Schließung der City BKK Meldung

Die erste Krankenkasse in Deutschland wird dicht gemacht: Das Bundesversicherungsamt (BVA) hat die Schließung der City BKK zum 1. Juli 2011 beschlossen. Für Versicherte bedeutet dies: Sie müssen sich möglichst rasch eine neue Krankenkasse suchen. test.de sagt, worauf sie dabei achten sollten.

Knapp 170 000 Versicherte betroffen

Das Bundesversicherungsamt hat entschieden: Die City BKK wird zum 1. Juli dieses Jahres geschlossen. Die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der Kasse sei auf Dauer nicht gesichert, heißt es zur Begründung. Die City BKK hat seit Jahren eine überalterte Mitgliederstruktur und daraus resultierend einen großen Anteil von Versicherten mit überdurchschnittlichen Leistungsausgaben, die erheblich zur finanziellen Schieflage der Kasse beitrugen. Auch ein von der City BKK vorgelegtes Sanierungskonzept habe nicht den erhofften Erfolg gebracht. Hinzu kam: Durch den zum 1. Januar 2011 auf 15 Euro angehobenen Zusatzbeitrag verlor die City BKK zahlreiche Mitglieder, darunter vor allem junge und gesunde Versicherte, wodurch sich die Versichertenstruktur der Kasse weiter verschlechterte. Insgesamt betreut die City BKK derzeit noch etwa 168 000 Versicherte, die nun von der Schließung unmittelbar betroffen sind.

Das ist jetzt zu tun

Zunächst einmal: Versicherte der City BKK müssen sich keine Sorgen machen. Kein Arzt darf eine Behandlung verweigern, denn der Kranken­versicherungs­schutz bleibt bestehen. Leistungen werden weiterhin gewährt. Das gilt sowohl für Leistungen, die Versicherte derzeit in Anspruch nehmen (etwa Krankengeld oder eine Reha-Behandlung), als auch für Leistungen, die von der Kasse bereits genehmigt sind (etwa einen Heil- und Kostenplan oder einen Kuraufenthalt). Dennoch: Versicherte müssen jetzt aktiv werden und sich eine neue Krankenkasse suchen. Dabei müssen sie bestimmte Fristen einhalten. test.de sagt im Folgenden, was wichtig ist.

  • Information der Versicherten. Alle Mitglieder der City BKK erhalten einen Brief der Kasse, der über die Schließung und deren Zeitpunkt informiert. Dieser Brief ersetzt die Kündigungsbestätigung. Versicherte müssen ihn bei der neuen Kasse abgeben.
  • Fristen für den Wechsel. Mitglieder der City BKK haben ausreichend Zeit für den Wechsel. Versicherungspflichtige Mitglieder können noch bis zu zwei Wochen nach der Schließung der City BKK ihr Wahlrecht ausüben - also bis spätestens zum 14.07.2011. Freiwillige Mitglieder haben dafür sogar bis zu drei Monate nach Kassenschließung Zeit. Sie müssen sich also spätestens bis zum 30.09.2011 eine neue Kasse suchen. Die Mitgliedschaft beginnt jeweils rückwirkend zum 01.07.2011. Wichtig: Freiwillig Versicherte müssen ihren Wechsel selbst erklären.
  • Frist versäumt. Lässt ein versicherungspflichtiges City-BKK-Mitglied die oben genannten Fristen verstreichen, meldet ihn sein Arbeitgeber bei der Kasse an, in der er vor der City BKK versichert war. Ist diese Kasse nicht zu ermitteln, wählt der Arbeitgeber eine neue Kasse aus. Genauso verfahren die Rentenversicherungsträger bei Rentnern und die Agentur für Arbeit bei Beziehern von Arbeitslosengeld. Versäumen freiwillig Versicherte die Frist greift eine nachrangige Versicherungspflicht in der gesetzlichen Krankenversicherung, die einen nahtlosen Versicherungsschutz ebenfalls gewährleistet. Aber Achtung: Freiwillig versicherte Arbeitnehmer oberhalb der Versicherungspflichtgrenze von 49 500 Euro im Jahr sowie freiwillig versicherte Beamte sollten sich unbedingt bis zum 30.09.2011 eine neue gesetzliche Kasse suchen. Versäumen sie die Frist, können sie sich nur noch privat krankenversichern.
    Tipp: Wenn Sie von Ihrem Wahlrecht keinen Gebrauch machen und von Ihrem Arbeitgeber, Rentenversicherungsträger oder der Agentur für Arbeit bei einer Kasse angemeldet werden, die einen Zusatzbeitrag erhebt, haben Sie kein Sonderkündigungsrecht. Vor einem Wechsel müssen Sie dann 18 Monate in der Kasse versichert bleiben. Das Sonderkündigungsrecht gilt nur, wenn die neue Kasse den Zusatzbeitrag erhöht.
  • Freie Kassenwahl. Versicherte können zu einer gesetzlichen Kasse ihrer Wahl wechseln. Keine gesetzliche Krankenkasse darf Versicherte der City BKK ablehnen – auch nicht bei chronischen Erkrankungen.
  • Informationen an Arbeitgeber. Versicherte müssen ihren Arbeitgeber unverzüglich über die neu gewählte Krankenkasse informieren und die Mitgliedsbescheinigung dort abgeben. Genauso müssen Rentner ihrem Rentenversicherungsträger und Bezieher von Arbeitslosengeld ihre Agentur für Arbeit informieren.
  • Zusatzbeitrag. Wer den von der City BKK erhobenen Zusatzbeitrag bereits im Voraus für das gesamte Jahr 2011 gezahlt hat, bekommt anteilig Zusatzbeiträge für die Monate erstattet, in denen die City BKK nicht mehr existiert. Das sind insgesamt 90 Euro (jeweils 15 Euro für 6 Monate). Die Erstattung erfolgt frühestens im September.
  • Gewährte Leistungen/Zuzahlungsbefreiungen. Bereits von der City BKK genehmigte Leistungen wie Zahnersatz oder Rehabilitation gewährt auch die neue Kasse. Ebenso erkennt die neue Kasse in der Regel auch Zuzahlungs­befreiungen an. Anders kann es dagegen mit speziellen Satzungsleistungen (Bonusprogramme, Zuschüsse zu Kursen oder Wahltarife) oder Leistungen aus individuellen Verträgen aussehen. Kassen können hier unterschiedliche Angebote haben. Eine entsprechende Übernahme durch die neue Kasse ist daher bei diesen speziellen Leistungen nicht garantiert. Versicherte sollten sich bei der Kassenwahl daher genau informieren, was die neue Kasse bietet. Alle nötigen Infos dazu enthält der Produktfinder Gesetzliche Krankenkassen.
    Hinweis: Wer während des Kassenwechsels krankgeschrieben ist oder im Krankenhaus behandelt wird, sollte sich mit der neuen Kasse in Verbindung setzten, um die Kostenübernahme zu klären. Grund: Die neue Kasse weiß sonst nicht gleich, dass sie zum Beispiel Krankengeld zahlen muss und es kann dann zu Verzögerungen kommen.
  • Weitere Informationen. test.de berichtete bereits in der Vergangenheit zum Thema Kassenschließung. In den Meldungen Insolvenz von Krankenkassen und Drohende Schließung der City BKK gibt es weitere Informationen und Tipps zum Thema.

Produktfinder hilft bei der Kassenwahl

Etwa 95 Prozent der Leistungen der gesetzlichen Krankenkassen sind gesetzlich geregelt. Große Einschränkungen in der Versorgung müssen Versicherte der City BKK durch einen Wechsel also nicht befürchten. Dennoch gibt es Unterschiede: Die Kassen dürfen seit einigen Jahren zusätzliche Satzungsleistungen und individuelle Verträge anbieten. So unterscheiden sich die Kassen zum Beispiel bei Reiseimpfungen, Extraangeboten zur Früherkennung, bestimmten Patientenschulungen, Bonusprogrammen für gesundheitsbewusstes Verhalten oder der homöopathischen Behandlung auf Chipkarte. Bei der Wahl einer neuen Kasse sollten Versicherte darauf achten, dass die neue Kasse genau die Leistungen bietet, die sie benötigen. Bei der Wahl hilft der Produktfinder Gesetzliche Krankenkassen von test.de: Er bietet für derzeit 94 Kassen detaillierte Informationen zum Leistungs- und Serviceangebot. Er informiert darüber hinaus, ob Kassen einen Zusatzbeitrag erheben oder dies für 2011 ausschließen. Zudem finden Versicherte im Produktfinder zahlreiche Informationen und Tipps rund um die gesetzlichen Krankenkassen.
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