – in der Regel von jedem Anbieter 15 Sträuße à 10 Stück. Jeden Strauß haben wir geteilt und die eine Hälfte in Leitungswasser gestellt, die andere in Wasser mit Blumenfrischhaltemittel.

Hängeköpfe, Schimmel, welkes Laub

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Schimmel, Mehltau oder Nekrosen der Blätter sind meist an Verfärbungen zu erkennen. Schäden am Stiel entstehen oft beim maschinellen Putzen. Sie bieten Bakterien Nahrung.

Das Ergebnis ist ernüchternd: Kollektives Kopfhängen, Grauschimmel, frühes Welken – viele Rosen sahen schon nach zwei, drei Tagen ziemlich alt aus. Im Schnitt war fast jeder zweite Strauß nach spätestens fünf Tagen hinüber, wenn die Rosen in Wasser ohne Frischhaltemittel standen. Frischhaltemittel verlängerte die Haltbarkeit aber deutlich: Im Durchschnitt währte die Freude dann fast acht Tage (siehe Tabelle „Schnittrosen“). Qualitätsschwankungen der Haltbarkeit waren die Regel. „Mangelhaft“ hieß es für Sträuße, die weniger als vier Tage hielten. Waren mehr als ein Drittel der Sträuße „mangelhaft“, haben wir abgewertet. Insgesamt war nur auf einen Rosenhändler im Test wirklich Verlass: Blumengeschäft B hat uns keine einzige Niete verkauft. Die Namen der Blumenfachgeschäfte bleiben hier wegen der exemplarischen Auswahl unerwähnt.

Länger haltbar mit Frischhaltemittel

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Grauschimmel (Botrytis) an den Blüten kann zu schnellem Welken der Blüten führen.

Jeder Rosenkavalier sollte also ein wirksames Blumenfrischhaltemittel in petto haben. Die Marktführer Chrysal und Floralife zum Beispiel haben die Wirksamkeit ihrer Mittel in Studien unter Beweis gestellt. Neben Zuckerstoffen zur „Ernährung“ der Rosen enthalten die Mittel unter anderem Zitronensäure. Sie senkt den pH-Wert des Wassers und hemmt das Bakterienwachstum.

Doch Rosenkäufer bekommen ein solches Mittel nicht immer zum Strauß beigelegt und wenn, dann oft zu wenig. Ein Tütchen Chrysal zum Beispiel ist meist für einen halben Liter Wasser portioniert und reicht daher kaum für zehn Rosen. Wer häufig Schnittblumen im Haus hat, sollte sich ein Fläschchen Frischhaltemittel aus dem Fachhandel leisten.

Der Test zeigt, dass der Blumenladen um die Ecke Rosen von Spitzenqualität verkaufen kann, die besser sind als alles, was Supermärkte und Discounter anbieten. Die Rosen der Fachgeschäfte sahen beim Kauf meist besser aus und blieben länger frisch. Sie sind allerdings auch teurer. Dafür fanden wir dort nicht nur die einzigen Rosen, die auch ohne Frischhaltemittel im Durchschnitt „gut“ hielten, sondern die beste Haltbarkeit überhaupt: Einzelne Rosen von Blumengeschäft A hielten mit Frischhaltemittel bis zu drei Wochen, durchschnittlich waren es fast zwei Wochen, mit Leitungswasser immerhin noch knapp eine Woche. Allerdings kann im Laden nebenan schon wieder alles anders sein, wie das schlechte Abschneiden von Fachgeschäft D zeigt.

Die beiden Blumenversender Fleurop und Valentins liegen im Vergleich recht weit vorn. Fleurop hatte sogar die schönsten Sträu­ße von allen, mit frischen, gut gereiften Knospen und ohne nennenswerte Schäden an Blüten, Blättern und Stängeln. Außerdem geben beide Blumenboten eine Frischegarantie: Valentins eine volle Woche, Fleurop allerdings nur drei Tage. Bei vorzeitigem Ableben der Rosen gibt es Ersatz. Eine 5-Tage-Frischegarantie bietet sonst nur Pflanzen Kölle, der nach zwei Blumenfachgeschäften die insgesamt beste Haltbarkeit aufweist.

Nicht einmal Experten können am Aussehen der Rose sicher abschätzen, ob sie lange lebt oder nach einer Nacht ade sagt. Zwar hält eine Rose, die beim Kauf frisch aussieht, tendenziell länger als eine, die schon im Laden schrumpelt. Und natürlich kommt es auf die Pflege der Blumen an (siehe „Tipps“). Aber auch wer alles richtig macht, kann enttäuscht werden. So sahen zum Beispiel die Rosen beim Gartencenter Dehner „gut“ aus, hielten ihr Versprechen aber nicht lange.

Oft hat der Blumenladen keinen Einfluss auf die Qualität: Er ordert beim Großhändler „rote Rosen“ – mehr bekommt er nicht. Sorte, Herkunftsland, Erntezeitpunkt – Fehlanzeige. Dabei entscheiden diese Faktoren über die Haltbarkeit: Die meisten Rosen, die in Deutschland verkauft werden, kommen aus Afrika und Mittel- oder Südamerika. Der Transport mit Lkw und Jumbojet kann mehrere Tage dauern. Die Rosen müssen ständig gekühlt werden, liegen immer mal wieder im Trockenen, werden ein- und ausge­packt – oft ein Riesenstress, der sich negativ auf die Haltbarkeit auswirkt.

Giftige Pestizide gefunden

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Beim Kauf sollte eine Rose nicht zu knospig, sondern leicht geöffnet sein, damit sie sich in der Vase entfalten kann.

In fast allen Rosen fanden wir Pestizidrückstände, bis zu 16 verschiedene Substanzen. Unter ihnen sind auch Wirkstoffe, die von der amerikanischen Umweltbehörde EPA als potenziell krebserzeugend oder laut Weltgesundheitsorganisation WHO als hochgiftig eingestuft werden. Auch Rosen, die mit dem „Flower Label Program“ (FLP) oder dem Fairtrade-Siegel für eine sozial- und umweltverträgliche Produktion ausgezeichnet sind, enthielten solche Mittel (siehe „Umwelt- und Sozialverantwortung“). Der Einsatz ist in der Regel unnötig, es gibt Alternativen.

Die gefundenen Mengen sind gering, sodass ein Gesundheitsrisiko für den Blumenfreund unwahrscheinlich ist, solange er die Blumen nicht verspeist. Wer ganz sicher gehen will, sollte sich die Hände nach dem Anfassen waschen. Wir haben die Befunde daher nicht bewertet, aber in der Tabelle angegeben, weil der Pestizideinsatz vor allem für die Arbeiterinnen und Arbeiter auf den Blumenfarmen problematisch ist, insbesondere wenn Schutzmaßnahmen nicht eingehalten werden. Initiativen wie FLP oder Fairtrade weisen den Weg: Wenngleich sie gefährliche Pestizide noch nicht verhindern, fordern sie, dass der Einsatz auf den von ihnen zertifizierten Farmen reduziert wird und die Arbeiter geschützt sind – vielerorts keine Selbstverständlichkeit.

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