Schlichtungs­stellen Special

Ob Ärger mit Flug, Strom­rechnung oder Kredit – der Gang zum Gericht ist oft lang­wierig und teuer, der Ausgang des Verfahrens ungewiss. Schlichtungs­stellen bieten eine Alternative. Sie vermitteln in Streitig­keiten zwischen Kunden und Unternehmen – in vielen Branchen und kostenlos. test.de informiert, wie Schlichtungen ablaufen, was es zu beachten gilt und zeigt die wichtigsten Anlauf­stellen für Verbraucher.

Schlichtungs­stellen – das Wichtigste in Kürze

Kostenlos. Streiten Sie sich mit einem Händler oder Dienst­leister und kommen nicht weiter? Dann sollten Sie sich an eine Schlichtungs­stelle wenden. Unsere Über­sicht Schlichtungs­stellen weiter unten im Text zeigt die Einrichtungen für die wichtigsten Branchen. Eine Schlichtung kostet nichts. Lediglich Ihre Kosten für Porto, Kopien oder Telefonate tragen Sie immer selbst.

Unbürokratisch. Teil­weise können Sie über die Internetseite der jeweiligen Stelle direkt einen Online­antrag ausfüllen oder ein Beschwerdeformular herunter­laden und per Mail versenden. Sie können Ihre Beschwerde oft auch per Fax oder Brief einreichen. Schildern Sie, wie der Streit bisher verlaufen ist, und was genau Sie fordern. Belegen Sie Streit und Lösungs­versuche mit Unterlagen wie Verträgen, Bestell­bestätigungen oder Rechnungen. Wichtig hierbei: Bevor sich ein Verbraucher an eine Schlichtungs­stelle wenden kann, muss er sein Anliegen zunächst erfolg­los bei dem jeweiligen Unternehmen vorgetragen haben.

Zügig. Die Schlichtungs­stelle entscheidet normaler­weise binnen drei Monaten. Bis zum Abschluss steht sie mit Ihnen in Kontakt und informiert Sie über den Stand.

nach oben

Mit dem Schlichter kostenlos zur Streitbeilegung

Schlichter, auch Ombuds- oder Schieds­leute genannt, vermitteln bei Konflikten zwischen Kunden und Unternehmen. Die unabhängigen und unpar­teiischen Fachleute und Juristen sollen eine sach­kundige, neutrale und interes­sengerechte Lösung ermöglichen. Damit bieten sie Verbrauchern einen schnellen, einfachen und güns­tigen Rechts­schutz. Das Verfahren ist fast immer kostenlos. Unternehmen haben gleich­zeitig die Möglich­keit, durch die Teil­nahme an Schlichtungen zu einvernehmlichen Lösungen zu kommen und sich die Kunden gewogen zu halten.

Tipp: Sie wollen „klassisch“ mit Anwalts- und Gerichts­hilfe zu Ihrem Recht kommen? Die Stiftung Warentest testet regel­mäßig Rechts­schutz­versicherungen zum Vergleich Rechtsschutzversicherung.

Gesetz fördert außerge­richt­liche Streitbeilegung

Am 1. April 2016 ist das Verbraucherstreitbeilegungsgesetz (VSBG) in Kraft getreten, wonach das Bundes­ministerium der Justiz und für Verbraucher­schutz die Arbeit einer ausgewählten Allgemeinen Verbraucher­schlichtungs­stelle fördert. Bei Streitig­keiten in Branchen, in denen es noch keine branchenspezi­fische Schlichtungs­stelle gibt, können sich die Verbraucher an diese wenden. Der Vorteil branchenspezi­fischer Schlichtungs­stellen besteht allerdings darin, dass die Streit­mittler über das Fachwissen der einzelnen Branche verfügen (Schlichtungsstellen im Überblick).

Steigender Bedarf an Schlichtung

Reisen. In einigen Bereichen wächst der Bedarf stark, etwa in der Reisebranche: 2018 gingen bei der Schlichtungs­stelle für den öffent­lichen Personen­verkehr (söp) 32 000 Anträge ein, doppelt so viele wie im Vorjahr. Auch die Zahl der Verkehrs­unternehmen, die am Schlichtungs­verfahren teilnehmen, ist auf rund 370 gestiegen. Die Aussicht auf Erfolg ist gut: So wurden 2018 in 90 Prozent aller Fälle die Streitig­keiten ohne Gerichts­verfahren beigelegt.

Versicherungen. Auch bei Versicherungs­streitig­keiten kann der Schlichter oft helfen: Im Jahr 2018 gingen beim Versicherungs­ombuds­mann 18 673 Anträge ein, wovon 44,1 Prozent erfolg­reich waren. Das heißt, die Beschwerde­verfahren brachten den Versicherten tatsäch­lich Verbesserungen oder sogar einen Erfolg auf ganzer Linie. Ausgenommen waren Lebens­versicherungen, hier lag die Erfolgs­quote bei 26,2 Prozent. Von 283 Beschwerden gegen Versicherungs­vermittler führten 31,4 Prozent zum Erfolg für den Kunden.

Energie. Energieversorger sind bisher als einzige Unternehmen gesetzlich verpflichtet, an Schlichtungs­verfahren teil­zunehmen. Hier hatten die Ombuds­leute 2018 in mehr als der Hälfte der Fälle Erfolg. In 56 Prozent der durch­geführten Schlichtungs­verfahren einigten sich Verbraucher und Versorger.

Schlichter helfen bei grenz­über­schreitendem Streit

Ziel. Verbraucher, die unzufrieden mit einem Online-Einkauf sind und sich darüber mit einem Unternehmen aus EU-Ländern (einschließ­lich Island und Norwegen) streiten, können sich an die Europäischen Verbraucherzentralen wenden, die sich für eine außerge­richt­liche Lösung einsetzen, falls nötig auch unter Einschaltung ausländischer Schlichtungs­stellen.

Verfahren. Auf der Onlineplatt­form Your Europe gibt es ein Beschwerdeformular in 23 Sprachen. Mit diesem kann ein Verbraucher seine Beschwerde einreichen. Stimmt der Händler einer Schlichtung zu, schlägt er Verbraucher­schlichtungs­stellen vor. Beide Parteien haben nun 30 Tage Zeit, sich auf die Stelle zu einigen, die sich mit dem Fall befassen soll. Zuvor müssen sich beide auf der Platt­form registriert haben. Der Verbraucher und das Unternehmen werden dann binnen 90 Tagen über den Lösungs­vorschlag informiert. Nehmen sie ihn an, wird er bindend. Reagiert das Unternehmen nicht auf die Verbraucher­beschwerde, bleibt dem Kunden nur der Gerichtsweg.

Vor der Schlichtung Erfolgs­aussichten klären

Wer über eine Schlichtung nach­denkt, sollte sich die im Internet abruf­bare Schlichtungs­ordnung der jeweiligen Schlichtungs­stelle ansehen (siehe auch Schlichtungsstellen im Überblick). So wird schnell klar, ob die eigene Beschwerde Aussicht auf Erfolg hat, und was es zu beachten gilt. Auch den richtigen Ansprech­partner findet jeder übers Internet: Die Schlichtungs­stellen sind entweder für das gesamte Bundes­gebiet zuständig (wie bei den Versicherungen) oder nach einzelnen Bundes­ländern oder Regionen aufgeteilt (wie bei den Handwerks­kammern).

Der Schlichtung muss ein Einigungs­versuch voran­gehen

Grund­sätzlich gilt: Bevor jemand eine Schlichtungs­stelle einschaltet, muss der Kunde bereits erfolg­los probiert haben, eine Lösung mit dem Unternehmen zu finden. Diesen Einigungs­versuch kann er durch die Korrespondenz mit dem Händler oder Dienst­leister nach­weisen, etwa durch E-Mail- oder Brief­verkehr. Seine Beschwerde bei der Schlichtungs­stelle kann der Kunde meist per Brief, Fax oder E-Mail einreichen. Oft ist es möglich, über die Internetseite den Antrag online abzu­geben oder ein Beschwerdeformular abzu­rufen. Für die Antrags­begründung sollte jeder den Sach­verhalt und die eigene Sicht­weise so detailliert wie möglich schildern und mit Dokumenten belegen, etwa mit Vertrags­unterlagen oder Rechnungen.

Beim Schlichten gilt: Es gibt eine Ober­grenzen für Streitfälle

Einige Schlichtungs­stellen lassen Beschwerden nur ab oder bis zu einem bestimmten Streit­wert zu. Der Streit­wert bemisst sich nach der Höhe des geforderten Geld­betrags oder dem Wert der Ware, um die es geht. Streitet zum Beispiel ein Mandant mit seinem Rechts­anwalt über dessen Honorar oder gar um Schaden­ersatz wegen eines vermuteten Beratungs­fehlers, kann der Mandant die Schlichtungs­stelle der Rechts­anwalt­schaft grund­sätzlich nur bis zu einer Forderungs­höhe von 50 000 Euro anrufen. Streit­wert­grenzen haben auch der Versicherungs­ombuds­mann, der Ombuds­mann der Privaten Kranken- und Pflege­versicherung und die Schlichtungs­stelle für den öffent­lichen Personen­verkehr (siehe Schlichtungsstellen im Überblick, unter „Besonderheit“).

Wie gut funk­tionieren Schlichtungs­stellen?

Forscher der Universitäten West­minster und Cambridge unter­suchen im Auftrag des Bundes­ministeriums für Justiz und Verbraucher­schutz, wie gut die Schlichtungs­stellen funk­tionieren. Dafür erfassten sie von August 2017 bis Juli 2018 exemplarisch alle Fälle, mit denen sich die Verbraucher­schlichtungs­stelle Kehl befasste. Sie befragten Verbraucher und Unternehmen. Die Ergeb­nisse werden Ende 2020 veröffent­licht.

Im Schnitt drei Monate Bearbeitungs­dauer

Die Bearbeitungs­zeit beträgt durch­schnitt­lich drei Monate. Ist der Sach­verhalt komplizierter, kann es auch etwas länger dauern. Während der Verhand­lungen ist die gesetzliche Verjährung des Anspruchs gehemmt, das heißt: der um Schlichtung bemühte Kunde kann – unabhängig von dessen Dauer – auch noch nach Ende des Verfahrens gericht­lich gegen das Unternehmen vorgehen.

So läuft die Schlichtung ab

  • Stellung­nahme wird einge­holt. Hat die Schlichtungs­stelle die Beschwerde zugelassen, prüft sie die Unterlagen und holt die Stellung­nahme des Unter­nehmens ein. Fehlen Erklärungen oder Dokumente, fordert sie diese an. Zeugen werden in diesem Verfahren nicht vernommen. Lang­wierige Beweis­aufnahmen wie vor Gericht finden nicht statt.
  • Abbruch ist möglich. Der Verbraucher kann das laufende Schlichtungs­verfahren jeder­zeit abbrechen, falls er kein Interesse mehr an einer außerge­richt­lichen Streitbeilegung hat.
  • Schlichter­spruch meist unver­bindlich. Das Verfahren endet mit dem Schlichter­spruch. Meistens sind die Parteien nicht an die Ergeb­nisse gebunden, Ausnahmen sind Schlichter­sprüche des Versicherungs­ombuds­mannes, des Ombuds­mannes des Bundes­verbandes der privaten Banken, der Ombuds­stelle für Sach­werte und Investment­vermögen, der Ombuds­stelle für Investmentfonds und des Ombuds­mannes der privaten Bausparkassen.

Hinder­nisse für die Schlichtung

Nicht möglich ist eine Schlichtung in diesen Fällen:

  • Der streitige Anspruch ist nicht zuvor gegen­über dem Antrags­gegner geltend gemacht worden.
  • Der Konflikt wird gerade vor Gericht verhandelt.
  • Eine gericht­liche Entscheidung liegt vor.
  • Die Staats­anwalt­schaft ermittelt in dem Fall.
  • Verbraucher und Unternehmen haben sich in der Angelegenheit schon einmal außerge­richt­lich geeinigt.
  • Der Anspruch ist verjährt. Der Anlass für den Konflikt liegt so lange zurück, dass die Forderung nicht mehr durch­gesetzt werden kann. In der Regel beträgt die gesetzliche Verjährungs­frist drei Jahre. Sie beginnt am 1. Januar nach dem Jahr, in dem der Anlass für den Konflikt liegt.

Rechtsweg nicht ausgeschlossen

Sind Verbraucher oder Unternehmen nicht zufrieden, steht ihnen immer noch der Gang zum Gericht offen. Ein Schlichter­spruch ist deshalb nur dann erfolg­reich, wenn beide mit der Entscheidung zufrieden sind und sich an die erreichte Abmachung halten.

nach oben

Die Schlichtungs­stellen im Über­blick

Unsere Über­sicht zeigt die wichtigsten Schlichtungs­stellen und informiert, wohin sich Verbraucher mit ihren Beschwerden wenden können.

Schlichtungs­stellen – nicht branchenspezi­fisch

Allgemeine Verbraucher­schlichtungs­stelle des Zentrums für Schlichtung e.V.

Für wen? Verbraucher

Was? Streitig­keiten mit Unternehmen, wenn es keine branchenspezi­fische Schlichtungs­stelle gibt

Wie? Onlineformular, E-Mail, Fax und Post

Besonderheit: Nur Beschwerden mit einem Streit­wert nicht unter 10,00 Euro und nicht über 50 000 Euro zulässig

Kontakt: Allgemeine Verbraucher­schlichtungs­stelle des Zentrums für Schlichtung e.V., Fax 07851/7957941, E-Mail, www.verbraucher-schlichter.de

Schlichtungs­stellen – Reisen

Schlichtungs­stelle für den öffent­lichen Personen­verkehr e. V. (Söp)

Für wen? Kunden von Verkehrs­unternehmen (Bahn, Fernbus, Flugzeug, Schiff, öffent­licher Personen­nahverkehr)

Was? Verspätungen, Ausfall eines Zuges oder Annullierung eines Fluges, Personen- oder Gepäck­schäden, Gepäck­verlust bzw. -verspätung, Über­buchung, Nicht­beför­derung, verpasste Anschlüsse

Wie? Onlineformular, für Schiff­reisende E-Mail, Post

Besonderheit: Nur Beschwerden mit einem Streit­wert von bis zu 30 000 Euro zulässig

Kontakt: Schlichtungs­stelle für den öffent­lichen Personen­verkehr e. V., Tel. 0 30/64 49 93 30, www.soep-online.de

Achtung: Bei Streit mit Fluggesell­schaften, die nicht der Söp ange­schlossen sind, hilft die behördliche Schlichtungs­stelle Luft­verkehr beim Bundes­amt für Justiz. Dafür über­mitteln Kunden ein auf der Internetseite abruf­bares Antrags­formular per E-Mail, Telefax oder Post. Bundes­amt für Justiz, Schlichtungs­stelle Luft­verkehr, Tel. 02 28/9 94 10 61 20, www.bundesjustizamt.de.

Schlichtungs­stellen – Gesundheit

Ombuds­mann der Privaten Kranken- und Pflege­versicherung

Für wen? Versicherungs­nehmer und ihre Kranken- und Pflege­versicherungs­unternehmen

Was? Konflikte mit Versicherern, Versicherungs­vermitt­lern und Versicherungs­beratern, Gebühren­streit, Therapie, Zahn­zusatz­versicherungen, Tarifwechsel, Beratungs- und Informations­pflichten, Versicherungs­fall vor Versicherungs­beginn, Verletzung der vorvertraglichen Anzeige­pflicht

Wie? Onlineformular, Post, Fax

Wichtig: Einverständnis­erklärung, dass der Versicherer Daten weitergeben darf. Wenn Sie das Beschwerde­verfahren als Vertreter für eine versicherte Person durch­führen, benötigen Sie eine unter­schriebene Voll­macht.

Besonderheit: In Bagatell­sachen (Streit­wert bis zu 50 Euro) kann der Ombuds­mann die Annahme der Beschwerde ablehnen.

Kontakt: Ombuds­mann der Private Kranken- und Pflege­versicherung, Tel. 0 800/2 55 04 44, E-Mail, www.pkv-ombudsmann.de.

Schlichtungs­stellen und Gutachter­kommis­sionen der Landes­ärztekammern

Für wen? Patienten, Angehörige, Ärzte, Kranken­hausträger und deren Versicherer

Was? Streitig­keiten, bei denen fraglich ist, ob gesundheitliche Komplikationen beim Patienten auf einer haftungs­begründenden fehler­haften ärzt­lichen Behand­lung beruhen

Wie? Antrags­formular als Download, bei Bedarf auch per Post

Wichtig: Schweige­rechts­entbindungs­erklärung abgeben.

Besonderheit: Verfahren dauern im Durch­schnitt 15 Monate wegen der Komplexität der Sach­verhalte und längeren Warte­zeiten auf ärzt­liche Stellung­nahmen.

Kontakt: Kontakt­daten der Gutachter­kommis­sionen und Schlichtungs­stellen bei den Landes­ärztekammern auf der Internetseite der Bundes­ärztekammer abruf­bar unter www.bundesaerztekammer.de.

Schlichtungs­stellen – Streit mit Anwälten

Schlichtungs­stelle der Rechts­anwalt­schaft

Für wen? Mandanten

Was? Honorar­ansprüche und/oder Schadens­ersatz­ansprüche wegen vermuteter Anwalts­fehler

Wie? E-Mail, Fax, Post

Besonderheit: Nur Beschwerden mit einem Streit­wert von bis zu 50 000 Euro zulässig

Kontakt: Schlichtungs­stelle der Rechts­anwalt­schaft, Tel. 0 30/28 44 41 70, E-Mail, www.schlichtungsstelle-der-rechtsanwaltschaft.de

Schlichtungs­stellen – Banken

Bei Streitfragen im Zusammen­hang mit Finanz­dienst­leistungen gibt es verschiedene Schlichtungs­stellen. Sparkassen, Privatbanken, Genossen­schafts­banken sowie Bausparkassen haben derartige Anlauf­stellen.

Für Konflikte um Kapital­anlagen gibt es drei Schlichtungs­stellen: Ombuds­stelle für Investmentfonds des Bundes­verbandes Investment und Asset Management e. V. (BVI), Ombuds­stelle für Sach­werte und Investment­vermögen e. V. (ehemals Ombuds­stelle Geschlossene Fonds) und Schlichtungs­stelle der Bundes­anstalt für Finanz­dienst­leistungs­aufsicht (Bafin). Letztere ist zuständig, wenn die vorher genannten nicht tätig werden.

Für wen? Bank­kunden und Menschen, denen die Bank ein Giro­konto verweigert.

Was? Kredit­geschäft, Zahlungs­verkehr, Wert­papier­geschäft, Spar­geschäft, Bürg­schaften/Dritt­sicherheiten

Wie? Onlineformular, E-Mail, Fax, Post

Besonderheit: Für Banken verbindlich sind Schlichter­sprüche des Ombuds­mannes des Bundes­verbandes deutscher Banken, der Ombuds­stelle Geschlossene Fonds, der Ombuds­stelle für Investmentfonds bis zu einem Streit­wert von 10 000 Euro, wenn der Rechts­sache keine grund­sätzliche Bedeutung zukommt.

Grenz­über­schreitende Zusammen­arbeit: Auf EU-Ebene nimmt die Schlichtungs­stelle des Banken­verbandes an dem FIN-NET (Financial Complaint Service Network) teil, dem mitt­lerweile 58 nationale Schlichtungs­stellen angehören.

Kontakt: Kontakt­daten der Schlichtungs­stellen auf der Internetseite der Bundes­anstalt für Finanz­dienst­leistungs­aufsicht (Bafin) abruf­bar: www.bafin.de/schlichtungsstelle.

Tabellen – Schlichtungs­einrichtungen der Banken im Über­blick

Banken/Streitsache

Schlichtungs­stelle

Schlichtungs­ordnung

Teilnehmende Institute

Sparkassen (alle Bundes­länder außer Baden-Württem­berg)

Deutscher Sparkassen- und Giroverband Schlichtungsstelle

Verfahrensordnung der Schlichtungsstelle beim DSGV

Am Schlichtungsverfahren des DSGV teilnehmende Institute

Sparkassen Baden-Württem­berg

Schlichtungsstelle des Sparkassenverbands Baden-Württemberg

Verfahrensordnung der Sparkassen-Schlichtungsstelle Baden-Württemberg

Liste der dem Schlichtungsverfahren angeschlossenen Sparkassen

Genossen­schafts­banken (Volks- und Raiff­eisen­banken)

Kundenbeschwerdestelle beim Bundesverband der Deutschen Volks- und Raiffeisenbanken

Verfahrensordnung für die außergerichtliche Schlichtung von Kundenbeschwerden im Bereich der deutschen genossenschaftlichen Bankengruppe

Teilnehmer
(Ob Ihre Bank am Schlichtungs­verfahren teilnimmt, können Sie über die Post­leitzahl­suche abfragen)

Öffent­lichen Banken (u. a. DKB, Landes­banken)

Bundesverband Öffentlicher Banken Deutschlands, Kundenbeschwerdestelle

Verfahrensordnung für die Schlichtung von Beschwerden im Bereich des Bundesverbandes Öffentlicher Banken

Liste der teilnehmenden Institute

Private Banken (u. a. Deutsche Bank, Commerz­bank)

Ombudsmann der privaten Banken1

Verfahrensordnung des Ombudsmanns der privaten Banken

Am Ombudsverfahren teilnehmende Banken

Private Bausparkassen

Schlichtungsstelle des Verbandes der Privaten Bausparkassen

Verfahrensordnung der Schlichtungsstelle Bausparen des Verbandes der Privaten Bausparkassen

Liste der teilnehmenden Bausparkassen

Alle Banken

Deutsche Bundesbank Schlichtungsstelle

Merkblatt Schlichtungsstelle bei der Deutschen Bundesbank

alle 2

Bei Konflikten um Kapital­anlagen

Ombudsstelle für Investmentfonds des Bundesverbandes Investment und Asset Management1

Verfahrensordnung der Ombudsstelle für Investmentfonds

Mitgliederliste Ombudsstelle für Investmentfonds

Ombudsstelle für Sachwerte und Investmentvermögen1

Verfahrensordnung der Ombudsstelle für Sachwerte und Investmentvermögen

Liste der angeschlossenen Unternehmen

Schlichtungsstelle der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin)

Finanzschlichtungsstellenverordnung

alle 2

    • 1 Schlichter­spruch für Unternehmen bindend bis zu einem Streit­wert von 10 000 Euro.
    • 2 Die Schlichtungs­stelle hat nach dem Gesetz nur eine „Auffang­funk­tion“. Sie ist nur zuständig, wenn die Schlichtung nicht von einer der vorher aufgelisteten privaten Verbraucher­schlichtungs­stellen über­nommen wird.

    Schlichtungs­stellen – Tele­kommunikation

    Bundes­netz­agentur

    Für wen? Kunden von Tele­kommunikations­anbietern oder TK-Netz­betreibern

    Was? Streit über Telefon­rechnungen oder Verbindungs­entgelte, Unstimmig­keiten über unzu­reichende Informationen des Anbieters zu seinen Leistungen/Preisen/Vertrags­dauer, Anschluss­störung, Sperrung des Telefon­anschlusses, strittige Mindest­vertrags­lauf­zeit, Kündigung, Probleme beim Wechsel des Tele­kommunikations­anbieters, Probleme bei der Rufnummern­mitnahme, Verschlechterung oder Wegfall der Leistung nach einem Umzug, Roaming in öffent­lichen Mobil­funk­netzen in der Union, zu hohe Mobil­funk­kosten nach Auslands­auf­enthalt

    Wie? Onlineformular, E-Mail, Fax, Post

    Kontakt: www.bundesnetzagentur.de.

    Schlichtungs­stellen – Internet­einkauf

    Der Online-Schlichter

    Für wen? Der Verbraucher oder der Unternehmer kommt aus Baden-Württem­berg, Bayern, Berlin, Brandenburg, Hessen, Rhein­land-Pfalz oder Schleswig-Holstein oder der Fall hat einen Bezug zu den Koope­rations­part­nern aus der Wirt­schaft (DEVK Versicherungen und Bundes­verband Direkt­vertrieb Deutsch­land).

    Was? Verbraucher und Unternehmer haben unter Verwendung des Internets einen Vertrag über die Lieferung von Waren oder die Erbringung von Dienst­leistungen abge­schlossen, bei der Abwick­lung läuft nicht alles reibungs­los (Mangel an gelieferter Ware, Nicht- oder Teillieferung, Widerruf, Ärger bei Direkt­vertrieb)

    Wie? Onlineformular, nur auf Anfrage Telefon, Fax, Post

    Kontakt: www.online-schlichter.de.

    Besonderheit: Das Netz­werk der Europäischen Verbraucherzentren bietet Verbraucher­informationen rund ums Thema eCommerce im grenz­über­schreitenden Kontext, also bei Einkäufen im EU-Ausland (einschließ­lich Island und Norwegen). Bei einem Rechts­streit mit einem Unternehmen aus diesen Staaten setzen sich die Europäischen Verbraucherzentren für eine außerge­richt­liche Lösung ein, falls nötig auch unter Einschaltung ausländischer Schlichtungs­stellen. Mehr unter www.eu-verbraucher.de

    Schlichtungs­stellen – Energie

    Schlichtungs­stelle Energie e. V.

    Für wen? Privatkunden von Energieversorgungs­unternehmen (Energielieferanten, Netz­betreiber)

    Was? Streit über Abrechnungen, z. B. wenn Gutschriften oder Boni nicht oder nur teil­weise berück­sichtigt wurden, Tarif­änderung, Vertrags­lauf­zeit, Kündigung, Anbieter- bzw. Lieferanten­wechsel, Sach­schäden

    Wie? Onlineformular, Post

    Besonderheit: Energieversorgungs­unternehmen sind verpflichtet, an Schlichtungs­verfahren teil­zunehmen.

    Kontakt: Schlichtungs­stelle Energie e. V., Tel. 0 30/27 57 24 00, E-Mail, www.schlichtungsstelle-energie.de.

    Schlichtungs­stellen – Versicherungen

    Versicherungs­ombuds­mann

    Für wen? Versicherungs­nehmer

    Was? Streitig­keiten mit Versicherungs­unternehmen und Versicherungs­mitt­lern

    Wie? Onlineformular, E-Mail, Post

    Besonderheit: Nur Beschwerden mit einem Streit­wert von bis zu 100 000 Euro zulässig, Schlichter­spruch bis zu einem Streit­wert von 10 000 Euro für Versicherer verbindlich, ansonsten unver­bindliche Empfehlung. Für Versicherungs­vertreter bzw. Versicherungs­makler ist die Entscheidung des Ombuds­manns ebenfalls unver­bindlich.

    Kontakt: Versicherungs­ombuds­mann e. V., Tel. 0 800/3 69 60 00, www.versicherungsombudsmann.de.

    Schlichtungs­stellen – Handel, Hand­werk und Kfz-Gewerbe

    Die auf das gesamte Bundes­gebiet verteilten Industrie- und Handels­kammern haben für ihre Bezirke zum Teil Schlichtungs­stellen einge­richtet.Diese bearbeiten Beschwerden von Verbrauchern über Warenkäufe oder Dienst­leistungen von Unternehmen mit Sitz im Zuständig­keits­bereich.

    Die Handwerks­kammern sind zur Errichtung von Schlichtungs­stellen für Beschwerden von Verbrauchern über selbst­ständige Hand­werker verpflichtet. Ansprech­partner ist die regional zuständige Handwerks­kammer. Die Handwerks­kammer darf allerdings nur ihre Mitglieder – das heißt: die Hand­werker – recht­lich beraten. Verbraucher müssen sich bei recht­lichen Fragen an die Verbraucherzentrale wenden.

    Wer Streit mit einem Mitglieds­betrieb der Kfz-Innung hat, kann sich an eine der rund 100 Schieds­stellen wenden. Eine Über­sicht über Schieds­stellen für Streitig­keiten zwischen Auto­kunden und Kfz-Meister­betrieben ist auf der Internetseite www.kfz-schiedsstellen.de abruf­bar.

    Dieses Special ist erst­mals am 15. September 2015 auf test.de erschienen. Es wurde seitdem mehr­fach aktualisiert, zuletzt am 9. Juli 2019.

    nach oben

    Dieser Artikel ist hilfreich. 89 Nutzer finden das hilfreich.