Schlafapnoe-Therapiegeräte Test

Mit Nasenmaske zu schlafen, ist gewöhnungsbedürftig, hilft bei nächtlichen Atemaussetzern aber rasch. Bei dem, was verordnet wird, haben Patienten zurzeit aber wenig Durchblick.

Heinz. B. aus Nordkirchen im Münsterland geht seit fast sieben Jahren mit Atemmaske ins Bett: „Ich steige wie ein Pilot in mei­ne MIG“. Aber dank der Maske erlebt er wieder einen tiefen, ungestörten Schlaf. Er fühlt sich ausgeruht und leistungsfähig. Der 65-Jährige gerät nicht mehr so rasch außer Atem, hat keine Müdigkeitsattacken mehr erlebt – und keinen Sekundenschlaf auf der Autobahn: „Meine Frau stieß mich an, als mir bei 150 Sachen die Augen zugefallen waren.“ Sein Fazit: „Es ist eine Wohltat.“

Sterben in kleinen Raten

Schlafapnoe-Therapiegeräte Test

Bei der nCPAP-Schlafapnoe-Therapie wird der Luftdruck im Rachen so weit gesteigert, dass ein Zurückfallen der Zunge und ein Kollaps der Atemwege vermieden wird – die „Luftschienung“ des weichen Gaumens. Es gibt keine Alternative: Eine un­behandelte Schlafapnoe kann Patienten viele Lebensjahre kosten.

Viele Auto-, Bus- oder Truckerfahrer kennen und fürchten den Sekundenschlaf, der ihnen für den Moment eines Lidschlags das Bewusstsein raubt. Nach einer Studie des Gesamtverbands der deutschen Versicherungswirtschaft wird etwa jeder vierte tödliche Unfall in Deutschland auf den Sekundenschlaf zurückge­führt. Autofirmen planen, das Risiko mithilfe eines im Fahrzeug installierten „Aufmerksamkeitsassistenten“ zu mindern. Das mag in vielen Fällen hilfreich sein, aber bei Menschen, die wie Heinz B. an Schlafapnoe leiden, kuriert es am Symptom, nicht an der Wurzel des Problems. Als Schlafapnoe wird ein zeitweiliger und immer wiederkehrender Atemstillstand im Schlaf bezeichnet. Etwa zwei Prozent der Frauen und vier Prozent der Männer in Deutschland sind von „schlafbezogenen Atemstörungen“ so stark betroffen, dass sie behandelt werden müssen. Nachts, wenn der Atem zu häufig und zu lange aussetzt, stirbt der Körper in kleinen Raten. Dem Blut fehlt Sauerstoff. Das Risiko von Herzin­farkt und Schlaganfall steigt stark an.

Die Maske hilft

Schlafapnoe-Therapiegeräte Test

Ob eine Maske leicht anzulegen ist und über Nacht komfortabel und fest sitzt, muss im Schlaflabor ausprobiert werden. Es gibt die unterschiedlichsten Konstruktionen und verschiedene Materialien.

Mit einer unbehandelten Schlafapnoe darf kein Berufskraftfahrer ein Fahrzeug führen. Betroffene Trucker brauchen aber keine Angst vor einer Entdeckung zu haben. Im Gegenteil. Sie können für den Berufsalltag wieder fit gemacht werden – mithilfe von Überdruckgeräten. Über Schlauch und Atemmaske führen sie dem Schlafenden durch die Nase Raumluft zu. Schnappatmung, Atem­aussetzer kommen nicht mehr vor. Fernfahrer nutzen deshalb mobile Geräte. Wer nachts einen Partner an der Seite hat, muss sich freilich umorganisieren. Die Geräte ermöglichen zwar eine ruhige, aber keine stille Nacht: Wegen ihres Betriebsge­räuschs brummen sie etwas, die Luft säuselt. Ist die Nasenmaske nicht dicht, zischt es – exzessives Schnarchen nervt aber ungleich mehr.

45 000 Geräte pro Jahr verordnet

Pro Jahr werden etwa 45 000 Geräte verkauft und verordnet. Sie kosten zwischen 1 500 und 5 000 Euro, Masken 125 bis 300 Euro und mehr. Die Kosten der Therapie übernehmen die Kassen mit verschiedenen Abschlägen. Nach der Sauerstofflangzeittherapie beansprucht die Schlafapnoe das größte Ausgabenvolumen der gesetzlichen Krankenversicherung bei therapeutischen Hilfsmitteln. Die Therapie wird heute schon von Hunderttausenden in Europa und in den USA praktiziert und akzeptiert.

Zunächst fällt es Patienten schwer, mit Nasenmaske ins Bett zu gehen und mit einem Atemtherapiegerät verbunden zu sein. Eine häufige Frage an den Arzt ist, ob man bei Handhabungsfehlern unter der Maske sterben könne – nein, wenn keine ausgeatmete Luft (Kohlendioxid) eingeat­met wird. Die Geräte werden dann in der Regel schnell akzeptiert, denn die positiven Auswirkungen sind relativ rasch deutlich zu spüren.

Lebenslange Therapie

Der Arzt verschreibt die lebenslange Therapie, die Kassen bezahlen sie, Gerät und Maske werden im Schlaflabor angepasst. In Ordnung ist deshalb aber nicht alles: Patienten klagen oft über Probleme durch Undichtigkeiten, Druckstellen, kompliziertes Einstellen und Anlegen, schlecht zu reinigendes Material, über das Betriebsgeräusch (Grenzwert für Geräte im Hilfsmittelverzeichnis sind 30 Dezibel, etwa der Lautstärkepegel einer Unterhaltung). Nicht alle Produkte sind im Hilfsmittelverzeichnis der Spitzenverbände der gesetzlichen Krankenversicherungen gelistet, die durch Prüfungen immerhin eine Mindestqualität und -sicherheit garantieren.

Risiken durch CO2-Rückatmung

Gefährlich: Eine falsche Anpassung, nicht zugelassenes, ungeeignetes Zubehör kann eine Kohlendioxid-Rückatmung zur Folge haben. Die US-Aufsichtsbehörde FDA hatte deshalb jüngst eine Rückrufaktion für eine Maske gestartet. Die Geräte sollten über akustische Stromausfall- und Störungsalarme verfügen.

Ein Ärgernis ist die Qualität vieler Anleitungen. Zu wichtigen Punkten schweigen sich Hersteller aus, so oft zur Reini­gung der Atemmasken, was zum Einsatz ätzender Desinfektionsmittel führen kön­nte. Zwar sind Geräte leiser geworden, aber Probleme mit Maskenlecks gibt es noch.

Geräte, die Atemluft durch Abwärme der Turbine und Elektronik um bis zu 10 Grad Celsius aufheizen, sind nicht brauch­bar. Als Grenzwert sollten laut Zulassungsverfahren zum Hilfsmittelverzeichnis 3 Grad Celsius angenommen werden. Bei preisgünstigeren, kompakten Modellen sind die Luftwege oft nicht sauber von Elektronik und Umgebung abgeschirmt. Folge: Druckschwankungen, stark erwärmte, belastete Atemluft.

Damit Ärzte und Patienten sich für das richtige Gerät entscheiden können, sind verlässliche Herstellerangaben wichtig. Die des Hilfsmittelverzeichnisses reichen noch nicht aus.

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