Schlemmerfilets Test

Fisch tut gut. Und tiefgefroren im Fertigpack ist er praktisch und preiswert. Wir haben 17 Schlemmerfilets geprüft. Nur fünf sind „gut“.

Beate hat einen Job, eine Familie und wenig Zeit. Aber eine gut gefüllte Tiefkühltruhe, die ihr öfter mal aus der Klemme hilft. Zum Beispiel mit einem Schlemmerfilet à la Bordelaise. Das ist ein Fischgericht, das nach rund 40 Minuten fertig überbacken aus der Röhre kommt. Ein Salat und Reis oder Kartoffeln runden das Ganze zu einer Mahlzeit ab. Eine feine Sache also – oder?

Nach dem Test von 17 Schlemmerfilets lässt sich die Frage nicht rundum bejahen. Völlig fehlerfrei war keins, einige hatten sogar recht heftige sensorische Mängel bis hin zu alt, tranig und fischig. Nur fünf Produkte sind „gut“, elf „befriedigend“, eins ist „ausreichend“. Und das hauptsächlich aus sensorischen Gründen. Ansonsten sind die Filets schadstoffarm bis -frei, nicht zu viel mit Keimen belastet und auch nicht zu kalorienreich.

Stückwerk in der Aluschale

Schlemmerfilets Test

Vorher, nachher: Schlemmer­filet à la Bordelaise einmal tiefgefroren, einmal frisch aus der Röhre.

Filet – das weckt nicht nur bei Beate falsche Vorstellungen: Was da in der Röhre brutzelt, sind nicht ein oder zwei Fischfilets in einer Aluschale, sondern in unserem Test mindestens sechs Filetstücke.

Manchmal sind es sogar 25 Stückchen und mehr. Ein Grund dafür macht als Überfischung der Meere Schlagzeilen: Manche Fische gehen relativ klein in die Netze. Der andere ist zwangsläufig die Herstellung, bei der die Filets zu Blöcken eingefroren werden, die so geschnitten sind, dass das auch kleinere Stücke ergibt.

Deshalb haben diese Schlemmerfilets keine natürliche Form: Es sind aus gefrorenen Blöcken geschnittene rechteckige Scheiben, ähnlich wie große Tafeln Schokolade – nur dicker. Diese Scheiben sind ein Hit, seit Iglo sie 1969 mit einer Auflage als Schlemmerfilet à la Bordelaise auf den Markt brachte. Mittlerweile gibt es viele Nachahmer, die sich so oder ähnlich nennen oder auch Auflagen mit Spinat, Brokkoli oder Oliven und Käse bieten.

Ein traditionelles Rezept à la Bordelaise gibt es im Übrigen nicht. Das ist ein Fantasiename von Iglo, der – so die Firma – „an die französische Esskultur anknüpft“, dem Fertigpack also lautmalerisch einen Abglanz französischer Feinschmeckerküche verleiht. Die Zutaten für die Produkte im Test – auch für die, die sich Gourmet und Marseille nennen – sind im Wesentlichen gleich: eine Fischplatte mit einer Auflage, die vor allem aus Semmelbröseln, Fett, Gewürzen und anderen Zutaten wie manchmal Kräutern besteht. Aromastoffe helfen laut Deklaration bei sechs Produkten nach: bei Aldi Süd, Kaufland, Norma, Omega, Plus und Tiko.

Geschrumpfter Fisch

Schlemmerfilets Test

Ein solches Schlemmerfilet kann man auch mit zwei linken Händen zubereiten: Die Packung öffnen und ab damit in den vorgeheizten Ofen. Was nach meist 40 bis 45 Minuten das Licht der Küche erblickt, lässt optisch manchmal sehr zu wünschen übrig. Die meisten Filets waren mehr oder weniger stark geschrumpft, mal in der Längs-, mal in der Querrichtung – je nach Sägeprogramm des Herstellers. Schrumpfen heißt auch, dass sich in der Aluschale Fischsaft sammelt. Das ist meist unvermeidlich, denn in der Regel verliert tiefgefrorener Fisch beim Erhitzen Flüssigkeit. Seehecht allerdings schrumpft kaum. Wie viel Flüssigkeit austritt, ist aber auch eine Altersfrage: Je länger Fisch in der Gefriertruhe dem Verzehr entgegendämmert, desto mehr leidet die Wasserbindung des Fischfleischs.

Nicht immer knusprig

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Manchmal war der Fischsaft mit reichlich Öl aus der Auflage vermischt. Und die blieb nicht immer auf dem Fisch, sondern rutschte mal mehr, mal weniger herunter. Den Fisch kann man auch in der Mikrowelle zubereiten, und zwar mit zugeschalteten Grill. Dass er knusprig wird, erwartet man eher, wenn er – wie im Test – aus der Röhre kommt. Das war aber nur selten so. Im Extremfall notierten die Experten sogar „breiig bis schleimig“ (Tiko).

Ein Versprechen hielten die Schlemmerfilets: Sie waren praktisch grätenfrei. Aber sonst hatten die Experten auch am Fisch einiges auszusetzen.

Fischig und tranig

Schlemmerfilets Test

Wie die Schlemmerfilets schmecken, überprüften Fischexperten im Labor.

Etwa jedes dritte Produkt schmeckte teilweise fischig oder tranig. Tranig wurde vor allem bei zwei Seehechtfilets bemängelt. Bei denen dauerte die Mindesthaltbarkeitsfrist noch einige Monate, sie dürften also gegen Ende der Frist noch traniger schmecken. Auch Gefrierbrand an Schnittkanten fiel öfter auf: Diese weißen, strohigen Stellen sind kein Zeichen für Verderb, aber für Fehler bei der Lagerung.

Wie lange die Fische schon gefroren sind, lässt sich beim Kauf nicht feststellen. Auf der Verpackung steht das Mindesthaltbarkeitsdatum, aber nicht das entscheidende Datum für Fang oder Herstellung. Die Mindesthaltbarkeitsfrist legen die Hersteller individuell fest. Wir haben die Frist abgefragt, sie geht bis zu 18 Monaten. Gut möglich, dass einige Filets beim Verkosten mehr Zeit im Eis hinter sich hatten als andere. Trotzdem müssen sie in Ordnung sein, denn ein Produkt soll bis zum Ende dieser Frist ohne wesentliche Qualitätseinbußen genießbar sein. Ein Markenprodukt sollte auch immer gleich gut sein, hier also Fisch und Auflage. Unsere Experten fanden oft schwankende Fischqualitäten. Und das von Packung zu Packung, auch wenn die dasselbe Mindesthaltbarkeitsdatum trugen, also zeitgleich produziert wurden.

Wenig Fisch, viel Fett

Rund 400 Gramm wiegt ein Schlemmer­filet. Die Auflage macht ziemlich einheitlich rund 25 Prozent aus. Bleiben rund 300 Gramm Fisch beziehungsweise 150 Gramm pro Person, wenn man sich eine Packung teilt. Bei Eismann ist es sogar noch weniger. Hier sind die Scheiben anders gesägt, pro Portion bleiben nur 120 Gramm Fisch. Üppig ist das nicht. Normalerweise rechnet man pro Person 150 bis 200 Gramm Fisch. Dafür steckt ausgerechnet im Eismann-Produkt das meiste Fett, nämlich 25 Gramm pro 200-Gramm-Portion. Und das ergibt hier die meisten Kalorien.

Eine Portion des Eismann-Filets bringt es auf fast 400 Kilokalorien. Für eine Frau, die meist sitzend arbeitet und sich sonst nicht viel bewegt, ist das eine ganze Menge. Sie könnte allenfalls noch eine Kartoffel dazu essen, ohne das Limit für eine Hauptmahlzeit von knapp 500 Kilokalorien zu überschreiten. Gemüse oder ein Salat wären nach offizieller Kalorienberechnung da nicht mehr drin. Es sei denn, sie verzichtet auf eine Zwischenmahlzeit. Am günstigsten sieht die Kalorienbilanz bei Kaufland, Norma und Royal Greenland aus: Da kommt die 200-Gramm-Portion auf weniger als 240 Kilokalorien.

Ernährungsberater gestehen einer Frau mit überwiegend sitzender Tätigkeit rund 1 900 Kilokalorien pro Tag zu, einem Mann etwa 2 400. Rund ein Viertel davon entfällt auf eine Hauptmahlzeit. Ein durchschnittlicher Mann könnte dabei also rund 600 Kilokalorien verfuttern, eine Frau knapp 500. Wir haben bei der Berechnung den niedrigeren weiblichen Kalorienbedarf zugrunde gelegt. Männer bräuchten ohnehin oft mehr als ein halbes Schlemmerfilet, um satt zu werden.

Auch Omega-3-Fettsäuren dabei

Mehr Fett heißt im günstigen Fall mehr Omega-3-Fettsäuren, die das Blut besser fließen lassen. Die tägliche Mindestmenge hat man mit einer 200-Gramm-Portion erreicht bei Bofrost, Edeka, Eismann, Gut und Billig, Lidl, Penny, Rewe, Royal Greenland. Ausgerechnet im Norma-Schlemmerfilet, das als Einziges mit Omega-3-­Fettsäuren wirbt, fanden wir nur einen kleinen Bruchteil der Mindestmenge. Die Fettsäuren kommen übrigens bei den Filets kaum aus dem Fisch, der mit bis etwa drei Prozent Fett sehr fettarm ist, sondern vor allem aus dem Öl in der Auflage.

Zu Kaisers Zeiten sollten Reichsfischwochen den Deutschen Hering und Seelachs näher bringen. Heutzutage liegen wir mit rund 14,5 Kilogramm Fisch pro Person und Jahr ganz gut. Das entspricht rund 300 Gramm pro Woche, also etwa zwei kleineren Fischportionen.

Zweimal pro Woche Fisch auf den Tisch – dazu raten auch Ernährungsexperten. Vor allem Seefisch soll es sein, weil er besonders viel für die Schilddrüse wichtiges Jod und zudem Selen enthält. Und Seefisch besteht zu 15 bis 20 Prozent aus sehr hochwertigem Eiweiß mit wichtigen Aminosäuren. Außerdem: Fisch ist meist fett- und kalorienarm. Wobei fetter Fisch wie Lachs, Hering oder Makrele mit besonders viel Omega-3-­Fettsäuren sogar noch gesünder ist.

Überfischung und Fischnachwuchs

Zweimal pro Woche Fisch auf den Tisch – das ist vielen zu viel, die um die Fischbe­stände fürchten. Die Sorgen sind berechtigt und die Diskussionen über den Zustand der Meere äußerst kontrovers. Vielfach gehen nur noch kleine Fische ins Netz, weil die großen längst weggefangen sind. Und oft müssen ganze Fanggebiete stillgelegt werden.

Trotzdem können wir Fisch essen, sagen die Experten. Ihnen geht es um gezieltes Fangen mit Quoten, die dem Nachwuchs eine Chance geben. Überfischung bedeute nicht, dass die Fischbestände ausgerottet sind, sondern bedroht, wenn man sie nicht für einige Zeit in Ruhe lässt.

Die Fischarten im Test

Auf den Packungen ist meist „Weißfisch“ angegeben. Kleiner gedruckt findet man dann mehrere mögliche Arten wie Alaska-Seelachs, Seelachs, Seehecht, Südlicher Blauer Wittling, die je nach Fangsaison verwendet werden können. Welcher Fisch tatsächlich in der Schachtel steckt, ist an einem Kürzel beispielsweise hinter dem Mindesthaltbarkeitsdatum zu erkennen. Die Fischarten waren immer richtig angegeben – wir haben das mit DNA-Untersuchungen überprüft. Im Test war es meist Alaska-Seelachs.

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