Fast jeder dritte Erwachsene leidet unter Schlafstörungen. Frauen häufiger als Männer, ältere Menschen häufiger als junge. Medikamente können Schlafprobleme kurzfristig lösen. Die Stiftung Warentest hat 76 Schlafmittel bewertet und sagt, welche Mittel am besten helfen. Vorsicht ist immer angesagt: Wer regelmäßig Pillen schluckt, kann abhängig werden. test.de zeigt Alternativen.

Zu diesem Thema bietet test.de einen aktuelleren Test: Schlafmittel

Pillen sind keine Lösung

Sechs bis acht Stunden sollten Erwachsene regelmäßig schlafen. Kinder brauchen mehr Schlaf: bis zu 14 Stunden täglich. Alte Menschen kommen mit fünf bis sechs Stunden aus. Zuviel Schlaf macht schlapp, zu wenig auch. Fast jeder dritte Erwachsene leidet unter Schlafstörungen. Langes Wachliegen peinigt. Nicht durchschlafen können, keine Erholung finden - das wird auf Dauer zur Qual. Schlafmittel können helfen. Die Lösung sind sie allerdings nicht: Medikamente helfen bestenfalls beim Einschlafen. Die Ursache der Schlafstörung beseitigen sie nicht.

Ursachen erkennen

Stress, Sorgen, Ärger und Anspannung sind Schlafkiller. Auch Depressionen rauben den Schlaf. Manchmal sind es auch Medikamente oder körperliche Beschwerden, die uns nicht schlafen lassen. Eine schlaflose Nacht allein ist noch kein Problem. Wird das wach liegen aber zur Regel, sollte nach Ursachen geforscht werden. Gehen Sie zum Arzt. Beachten Sie die Tipps. Drei Anzeichen sind typisch für ernsthafte Schlafstörungen:
1. Einschlafen fällt schwer. Häufiges Aufwachen. Schlaf ist nicht erholsam.
2. Schlaf ist mehrmals pro Woche gestört. Störungen kehren immer wieder.
3. Der Betroffene ist tagsüber beeinträchtigt, müde oder schlapp.

Mit Baldrian beginnen

Wer seinen Schlaf mit Medikamenten „anschieben“ will, sollte zunächst pflanzliche Mittel probieren. Die beruhigende Wirkung des Baldrians ist seit langem bekannt. Allerdings muss er ausreichend dosiert werden: etwa 600 mg Baldrianauszug pro Tag. Viele Pillen enthalten deutlich weniger. Die schlaffördernde Wirkung setzt erst nach zwei bis vier Wochen ein. Pflanzliche Schlafmittel müssen deshalb über längere Zeit eingenommen werden. Für die meisten anderen Schlafmittel gilt das Gegenteil: Nur kurzfristig nehmen, die Pillen können abhängig machen.

Ohne Rezept

Auch Antihistaminika gibt es ohne Rezept. Sie wirken schnell und eignen sich immer dann, wenn pflanzliche Mittel nicht helfen. Die Stiftung Warentest empfiehlt die Wirkstoffe Doxylaminsuccinat und Diphenhydramin-Hydrochlorid. Gut geeignet auf Reisen oder bei akutem Stress. Antihistaminika sollten aber nur für zwei bis drei Tage eingenommen werden. Die Mittel wirken sonst nicht mehr. Außer, die Dosis wird erhöht: Das kann wieder müde machen – auch am Tag.

Schlaf auf Rezept

Die wirksamsten Schlafmittel gibt es nur auf Rezept. Geeignet sind Benzodiazepine, die mittellang wirken. Auch benzodiazepin-ähnliche Wirkstoffe wie Zolpidem und Zopiclon fördern den Schlaf. Nachteil: Die Schlafmittel machen abhängig. Sie sollten nur für kurze Zeit eingenommen werden. Ärzte verschreiben sie oft zu lange. Schon nach sieben bis vierzehn Tagen kann der Körper abhängig werden. Die Folge: Kein Schlaf mehr ohne Pille. Ist der Körper an Schlafmittel gewöhnt, müssen die Pillen langsam abgesetzt werden. Unter ärztlicher Anleitung wird die Dosis Woche für Woche halbiert.

Wenig geeignet

Von lang wirkenden Benzodiazepinen raten die Experten dagegen ab. Wirkstoffe wie Nitrazepam, Flunitrazepam und Flurazepam wirken bis zu 100 Stunden. Mögliche Folgen: Tagesmüdigkeit, Schwindel, Verwirrtheit, unsicherer Gang oder sogar Stürze. Wenig geeignet sind auch pflanzliche Kombipräparate aus Baldrian und Melisse oder Baldrian und Johanniskraut. Der therapeutische Nutzen dieser Kombinationen ist nicht ausreichend belegt. Alle Medikamente im Detail und weitere Informationen unter Komplett + Interaktiv.

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