Interview Work-Life-Balance: „Nicht allen Anforderungen gerecht werden“

Schlüsselqualifikationen Special

Jutta Rump, Professorin für Internationales Personalmanagement und Organisationsentwicklung an der Fachhochschule Ludwigshafen.

Warum ist es heute so schwer, das Gleichgewicht zwischen Berufs- und Privatleben zu finden?

Die Anforderungen am Arbeitsplatz sind gestiegen. Viele Menschen müssen in weniger Zeit mehr schaffen. Wer einen Großteil seiner Energie in die Arbeit investiert, weil sie die ökonomische Lebensgrundlage ist, hat für das Private weniger Energie übrig.

Wie sollte man seine Freizeit gestalten, um gut zu entspannen?

Die meisten Menschen fühlen sich ja im Beruf eher fremdbestimmt. In der Freizeit gilt es, selbst zu entscheiden, was man tun und lassen möchte. Die eigenen Bedürfnisse sollte man dabei keiner Bewertung unterziehen. Wenn einem der Sinn nach Fernsehunterhaltung steht, ist das in Ordnung.

Ist es wirklich egal, ob man joggen geht oder vor dem Computer sitzt?

Wer in der Freizeit Sport treibt, tut Gutes für seine Gesundheit. Die Freizeitgestaltung am Computer möchte ich dennoch nicht verteufeln. Jede Generation hat ihr eigenes Freizeitverhalten. Problematisch wird es, wenn man nur noch vor dem Computer sitzt und den Bezug zur Realität verliert.

Welche Rolle spielt die Familie bei der Suche nach einem Ausgleich?

Das Familienleben bietet Chancen zur Entspannung und zum Stressabbau. Durch Partner und Kinder gewinnt man Distanz zur Arbeit – das ist wichtig. Wer aber auch nach Feierabend das Gefühl hat, allen Anforderungen gerecht werden zu müssen, schafft sich einen zusätzlichen Stressfaktor. Jeder, der Schulkinder großzieht, weiß, dass der Tagesablauf stark durchstrukturiert ist: Schule, Hausaufgaben, Fußballtraining, Klavierunterricht. Eltern sind heute oft genug auch die Manager ihrer Kinder. Diese Rolle unterscheidet sich kaum von der Rolle, die sie im Berufsleben ausfüllen müssen. Abschalten kann man dabei nicht.

Wie kann man verhindern, sich zwischen fremden und selbstgemachten Ansprüchen zu zerreiben?

Machen Sie mindestens einmal im Jahr eine Bestandsaufnahme und fragen Sie sich: Was ist in letzter Zeit gut gelaufen? Was hat mir Spaß gemacht? Was möchte ich verändern? Viele Menschen bewegen sich heutzutage in einem enormen Spannungsfeld. Umso wichtiger ist es, hin und wieder die Lebensplanung zu hinterfragen.

Dieser Artikel ist hilfreich. 2942 Nutzer finden das hilfreich.