Schnelles Internet Meldung

Geschwindig­keit ist wichtiger denn je: für hoch­aufgelöste Videos, Internettelefonie, Software­updates. Doch vieler­orts gibt es für die Kunden nur Schne­ckentempo.

Sven H. zieht im Jahr 2007 in eine Neubau­siedlung im nord­rhein-west­fälischen Jüchen. Er möchte schnelles Internet. Beim Internetanbieter 1&1 macht er am Computer einen Verfügbarkeits-Check. Eine Flatrate mit bis zu 16 Megabit pro Sekunde ist im Angebot. Er bestellt. Am Anfang misst sein Router rund 5 Megabit pro Sekunde. Doch je mehr Nach­barn zuziehen, desto stärker sinkt die Daten­rate.

Der Verteiler­kasten in Telekom-Hoheit

Inzwischen tröpfelt nur noch gut ein Megabit pro Sekunde aus der Leitung. Die Folge: Filme im Internet frieren ein. Software­updates laden quälend lange. Und bei Telefonaten übers Internet hören Gesprächs­partner häufig Echos. Sven H. protestiert. Doch 1&1 kann die Surf­geschwindig­keit nicht steigern. Das Unternehmen mietet nur den Anschluss von der Telekom und verkauft ihn weiter. Wegen der lahmen Daten­rate erlässt ihm der Provider 5 Euro der monatlichen Gebühr. Ein Witz: Neukunden zahlen für die 6-Megabit-Flatrate noch 5 Euro weniger. Aber egal, Sven H. möchte Tempo.

Verteiler­kasten entscheidet

2009 baut die Telekom einen neuen Verteiler­kasten in Sven H.s Straße. Seine Nach­barn auf der anderen Straßenseite surfen seitdem mit 16 Megabit in der Sekunde. Doch Sven H. ist mit einem älteren Verteiler­kasten verbunden. Der steht mehrere Kilo­meter entfernt. Über diese Entfernung entstehen im Telefon­kabel hohe Dämpfungen. Vor allem Signale in den höheren Frequenz­bereichen des DSL (Digital Subscriber Line, digi­taler Teilnehmer­anschluss) kommen eventuell nicht mehr beim Empfänger an. So sinkt die Über­tragungs­rate.

Anbieter verkaufen die Katze im Sack

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Tipp: Das Bundes­wirt­schafts­ministerium veröffent­licht eine Deutsch­land­karte mit den möglichen Internet­geschwindig­keiten. Die Internetseite www.breitband­atlas.de zeigt sogar für jede Straße die verfügbare Band­breite.

Tipp: Das Bundes­wirt­schafts­ministerium veröffent­licht eine Deutsch­land­karte mit den möglichen Internet­geschwindig­keiten. Die Internetseite www.breitbandatlas.de zeigt sogar für jede Straße die verfügbare Band­breite.

Nicht nur 1&1 verkauft gern höhere Band­breiten, als am Ende ankommen. Auch Alice, Telekom, Vodafone und Co. wecken in ihren Verfügbarkeits-Checks Hoff­nung auf traumhafte Geschwindig­keiten. Die tatsäch­liche Geschwindig­keit können die Anbieter aber erst messen, wenn die Leitung frei­geschaltet ist. Deshalb sichern sie sich in ihren Vertrags­bedingungen ab. Dort steht „bis zu“. „1&1 Doppel-Flat 16 000 besteht aus einem Telefon­anschluss und einem Internet-Zugang mit einer Download-Band­breite von bis zu 16 000 kBit/s“, heißt es etwa in der Leistungs­beschreibung von 1&1. Ein Persilschein sind die Rege­lungen dennoch nicht. Nach Ansicht der Amts­gerichte Fürth (Az. 340 C 3088/ 08) und Montabaur (Az. 15 C 268/08) haben Kunden ein außer­ordentliches Kündigungs­recht, wenn die tatsäch­liche Daten­rate deutlich unter der versprochenen liegt.

1&1 hat zwar eine „Leistungs-Garantie“ einge­führt: Das Unternehmen kontaktiert demnach Neukunden, wenn die Downloadrate unter der Hälfte des Versprochenen liegt. Sie dürfen dann den Tarif wechseln oder kündigen. Doch für Altkunden wie Sven H. gilt die Leistungs-Garantie nicht. Sie können erst zum Ende der regulären Vertrags­lauf­zeit kündigen.

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Die Fritzbox misst die Geschwindig­keit zwischen Verteiler­kasten und Haus­anschluss: 6656 Kilobit pro Sekunde fürs Herunter- und 640 fürs Hoch­laden von Daten.

Die Fritzbox misst die Geschwindig­keit zwischen Verteiler­kasten und Haus­anschluss: 6656 Kilobit pro Sekunde fürs Herunter- und 640 fürs Hoch­laden von Daten.

Ähnlich verfährt die Telekom. Auf Anfrage teilt das Unternehmen mit, dass seine Kunden vom DSL-16 000-Paket zurück­treten können, wenn die Downloadrate bei der Bereit­stellung nied­riger als 6 304 Kilobit pro Sekunde ist. Bei Vodafone liegt die Grenze bei 6 145 Kilobit pro Sekunde, wie das Unternehmen mitteilt.

Bei Alice erhalten Kunden eine DSL-Flatrate mit bis zu 16 Megabit pro Sekunde – egal ob die Leitung so viel hergibt: „Eine bestimmte Zugangs­band­breite wird nicht gewähr­leistet." Das merkt Kristina Grin­berg aus Nürn­berg. Sie misst 4 bis 6 Megabit je Sekunde, möchte aber die beworbenen 16. Ihre Beschwerden stoßen auf wenig Verständnis: „Die Betreuer im Service­center sind ohne Geduld und sehr frech“, schreibt sie. Kleiner Trost: Alice bietet auch Verträge ohne Mindest­lauf­zeit. Hier kommen Kunden inner­halb eines Monats raus.

Tipp: Messen Sie die Download­geschwindig­keit. Auskunft liefern Router wie Fritzbox oder Speedport: Geben Sie im Internet­browser je nach Gerät fritz.box oder speedport.ip ein. Klicken Sie auf Anschlüsse/DSL.

Surf­sticks nur in Groß­städten schnell

Über lang­same Verbindungen klagen auch Nutzer mobiler Surf­sticks wie Christian Bühlmeier aus Eich­stätt in Bayern. Mit seinem Surf­stick von Tchibo bekommt er rund ein Megabit pro Sekunde. Das reicht, um E-Mails zu versenden und Internet­seiten ohne große Bilder zu laden. Doch für Videos und Fernsehen im Internet wären die vom Kaffee­röster aktuell beworbenen 7,2 Megabit pro Sekunde wünschens­wert. Die gibt es aber nur in modernen, mit der Beschleunigungs­technik HSPA (High Speed Packet Access) aufgerüsteten UMTS-Netzen, zu erkennen am „H“ im Hand­ydis­play. Solche Netze bauen die Mobil­funk­betreiber vornehmlich in Städten auf. Auf dem Lande sind Daten­verbindungen lang­samer ( Mobilfunknetze in test 06/2017).

Mehr Tempo in Fernseh­kabelnetzen

Das schnellste Internet versprechen derzeit Kabelanbieter – bis zu 128 Megabit pro Sekunde. Zwar kommt auch dieses Tempo nur in der Nähe neuer Verteilerkästen an. Unterm Strich liefern Kabelnetze dennoch deutlich höhere Daten­raten als DSL-Netze. Hintergrund: Das Fernseh­programm verteilen die Kabelanbieter über Koaxialkabel. Für schnelle Internet­über­tragung sind sie den Kupfer­kabeln der Telekom deutlich über­legen. Dank der Kanalbündelung sind theoretisch sogar mehr als 128 Megabit pro Sekunde möglich. Tatsäch­lich berichten Leser von hohen Geschwindig­keiten, auch Unitymedia-Kunde Christoph Heine: „Die Geschwindig­keit soll 25 Megabit pro Sekunde betragen und erreicht fast immer über 16 Megabit. Der Anschluss wird von meinen Kindern und mir zeitgleich mit bis zu sechs Rechnern genutzt. Es geht!“

Achtung: Im Fernseh­kabel sinkt die Daten­rate deutlich mit jedem weiteren Surfer. Wer ohne Nach­barn surft, bekommt hohes Tempo. Doch je mehr Surfer vom DSL-Netz aufs Fernseh­kabel umsteigen, desto besser muss das Netz ausgebaut werden.

Sven H. hat verstanden, dass sein Haus für schnelles Internet in jeder Hinsicht ungünstig steht: ohne Verbindung zu dem neuen DSL-Verteiler­kasten, für den Surf­stick außer­halb des schnellen UMTS-Netzes und oben­drein ohne Anschluss ans örtliche Kabelnetz. Als Alternative bleibt ihm nur Internet per Satellit. Das ist zwar teuer, aber über­all verfügbar (siehe „Internet per Satellit" in test 11/2009). Vielleicht bekommt Sven H. damit endlich schnelles Internet.

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