Wenig Fett hieß lange die Parole fürs Abnehmen. Jetzt sind Glyx-Diäten populär. Was ist dran?

Kartoffeln, Karotten, Cornflakes gelten als gesund. Doch für Glyx-Anhänger sind sie ganz einfach Dickmacher. Sie haben nämlich einen besonders hohen glykämischen Index (GI), kurz Glyx genannt. Der Begriff aus der Diabetikersprache ist die Maßzahl dafür, wie schnell Kohlenhydrate aus einem Lebensmittel im Körper in einfache Zucker umgewandelt werden.

Viel Zucker macht krank

Je höher der Glyx, desto merklicher steigt der Zuckerspiegel im Blut an – und desto mehr Insulin muss die Bauchspeicheldrüse produzieren, um den Zuckerwert wieder zu normalisieren.

Ein häufiges Überangebot an Insulin fördert Heißhungerattacken, begünstigt die Bildung von Speckpolstern und verhindert dann auch noch deren Abbau. Irgendwann reagiert der Körper nicht mehr auf das Hormon (Insulinresistenz) und der Stoffwechsel gerät völlig aus dem Gleichgewicht. Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Übergewicht, sogar Fettsucht, sind die Folge. Da immer mehr Menschen, nicht nur Diabetiker, davon betroffen sind, werden die lange als Schlankmacher gefeierten Kohlenhydrate jetzt von Ernährungsmedizinern kritisch unter die Lupe genommen. Und Schlankheitskonzepte, die auf einem niedrigen Glyx basieren, liegen voll im Trend. Statt nur die Fettaugen im Essen zu zählen, sollen nun auch die Kohlenhydrate beachtet werden.

Die richtigen Kohlenhydrate

Nicht der genaue Glyx-Wert jedes einzelnen Lebensmittels ist wichtig, aber die Richtung muss stimmen.

  • Meiden Sie weitgehend süß schmeckende, so genannte einfache Kohlenhydrate in Puddings, Limos, Colas, Saftgetränken. Gesund sind sie meist ohnehin nicht. Außerdem Backwaren aus Weißmehl und Maisprodukte. Diese Lebensmittel haben einen hohen Glyx und fordern eine hohe Insulinausschüttung mit all ihren Nachteilen heraus, wie zum Beispiel häufige Hungergefühle. Oft enthalten sie auch viele Kalorien, aber nur wenig Nährstoffe.
  • Lebensmittel, die nicht süß schmecken, weniger einfache Zucker als vielmehr Stärke und dazu viele Ballaststoffe enthalten, haben meist einen niedrigen Glyx. Ballaststoffreiches Vollkornbrot – und überhaupt alle Produkte aus vollem Korn lassen den Blutzucker weit weniger hoch ansteigen als Weißbrot oder normale Nudeln. Und sie enthalten auch mehr Vitamine und Mineralstoffe.
  • Auch Gemüse und Früchte haben, mit wenigen Ausnahmen, einen eher niedrigen Glyx, außerdem meist wenige Kalorien, aber viele Nährstoffe. Ebenso Hülsenfrüchte. Sie machen zudem lange satt und sind ideal für die Schlankheitskost.

Ein Glyx-Wert liefert immer nur Anhaltspunkte, denn eine komplette Mahlzeit ist damit ja nicht erfasst. Als Richtlinie taugt der Glyx aber allemal. Zumal er bestätigt, was seit jeher empfohlen wird: viel Gemüse, dazu etwas Obst, Süßes aber nur sehr maßvoll. Moderate Glyx-Diäten sind deshalb zum Abnehmen günstig. Keinesfalls aber eine rigide Kohlenhydrat-Beschränkung. Denn dann leidet – ganz unabhängig vom Glyx – die Psyche: Kohlenhydrate machen nämlich gute Laune.

Dieser Artikel ist hilfreich. 1258 Nutzer finden das hilfreich.