Schlankheitsmittel Test

Schlankheitsmittel sollen gewichtige Probleme lösen: Von Körperfett befreien und das Idealgewicht konservieren. Nur wenige Mittel sind als Starthilfen nützlich, die meisten nicht wirksam, aber teuer.

Menschen, Moden und Moneten: Jedes Jahr investieren Abspeckwillige Millionen von Euro in Schlankheitspillen und Sensationsdiäten. Der Gesundheit wegen oder weil sie mit ein wenig Körperstyling einfach besser aussehen möchten. Für beides gibt es gute Argumente. Übergewicht ist ein bedeutender Risikofaktor für schwere Erkrankungen. Schlankheit, eine sportliche Figur wird gesellschaftlich anerkannt. Fast alles scheint möglich und an Vorbildern mangelt es nicht. Die jüngste Erfolgsstory berichtet von einer 157 Zentimeter großen, 54 Jahre alten Italienerin, die 122 Kilo abnahm und heute, nicht wiederzu­erkennen, mit 68 Kilo durchs Leben geht – vor allem dank eines strikten Diätfahrplans, den sie über viele Jahre hinweg durchhielt. Immerhin: Die geliebte Pasta stand die ganze Zeit auf dem Speisezettel. Auch der erschlankte Couturier Karl Lagerfeld macht Hoffnung – sogar viel Jüngeren. „Steffi“ schreibt in einem Diskussionsforum im Internet: „Ich bin 15 Jahre alt, 1,68 m groß und wiege cirka 80 Kilo. Aber nicht mehr lange, da ich zurzeit wöchentlich 2 Kilo abnehme, und zwar nach dem Prinzip von Karl Lagerfeld. Einfach nur noch Obst, Gemüse und Fisch oder Geflügel. Es funktioniert.“ Und: „Man kann doch keine fettigen Hamburger essen, dann drei Pillen schlucken und dabei auch noch abnehmen.“ Genau das versprechen aber diverse Wunderpillen täglich neu.

Futter für die Hoffnung

Strobby mit dem Inhaltsstoff D-Glukosamin „aus dem Meer“, 60 Tabletten für 34,09 Euro, ist ein viel gefragtes Modemittel auf dem Markt der Abspeckpillen. Es enthält Chitosan, einen Stoff aus Schalen von Meerestieren, der angeblich das bis zu Achtfache des Eigengewichts an Fett binden und es der Verdauung entziehen soll. Konkret: Extrakte aus Krebsen und Krabben in Pillenform gepresst, als Schlankheitsmittel angeboten, denn „Meerestiere werden niemals dick“, so die Werbung.

Nur eins ist sicher: Ein Kilo Gewichtsverlust würde bei Strobby nach einer Berechnung der Verbraucherzentrale Hessen nach der empfohlenen Einnahmemenge mehr als 100 Euro kosten. Als Fettblocker sollen auch Mittel wie Liposorb L 112 oder Formline L 112 funktionieren, ebenfalls im Internet als Schlankheitsmittel erhältlich.

Mit dicken Versprechen nähren Hersteller vielfach die Hoffnung, dass wir überflüssige Pfunde rasch und ohne Mühen loswerden können. Das umfängliche Angebot an Schlankheitspillen, die Vielfalt der Konzepte und Wirkprinzipien müssten misstrauisch machen. Denn sie zeigen, dass es fürs Abspecken keinen Königsweg gibt. Sogar Geruchspflaster oder Schlankheitsparfum locken im Internet Kaufinteressenten an. Hinweise auf eine appetithemmende Wirkung von Vanilleduft sind in der Wissenschaft zwar vorhanden, doch ob man mit Vanille abnehmen kann, steht auf einem anderen Blatt. Hier eine Übersicht, was von Schlankheitspillen zu erwarten ist:

Appetitzügler

Appetitzügler sollen im Gehirn das Hungergefühl dämpfen. Diesem Prinzip ist nach bisheriger Erfahrung nur wenig Erfolg beschieden, wenn es um längere Zeitabschnitte geht. Kurzfristig können sie das Hungergefühl vertreiben. Dieser Effekt wird jedoch zum Teil mit erheblichen Risiken erkauft: Arzneimittel mit den Inhaltsstoffen Nor­pseudoephedrin und Fenfluramin sind inzwischen vom Markt genommen worden, hierzulande verboten. Der Grund: Sie haben zu viele Nebenwirkungen, so Lungenhochdruck, Herzrasen, Abhängigkeit. In zwei über das Internet vertriebenen Schlankheitsmitteln aus China (Chaso + Chaso Genpi) ist Fenfluramin gefunden worden. Die US-Arzneimittelbehörde (FDA) warnt.

Kritische Präparate werden allerdings noch immer angeboten, wenngleich unter Rezeptpflicht: So Boxogetten S mit Phenylpropanolamin. Das Produkt Ephedrin + Phenolphthalein (Vencipon N; ohne Rezept) kombiniert den Appetitzügler Ephedrin mit dem Abführmittel Phenol­phtha­lein. Es vereint die Risiken des Appetitzüglers mit denen eines veralteten Abführmittels. Vor einer Langzeitanwendung oder Überdosierung muss gewarnt werden. Zur Gewichtsabnahme ist es wenig geeignet. Nicht einmal ausreichend nachge­wiesen ist, dass sich Übergewicht durch den Einsatz von Ephedrin nennenswert verringert. Gut belegt sind dagegen die zahlreichen schwerwiegenden unerwünschten Wirkungen.

Abführmittel

Produkte „zum Schlankwerden“, die außerhalb der Apotheke gekauft werden, enthalten auch häufig Abführmittel. Eine Gewichtsabnahme ist mit ihnen nicht zu erzielen. Mittel, die wie Phenolphthalein wirken, werden häufig missbräuchlich verwendet: Bei längerer Anwendung verliert der Körper viel Wasser und Salze. Das stört den Flüssigkeitshaushalt, leistet einer Verstopfung Vorschub. Phenolphthalein hat erbgutverändernde Eigenschaften. Abführmittel finden sich zudem in Blutreinigungstees. Sennes und Bisacodyl gibt es als Tropfen oder Dragees. Sie werden bei Reduktionsdiäten oft missbräuchlich genommen.

Quellmittel

Kleine Schwämmchen, die im Magen aufquellen und ein Sättigungsgefühl vortäuschen, waren zunächst ein Hit. Doch bald stellten sich erhebliche Risiken heraus. CM3- und Jogun-Kapseln sind jetzt verschreibungspflichtige Medizinprodukte, nachdem es zu Todesfällen durch Darmverschluss gekommen war. Viele hatten bei der Einnahme des Hilfsmittels nicht genügend getrunken. Es gibt nun ein Nachfolgeprodukt: CM 3-Alginat Kapseln, aber auch preiswertere Produkte mit Quellstoffen wie Grapefruit spezial Kapseln. Sie wirken ebenfalls nach dem Prinzip der kalorienfreien Sättigung durch Füllstoffe.

Ein Beispiel dafür ist auch die Kombination Alginsäure + Carmellose im Mittel Recatol Algin: Alginsäure und Carmellose sind komplexe Kohlenhydrate. In chemischer Hinsicht haben sie entfernte Ähnlichkeit mit Stärke. Alginsäure wird aus Braunalgen gewonnen, Carmellose aus Zellulose. Beide quellen im Kontakt mit Wasser auf und vervielfachen ihr Volumen. Man nutzt sie auch als Ballaststoffe, um Verstopfung zu behandeln. Wenn sie im Magen quellen und ihn füllen, verstärkt sich das Gefühl, satt zu sein. Das mag manchen Menschen helfen. Es gibt jedoch kaum Studien, die den Effekt als Schlankmacher belegen.

Tyrosin, Carnitin

„Glücklich und schlank durch Tyrosin“ und Carnitin“, am besten „im Schlaf“? Die beiden körpereigenen Aminosäuren sollen über eine gesteigerte Produktion des Hormons Melatonin im Gehirn bequem zur Traumfigur führen – auch dies eine Theorie, die in der Praxis nicht funktioniert.

Stoffwechsel-aktiv, entwässernd

Zu den riskanten Schlankheitsmitteln zählen jene, die über die Schilddrüse den Grundumsatz steigern sollen – der Körper verbrennt mehr Fett, auch in Ruhe. Der Grundumsatz wird durch Ankurbelung des Schilddrüsenstoffwechsels erhöht. Es gab Todesfälle in Verbindung mit einer Apo­thekenrezeptur, die Appetitzügler, entwässernde Mittel, Schilddrüsenhormone und Antidiabetika enthielt. In Algenpräparaten stecken vielfach nicht standardisierte und nicht deklarierte Jodmengen. Sie sind gefährlich bei bestimmten (gutartigen) Wucherungen, durch eventuelles Auslösen einer (lebensbedrohlichen) Schilddrüsenüber- oder einer Unterfunktion durch zu viel Jod.

Bestandteile wie Birke und Blasentang in Fucus 2000 oder Birke, Bohnenhülsen und Hauhechel in Biofax, Birke, Brennnessel, Koriander, Mate und Wacholder in Bad Heilbrunner FastenTee werden volksmedizinisch eingesetzt, um zu entwässern. Doch diese Wirkung ist für die verwendeten Heilpflanzen nicht ausreichend nachgewiesen. Außerdem ist Entwässern kein sinnvoller Weg, dauerhaft abzunehmen. Wer eine Diät macht, sollte sogar sehr viel trinken, vor allem auch bei Einnahme von Zellstoffschwämmchen.

Formuladiäten

Produkte wie Slim Fast, BioNorm, Almased und viele andere enthalten alles, was der Körper an Nährstoffen benötigt – und das bei wenig Kalorien und Fett: Sie sind sinnvoll für Fastentage zwischendurch oder zum Abspecken. Nachteil: Auf Dauer schmeckts nicht.

Zukunftsmusik: Appetitzügler vom Hai

MSI-1436, eine Substanz in der Leber von Dornhaien, die bei der Suche nach neuen Antibiotika entdeckt wurde, entpuppte sich als Appetitzügler – beim Tier. Große Hoffnungen wurden schon häufig an Wirkstoffe geknüpft. Ob sich die neue Substanz wirklich für Menschen eignet, müssen nun erst klinische Studien zeigen. Sie beginnen in diesem Jahr. Also abwarten.

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