Wer gezielt abnehmen will, sollte sich ordentlich beraten lassen. Apotheken sind da prinzipiell die richtige Adresse - aber auch nur prinzipiell. Im Praxistest wurden die Tester der Stiftung Warentest schlecht beraten: Jede dritte Apotheke bekam ein „mangelhaft“ - nur eine die Note „gut“. Häufig verkaufen Apotheker Schlankheitsmittel, ohne auf die individuellen Voraussetzungen der Kunden einzugehen. Besonders fatal: Der Verkauf von Schlankheitsmitteln, die aufgrund von Krankheiten der Kunden gesundheitsbedenklich sein können. Im Test: 19 Apotheken in fünf deutschen Großstädten, die ausdrücklich Ernährungsberatung anbieten.

Zu diesem Thema bietet test.de einen aktuelleren Test: Apotheken

Schlankheitsmittel für Schlanke

Wenn Apotheken Dienstleistungen wie Schlankheitsberatung anbieten, sollten diese über das bloße Produktangebot hinausgehen. Deswegen weisen solche Apotheken ausdrücklich daraufhin, dass zu ihrer Dienstleistung Gespräche mit Kunden gehören. Das Problem ist, sieben der 19 getesteten Apotheken beraten „mangelhaft“. Das Interesse scheint in erster Linie darauf zu liegen, Schlankheitsmittel zu verkaufen. Unglaublich dreist war die Pelikan-Apotheke in Stuttgart: Dort empfahl der Apotheker einer normalgewichtigen Testerin gleich sieben Produkte. Positive Ausnahmen bei den Produktempfehlungen: Am Luitpoldpark in München und Barer in München, Pfeil in Hamburg und Talkrabb in Stuttgart. Diese Apotheken informierten und verkauften nicht gleich Schlankheitsmittel. Sie bekamen deshalb ein „sehr gut“ im Prüfpunkt „Produktempfehlungen“.

Wenige fragen nach Gesundheit und Ernährung

Noch ärgerlicher sind die schlechten Noten für die so genannte Anamnese, also Fragen zum Gesundheitszustand und zur Ernährung. Erst dadurch erhält der Apotheker notwendige Informationen, um Kunden qualifiziert beraten zu können. Auch hier sind acht Apotheken „mangelhaft“. Fragen nach Krankheiten und Medikamenteneinnahmen waren in mindestens jedem fünften Fall Fehlanzeige. Beispiel Diabetiker: Nimmt er ein paar Kilo ab, kann das den Stoffwechsel beeinflussen. Folge: Die Medikation stimmt nicht mehr. Die Stuttgarter Kur-Apotheke wies noch nicht einmal auf Nachfrage daraufhin, dass Diabetiker das Produkt Almased nur nach Rücksprache mit dem Arzt einnehmen dürfen. Die Mitarbeiter der Internationalen Apotheke in Stuttgart verhielten sich ähnlich fahrlässig. Sie sagten zu Risiken und Nebenwirkungen von CM3 Alginat, Matricur und Formoline L112 viel zu wenig.

„Gut“ in 20 Minuten

Die Unterschiede bei den Produktempfehlungen und den Fragen zu Gesundheitszustand und zur Ernährung drücken sich auch in der Dauer der Beratung aus. Die Apotheke mit der schlechtesten Schlankheitsberatung, Georg Hirth in München, nahm sich auch nur zwei Minuten Zeit. Die St. Pauli-Apotheke hat dagegen bis zu eineinviertel Stunden beraten - allerdings mit fragwürdigen Ernährungstipps: Reichlich Ingwerwasser trinken und nach 15 Uhr nichts essen. „Gut“ und zügig informierte der Testsieger, die Barer-Apotheke in München, innerhalb von zwanzig Minuten. Genauso uneinheitlich wie die Dauer der Gespräche sind auch die Kosten: Manche Apotheken berieten mal kostenlos, mal verlangten sie zwischen fünf und 35 Euro.

Komplett + Interaktiv: Test Schlankheitsberatung aus der Zeitschrift test

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