Interview: Die meisten Produkte sind wirkungslos

Wie beurteilen Sie die Schlank­heitsprodukte, die in den Apotheken verkauft wur­den?

Sie sind langfristig durchweg wirkungslos und damit fürs Abnehmen nicht geeignet. Eine gewisse Ausnahme machen nur Formuladiäten. Allerdings steigt das Gewicht nach einer reinen Formuladiät erfahrungsgemäß rasch wieder an. Und solche Diäten können ernsthafte Nebenwirkungen haben, besonders bei Personen mit akuten oder chroni­schen Erkrankungen. Eine ärztliche Betreuung ist unverzichtbar. Erfolgreicher wäre es, Formulaprodukte als Ersatz von ein bis zwei Hauptmahlzeiten bei ansonsten ausgewogener Ernährung zu verwenden. Auch dieses Konzept braucht aber langfristige fachkundige Betreuung.

Wenn solche Mittel nicht viel nützen, sind sie dann wenigstens unschädlich?

Die meisten ja. Aber bei Formuladiäten zum Beispiel kommt es relativ oft zu Kreislaufstörungen wegen des Blutdruckabfalls. Abführmittel, die auch gern zur Gewichtssenkung eingesetzt werden, können zu Störungen des Mineralstoffhaushalts führen. Manche Präparate enthalten reichlich Jod. Dieser Mineralstoff kann bei bestimmten Schilddrüsenerkrankungen eine gefährliche Überfunktion auslösen. Nach der Einnahme von Algenpräparaten wurden vereinzelt le­bens­gefährliche Allergien be­schrie­ben.

Was kann eine Ernährungsberatung in einer Apotheke überhaupt leisten?

Wenn Ernährungsfachkräfte dort produktunabhängig und nach den üblichen Beratungsstandards beraten, ist dagegen nichts einzuwenden. Aber der Apotheker will ja Produkte verkaufen. Angesichts der Wirkungslosigkeit der meisten Schlankheitsprodukte ist das ganz deutlich ein Interessenkonflikt.

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