Interview: Formlos und unbürokratisch

Schlichtungs­stelle für den Personen­verkehr Special

Edgar Isermann, Leiter der Schlichtungs­stelle für den öffent­lichen Personen­verkehr (söp), erläutert den Ablauf des Schlichtungs­verfahrens und informiert über Kosten, Dauer und Erfolgs­aussichten.

Kann sich ein Kunde, der Probleme bei einer Bahn-, Flug-, Bus- oder Schiffs­reise hatte, direkt an die Schlichtungs­stelle wenden?

Zunächst muss er sich beim Verkehrs­unternehmen beschweren, damit dieses die Chance hat, Ansprüche selbst zu regulieren. Bekommt der Reisende keine oder eine nicht zufrieden­stellende Antwort, kann er bei uns einen Antrag auf Schlichtung stellen.

Welche Formalitäten sind dabei zu beachten?

Unser Verfahren ist formlos und unbürokratisch. Um jeden Einzel­fall korrekt prüfen zu können, müssen wir jedoch die Sachlage kennen. Wir benötigen dazu Kopien aller Unterlagen der bisherigen Korrespondenz sowie eine Kopie des Fahrti­ckets.

Lässt sich der Schlichtungs­antrag auch im Internet stellen?

Selbst­verständlich. Auf unserer Website www.soep-online.de sind Online-Beschwerdeformulare einge­stellt, die leicht und unkompliziert auszufüllen sind. Sie erleichtern das Prozedere für den Reisenden und für uns.

Kostet die Schlichtung Geld?

Für den Reisenden ist die Schlichtung kostenfrei. Er muss nur seine eigenen Kosten tragen, etwa das Briefporto. Ansonsten gilt: Wir sind kein profit­orientiertes Unternehmen. Das unterscheidet unsere Schlichtungs­stelle von Anwalts­büros, die sich den Verbraucher­schutz auf die Fahnen geschrieben haben, aber ein Erfolgs­honorar von rund 25 Prozent einstreichen. Bei uns dagegen landet der Entschädigungs­betrag ohne Abzüge beim Reisenden.

Wie lange dauert das Verfahren?

Liegen alle Unterlagen vor, benötigen wir im Bahn­bereich erfahrungs­gemäß zwei bis drei Monate. Das wird auch im Flug­bereich nicht anders sein.

Ist das Ergebnis verbindlich?

Das Verfahren endet mit einer Schlichtungs­empfehlung. Erklären sich beide Seiten mit unserem Vorschlag einverstanden, wird die Empfehlung wie bei einem Vertrag bindend. Unterm Strich lässt sich sagen: Die Schlichtung erspart Reisenden Zeit, Geld und Ärger. Zudem erzielen wir in rund 80 Prozent aller Verfahren eine Einigung.

Dieser Artikel ist hilfreich. 7 Nutzer finden das hilfreich.