Interview: Verhandeln oder kündigen

Schnelles Internet Meldung

Mit lang­samen Über­tragungs­geschwindig­keiten muss sich niemand zufrieden­geben. Helga Zander-Hayat, Rechts­anwältin bei der Verbraucherzentrale NRW, erklärt, wie Sie vorgehen können.

Anbieter wie 1&1 oder Alice locken mit schnellen Internet­anschlüssen von bis zu 16 Megabit pro Sekunde. Nicht immer können sie das liefern. Wie sehen Sie Lock­angebote?

Die Anbieter kämpfen in einem harten Wett­bewerb um jeden Kunden. Dabei stellen sie die tech­nisch höchst­mögliche Geschwindig­keit in den Vordergrund. Zwischen Werbung und der Leistung am Wohn­ort des Kunden können Welten liegen. Um sich vor recht­lichen Konsequenzen zu schützen, wird häufig nur eine Band­breite „bis zu" versprochen, was Kunden aber regel­mäßig über­lesen. Im besten Fall ist mit einem Blick in die allgemeinen Geschäfts­bedingungen oder Leistungs­beschreibungen zu erkennen, was der Kunde wirk­lich erwarten darf.

Was können Kunden unternehmen, wenn ihre Leitung deutlich lang­samer ist als versprochen?

Es ist schwierig fest­zustellen, wann die gelieferte Band­breite nicht mehr vertrags­gemäß zu nennen ist. Oft will der Anbieter lediglich „die am Wohn­ort des Verbrauchers mögliche Band­breite“ schulden. Es gibt hierzu noch keine gefestigte Recht­sprechung. Je größer der Unterschied zwischen beworbener und tatsäch­licher Band­breite ist, desto höher sind die Chancen des Kunden.

Wie sollte der Kunde reagieren?

Fordern Sie den Anbieter mit einer Frist von 14 Tagen zur Vertrags­erfüllung auf. Schriftlich. Falls nicht inner­halb der Frist die DSL-Geschwindig­keit bereit­gestellt wird und es dem Kunden nicht zumut­bar ist, am Vertrag bis zum Ende der Lauf­zeit fest­zuhalten, kann er den Vertrag kündigen. Es besteht aber ein Prozess­risiko, da dieses Vorgehen bisher nur in sehr wenigen Urteilen Rück­halt findet.

Welche Alternativen gibt es?

Vor einer Kündigung lohnt es sich zu über­prüfen, ob ein Wechsel in einen Tarif mit einer nied­rigeren Band­breite und weniger Kosten möglich ist. Das gilt insbesondere, wenn Sie keinen anderen Anbieter haben, der höhere Geschwindig­keiten liefern könnte. Weigert sich der Anbieter, hierauf einzugehen, können Sie den Vertrag immer noch außer­ordentlich kündigen.

Können treue Bestands­kunden von den Werbeaktionen für Neu-kunden profitieren?

Der ursprüng­liche Vertrag gilt – auch wenn Neukunden bessere Konditionen bekommen. Dennoch lassen sich die Anbieter häufig auf Änderungen ein. Der Kunde muss sich dann meist für weitere 12 oder 24 Monate binden.

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