Schlüsselfundbüro Meldung

Die Verlustmarke am Schlüssel zeigt der Post, an welches Fundbüro sie den Schlüssel schicken soll.

Eben war er noch in der Tasche, jetzt ist der Schlüssel weg. Findet jemand den Schlüsselbund an der Straßenbahnhaltestelle, weiß er nicht, wem er ihn zurückbringen soll. Hier können private Schlüsselfundbüros weiterhelfen. Sie schicken den verlorenen Schlüssel an den Besitzer zurück. Finanztest hat ausprobiert, wie lange es dauert bis der Verlierer seinen Schlüsselbund mit Verlustmarke zurück hat, wenn der Finder ihn in den Briefkasten einwirft.

Schlüssel ohne Besitzer

Andrea Lausch nimmt sich Zeit. Sie inspiziert den Schlüssel, den sie auf einem Fußweg gefunden hat. Die Berlinerin entdeckt die Verlustmarke des Schlüssel-Fundbüros Deutschland am Schlüsselbund. „Bitte unverpackt in den nächsten Post-Briefkasten werfen“, steht auf einer Seite der Marke. Die andere Seite nennt Adresse und Telefonnummer des Büros. Andrea Lausch geht zum nächsten Briefkasten, um den Schlüssel einzuwerfen. Dank der Verlustmarke wird der Besitzer seinen Schlüssel in den nächsten Tagen zurückerhalten.

Probe bestanden - bis auf einen Ausreißer

Ein Finanztest-Versuch hat gezeigt: Der Service der Schlüsselfundbüros funktioniert in den meisten Fällen – aber er dauert. Finanztest hat selbst Schlüssel samt Marke von acht verschiedenen Fundbüros in einen Briefkasten geworfen. Sieben Schlüssel kamen wieder an den Besitzer zurück. Nur der Schlüssel mit der Verlustmarke vom Fundbüro Lost & Back war einen Monat nach dem Einwurf immer noch nicht wieder da.

Zurück: Post - Fundbüro - Besitzer

Private Fundbüros verkaufen Verlustmarken für den Schlüsselbund für 12 bis 20 Euro (eine kleine Anbieterauswahl steht in der Tabelle „Verlorene Schlüssel bequem zurück“). Mitunter bieten auch Banken ihren Kunden solche Dienstleistungen an, andere Firmen verteilen auf Messen Schlüsselfinder-Plaketten kostenfrei als Werbegeschenk. Bei den meisten Anbietern muss der Verbraucher die Verlustmarke nach dem Kauf noch auf seine Adresse und den Namen registrieren. Erst dann weiß das Schlüsselfundbüro, an wen es den verlorenen Schlüssel nach einem Fund schicken muss. Wird ein Schlüssel gefunden und in ­einen gelben Briefkasten eingeworfen, schickt die Post ihn an das Schlüsselfundbüro. Und von dort wird er an den Besitzer weitergeschickt.

Schnellster Schlüssel ist fünf Tage unterwegs

Der schnellste Schlüssel im Finanztest-Versuch war nach fünf Werktagen schon wieder da. Meist dauerte es aber neun Werktage. Das liegt daran, dass ein eingeworfener Schlüssel bei der Post erst aus der normalen Briefpost aussortiert werden muss und dann intern noch einmal verschickt wird, bevor er an die Schlüsselfundbüros rausgeht. Bei einem echten Schlüsselverlust hängt die Dauer natürlich davon ab, ob der Schlüssel überhaupt gefunden wird, ob der Finder ehrlich ist und ob er das Richtige tut. Viele Schlüssel werden beim örtlichen Fundbüro abgegeben. Die allgemeinen Fundbüros werfen einen Bund mit Verlustmarke zwar auch bei der Post ein. Diese Zwischenstation kostet den Verlierer aber natürlich zusätzlich Zeit.

Verlustmarke braucht deutlichen Hinweis

Wichtig ist deshalb, dass die Verlustmarke deutlich gestaltet ist, damit der Finder schnell weiß, was er tun soll. Gut sind Marken wie die vom SchlüsselFundbüro Deutschland. Schon der eingestanzte Name des Fundbüros plus Adresse und Telefonnummer auf einer Seite der Marke bewegt den ehrlichen Finder wenigstens, den Fund dort zu melden. Und schaut er ihn so genau an wie Andrea Lausch, entdeckt er auf der anderen Seite den Hinweis, dass er ihn einwerfen soll.

Trotzdem Schloss auswechseln

Vor einem teuren Schlosswechsel bewahrt eine Verlustmarke nicht immer. Wenn ein Missbrauch des verlorenen Wohnungs-, Auto- oder Büroschlüssels nicht ausgeschlossen ist, sollte sein Besitzer nicht auf die Rücksendung warten. Er muss seinem Vermieter oder Arbeitgeber den Verlust sofort mitteilen. Lässt der Vermieter Schlösser auswechseln, kann er sogar Ersatz der Kosten vom Mieter verlangen, wenn dieser den Schlüssel verschlampt hat und ein anderer ihn benutzen kann.

Wann Missbrauch droht

„Keine Missbrauchsgefahr besteht, wenn der Schlüssel so verloren gegangen ist, dass ein Dieb oder ein Finder ihn ganz sicher nicht zuordnen kann. Wer den Schlüssel verloren hat, muss aber im Zweifelsfall beweisen, dass dieser nicht missbraucht werden kann“, erklärt Hans Reinold Horst, Rechtsanwalt aus Hannover und Vorsitzender von Haus & Grund Niedersachsen. Beispiel: Ein Arbeitnehmer mit Wohnung in Stuttgart ist geschäftlich in Nürnberg. Er weiß, dass er in Nürnberg den Schlüssel noch in der Tasche hatte. Zurück in Stuttgart vermisst er den Schlüssel. Ein Mitreisender kann das bezeugen. Weil es sehr unwahrscheinlich ist, dass ein Finder dem Schlüsselbesitzer bis zur Wohnungstür nach Stuttgart gefolgt ist, besteht keine Missbrauchsgefahr.

Versicherung muss informiert werden

Ähnlich ist die Situation für Schlüsselbesitzer mit Hausrat- und Kaskoversicherung: Kann der Wohnungs- oder Autoschlüssel von einem Finder zugeordnet werden, müssen sie die Versicherung sofort über den Verlust informieren. Außerdem muss der Versicherte dann auf eigene Kosten Sicherungsmaßnahmen treffen und zum Beispiel Schlösser auswechseln. Unternimmt er nichts, bekommt er keinen Ersatz, wenn anschließend eingebrochen wird.

Fazit: Eine Verlustmarke ist ein sinnvoller Service, wenn der Schlüssel schnell wieder da ist. Das ist leider nicht immer der Fall. Schlüsselver­lierer dürfen nur dann auf die Rücksendung warten, wenn sie sicher sind, dass kein Finder wissen kann, zu ­welchem Schloss der verlorene Schlüssel gehört.

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