Schmerz­mittel mit Koffein Meldung

Sind Schmerz­mittel mit Koffein wirk­samer? Eine wissenschaftliche Auswertung zahlreicher Studien zeigt: Mittel mit Koffein wirken besser – aber nur ein biss­chen. In der Auswertung fehlen allerdings viele weiteren Studien. Die Stiftung Warentest hält deshalb an ihrer bisherigen Bewertung fest: koffeinhaltige Schmerz­mittel sind „wenig geeignet“.

Vergleich von Schmerz­mitteln mit und ohne Koffein

Unter den 500 meist­verkauften Medikamenten finden sich zahlreiche rezept­freie Präparate, die Schmerz­mittel plus Koffein enthalten. Unangefochtener Spitzenreiter ist Thomapyrin mit über 11 Millionen verkauften Packungen pro Jahr. Koffein belebt, steigert die Aufmerk­samkeit, regt Herz­schlag und Atmung an. Aber verstärkt es auch die Wirkung von Schmerz­mitteln? Um dies zu über­prüfen, hat ein Team der Cochrane Collaboration, einem interna­tionalen Netz­werk unabhängiger Wissenschaftler, die verfügbaren Studien zu dieser Fragestellung ausgewertet. Diese Studien verglichen die Wirk­samkeit eines Schmerz­mittels, allein einge­nommen, mit der Wirk­samkeit desselben Schmerz­mittels in Kombination mit Koffein. In den Studien ging es nur um akute Schmerzatta­cken, nicht um ständige oder wieder­kehrende Schmerzen.

Viele Studien unter Verschluss

Das Ergebnis der Cochrane-Analyse: Übliche Schmerz­mittel-Wirk­stoffe wie Azetylsalizylsäure, Ibuprofen oder Parazetamol bewirken bei etwa 61 Prozent der Patienten eine deutliche Schmerzlin­derung. Mit Präparaten mit Koffein­zusatz erreichen 67 Prozent der Patienten die Schmerzlin­derung. Der Wachmacher scheint also einen Vorteil zu bringen – wenn auch nur einen geringen. Zudem hat die Auswertung eine Schwäche: Ihr Ergebnis beruht auf höchs­tens der Hälfte der tatsäch­lich durch­geführten Studien. Der Blick in die übrigen Studien blieb den Cochrane-Forschern verwehrt. Warum das so ist, darüber lässt sich nur spekulieren. Positive Ergeb­nisse würden Pharma­hersteller aber wohl eher nicht unter Verschluss halten.

Kombination aus Schmerz­mittel und Koffein „wenig geeignet“

Die Stiftung Warentest bewertet Kombinations­präparate mit Koffein als „wenig geeignet“ zur Behandlung von Schmerzen. Dafür gibt es mehrere Gründe. Zum einen ließ sich bis jetzt nicht zweifels­frei nach­weisen, dass Koffein die Wirkung von Schmerz­mitteln so sehr verstärkt, dass dies für Anwender eindeutig einen Vorteil bringt. Zum anderen kann die belebende Wirkung des Koffeins dazu verleiten, die Kombiprä­parate öfter und länger einzunehmen, als angeraten. Dann steigt das Risiko für unerwünschte Wirkungen der Schmerz­mittel, beispiels­weise auf die Nieren oder den Magen-Darm-Trakt. Auch können Schmerz­mittel bei langer Anwendung selbst Kopf­schmerzen verursachen. Bei diesem „medikamenteninduzierten Kopf­schmerz“ kommt bei den koffeinhaltigen Präparaten erschwerend hinzu: Werden sie nach längerem Gebrauch abrupt abge­setzt, können Kopf­schmerzen – sowie Müdig­keit und Nervosität – auftreten, die durch erneute Koffein­zufuhr wieder vergehen. Zu guter Letzt sind die Effekte von Koffein bei dauer­haften oder wieder­kehrenden Schmerzen noch unklar. Bekannte unerwünschte Wirkungen sind Schlaflosig­keit, Unruhe, Herz­rasen und Zittern.

Einfach eine Tasse Kaffee zum Schmerz­mittel trinken

Wenn es Ihren persönlichen Vorlieben entspricht, nehmen Sie bei akuten Schmerzen das Schmerz­mittel zusammen mit einer Tasse Kaffee ein. Das bietet im Vergleich zu Kombiprä­paraten mit Koffein folgende Vorteile:

  • Wirkung. Wenn Sie das Koffein über eine Tasse Kaffee zu sich nehmen, ordnen Sie die belebende und aufmerk­samkeits­steigernde Wirkung des Koffeins nicht dem Schmerz­mittel zu – sondern dem Kaffee. Sie werden also nicht dazu verleitet, das Schmerz­mittel wegen der belebenden Wirkung öfter oder länger einzunehmen, als im Beipack­zettel angeraten.
  • Steuerung. Beim Kaffee­trinken steuern Sie die Koffein­zufuhr selbst, und zwar unabhängig von der Schmerz­mittel­einnahme. Abends oder wenn Sie sich schonen möchten, ist die belebende Wirkung nicht erwünscht. Dann sollten sie keine koffeinhaltigen Präparate einnehmen. Das gilt auch, wenn Sie unter dauer­haften oder wieder­kehrenden Schmerzen leiden. Hier sind die Effekte des Koffeins noch unklar.
  • Positive Effekte. Kaffee enthält neben Koffein über tausend andere Stoffe, von denen viele antioxidativ wirken. Seit einiger Zeit verdichten sich die Indizien, dass Kaffee der Gesundheit nicht schadet, sondern nützt. Möglicher­weise besitzt er sogar eine lebens­verlängernde Wirkung. Darauf deuten zumindest die jüngsten Erkennt­nisse einer Lang­zeit­beob­achtung aus den USA hin. Demnach haben Menschen, die täglich zwei bis drei Tassen Kaffee trinken, ein etwa 10 Prozent nied­rigeres Sterberisiko als Kaffee­abstinenzler. Der Vorteil könnte daran liegen, dass die Inhalts­stoffe die Widerstands­kraft des Körpers gegen Diabetes, Herz­infarkt, Schlag­anfälle und andere Krankheiten erhöhen. Wer Kaffee gut verträgt und gern trinkt, kann dies also weiterhin tun. Doch eigens aus Gründen der Vorsorge damit beginnen braucht niemand. Wichtiger sind eine gesunde Ernährung und genug Bewegung.

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