Warum Schlüsselqualifikationen heute wichtig sind: Schlüssel zum Berufserfolg

Fachwissen allein reicht nicht mehr. Wer im Job vorankommen will, muss teamfähig und belastbar sein und organisieren können. Schlüsselkompetenzen stehen hoch im Kurs.

Eine Stadtverwaltung im Raum Frankfurt sucht eine Büroangestellte. Konfliktfähig soll sie sein und gut mit Menschen aus verschiedenen Kulturen umgehen können. Ein Unternehmen in Nordrhein-Westfalen hält Ausschau nach einem Software-Entwickler in leitender Funktion. Der ideale Kandidat? Ein durchsetzungsstarker Teamplayer mit souveränem Auftreten und Kommunikationsverhalten.

Wer Stellenanzeigen in Tageszeitungen oder im Internet studiert, merkt es schnell: Es genügt heute nicht mehr, nur „vom Fach“ zu sein, sprich eine Berufsausbildung oder ein Studium vorweisen zu können. Gefordert sind auch sogenannte Schlüsselqualifikationen, also fach- und positionsübergreifende Fähigkeiten wie Teamgeist, Stressresistenz oder Organisationsvermögen. Häufig wird dafür auch der Begriff Soft Skills verwendet. Er fasst die von Arbeitgebern so geschätzten „weichen“ Fähigkeiten im Gegensatz zum „harten“ Fachwissen zusammen.

Vom Sachbearbeiter bis zum Chef

„Früher mussten vor allem Führungskräfte team- und konfliktfähig sein und stark in der Kommunikation“, sagt Dirk Werner, Bildungsexperte beim Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) in Köln. „Heute wird das von jedem Sachbearbeiter erwartet.“

Schlüsselqualifikationen sind quer durch alle Branchen und Berufe gefragt. Das gilt auch für Freiberufler und Selbstständige. Je nach Aufgabe sind unterschiedliche Fähigkeiten erforderlich. „Wer im Außendienst arbeitet, braucht vor allem Kundenorientierung und kommunikative Fähigkeiten“, sagt Dr. Helmut Wagner, Professor für angewandte Psychologie an der Hochschule München. „Wer im Forschungslabor tätig ist, muss sorgfältig und gewissenhaft sein und die Fähigkeit mitbringen, komplexe Probleme zu lösen.“

Die Bedeutung überfachlicher Kompetenzen für den Berufserfolg ist unbestritten. So spielen zum Beispiel soziale Kompetenzen wie Team- und Konfliktfähigkeit schon bald für 40 Prozent der Unternehmen eine große Rolle, ermittelte das Bundesinstitut für Berufsbildung. Und laut einer Unternehmensumfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages sind Teamfähigkeit, Selbstmanagement, Einsatzbereitschaft und Kommunikationsfähigkeit die wichtigsten Kompetenzen, die Hochschulabsolventen beim Berufseinstieg mitbringen sollten. Erst an fünfter Stelle rangiert Fachwissen.

Eine erste Definition des Begriffs Schlüsselqualifikationen entwarf 1974 Dieter Mertens vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung. Grundlage war für ihn die Erkenntnis, dass das in Ausbildung und Studium erworbene Fachwissen im Laufe des Berufslebens veraltet. Mertens Schlussfolgerung: Berufstätige brauchen zusätzliche Qualifikationen, die ihnen als „Schlüssel“ dienen, um wechselndes Fachwissen immer wieder schnell und selbstständig erschließen und Veränderungen im Job bewältigen zu können. Ausdauer und Lernbereitschaft zählte er genauso dazu wie die Fähigkeit, seine Zeit gut einzuteilen.

Ständig neue Anforderungen im Job

Heute – mehr als 30 Jahre später – sind Schlüsselqualifikationen wichtiger denn je. Sichere Arbeitsplätze sind rar in Deutschland. Der Job auf Lebenszeit stirbt aus. Befristete Arbeitsverhältnisse nehmen zu. „Berufstätige müssen sich im Lauf ihres Arbeitslebens immer wieder auf neue Anforderungen, Menschen und Situationen einstellen“, sagt Helmut Wagner, der Studierende an der Hochschule München in Präsentationstechniken und sozialer Kompetenz schult. „Schlüsselqualifikationen helfen, unterschiedliche berufliche Tätigkeiten erfolgreich zu meistern.“

Doch nicht nur der Arbeitsmarkt, auch die Arbeit an sich hat sich verändert. In den Unternehmen sind die Hierarchien heute flacher als früher. Das bedeutet mehr Teamarbeit und Verantwortung für den Einzelnen, aber auch mehr Austausch, Diskussionen, Absprachen und Termine. Das verlangt Mitarbeiter, die sozial kompetent und kommunikativ sind und außerdem ein gutes Zeitmanagement mitbringen.

Längst wird der professionelle Umgang mit Computer und Internet vorausgesetzt. So muss heute eine Sekretärin in der Lage sein, Powerpoint-Präsentationen für ihren Chef vorzubereiten. Und bei der steigenden Informationsflut im Job muss jeder unter Zeitdruck selektieren und zwischen Wichtigem und Unwichtigem unterscheiden. „Der stetige Wandel der Arbeitswelt verlangt von Arbeitnehmern eine große Flexibilität“, sagt IW-Experte Dirk Werner.

Ein klarer Vorteil gerade in der Krise

Schon im Bewerbungsverfahren spielen Schlüsselqualifikationen eine wichtige Rolle. Denn die Unternehmen wissen heute genau: Ein Mitarbeiter, der zwar fachlich top, aber nicht in der Lage ist, mit seinen Kollegen im Team zusammenzuarbeiten, bringt Konflikte. Deshalb versuchen viele, per Auswahlverfahren der Durchsetzungskraft oder Stressresistenz der Bewerber auf die Spur zu kommen. „Schlüsselqualifikationen sind ein klarer Wettbewerbsvorteil, insbesondere in Zeiten der Krise“, sagt Dr.Andreas König vom Lehrstuhl für Unternehmensführung an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. Denn fachlich ähnele sich das Wissen häufig. „Was Arbeitnehmer wirklich einzigartig macht, sind fachübergreifende Qualifikationen.“ Bewerber sollten deshalb herausarbeiten, welche Schlüsselqualifikationen sie so besonders machen. Das sei zwar in den Bewerbungsunterlagen schwierig, räumt König ein. Im Vorstellungsgespräch könne man zum Beispiel konkret beschreiben, wie man eine Aufgabe im Team gelöst hat.

Überfachliche Qualifikationen sind aber auch ein Türöffner auf dem Weg nach oben und entscheiden über Beförderungen oder Gehaltserhöhungen.

Lebenslang lernen lautet das Motto

Viele Universitäten bieten inzwischen Soft-Skill-Seminare an, weil sie den Wert der „weichen“ Qualifikationen für den Berufseinstieg erkannt haben. Bildungsexperten fordern das gar für die Schule. Wer Defizite hat, kann Schlüsselqualifikationen gut mithilfe von Weiterbildungen lernen. Allerdings gilt auch hier: Erst Übung macht den Meister. Ein Zeitmanagement-Kurs verwandelt keinen Chaoten in einen Ordnungsfanatiker. „Ein Musiker muss täglich üben, um dauerhaft erfolgreich zu sein“, sagt Andreas König, der vor seiner Zeit an der Universität Erlangen-Nürnberg professioneller Orchestertrompeter war. „Diesen Gedanken muss jeder Arbeitnehmer auf sich übertragen.“ Lebenslang lernen – das ist die Devise.

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