Schimmelpilze im Haus Meldung

Schön aber gefährlich: Schimmelpilze. Hier unter dem Mikroskop ein Exemplar der Gattung Aspergillus.

In immer mehr Wohnungen verbreiten sich Schimmelpilze und bedrohen die Gesundheit der Bewohner. Je mehr Feuchtigkeit im Haus, desto größer das Risiko. Wir sagen, wie Sie sich schützen können.

Die ersten hässlichen Schimmelflecken an der Wand entdeckte Familie G. bereits beim Einzug in die neue Wohnung vor zwei Jahren. Der darauf angesprochene Hausbesitzer kratzte die Beläge einfach ab und beruhigte: Die Wohnung sei in Ordnung, der Vormieter habe nur schlecht gelüftet. Familie G. glaubte ihm und zog ein. Doch schon im ersten Winter kamen die Schimmelpilze im Schlafzimmer erneut zum Vorschein – trotz Heizen und Lüften. Als sich auch noch muffiger Schimmelgeruch bemerkbar machte, hatte Heinz G. die Nase voll. Die test-Analyse bestätigte seinen Schimmelverdacht. Ein Bausachverstän­diger entdeckte als Ursache die schlecht gedämmte Außenwand auf der Nordseite des Hauses aus den 60er Jahren, gefährliche Wärmebrücken, spürbare Kälte auf der Innenseite (zum Beispiel in den Ecken und an Fensterlaibungen), hohe Feuchtigkeit, Schimmel.

Erfahrungen wie die von Familie G. sind keine Seltenheit. Unter Millionen deutschen Dächern machen sich Schimmelpilze als unerwünschte Untermieter breit. Das genaue Ausmaß dieser Invasion kennt zwar niemand. Aber die Experten der Gesundheitsämter schlagen immer öfter Alarm. Beim Umweltbundesamt häufen sich die Anfragen. Und auch die große Nachfrage nach Informationen der Stiftung Warentest zu diesem Thema deutet auf ein häufiges Phänomen hin.

Viele Betroffene sind sehr daran interessiert, mehr über die verdächtigen Flecken in ihrem Haus zu erfahren. Treiben da tatsächlich Schimmelpilze ihr Unwesen? Sind sie gefährlich? Und was lässt sich dagegen unternehmen?

Besorgten Verbrauchern, die sich einen Überblick über mögliche Probleme verschaffen möchten, haben wir in der Vergangenheit die test-Analyse Schimmelpilze angeboten. (Der Service wurde eingestellt.)

Penicillium am weitesten verbreitet

Schimmelpilze im Haus Meldung

Die Untersuchungsergebnisse von 1603 Abklatschmessungen in Privathaushalten haben wir jetzt ausgewertet:

  • Verdacht bestätigt: In mehr als 80 Prozent der Proben fanden sich erhöhte Schimmelpilzgehalte. Bei den übrigen waren ebenfalls oft Pilze nachweisbar, aber in geringerer Zahl. Hier muss die Ursache nicht unbedingt ein Bewuchs des Untergrunds sein. Es kann sich auch um herbeigewehte „Anflugsporen“ handeln.
  • Oben auf der Fahndungsliste: Am weitesten verbreitet in den Wohnungen sind Schimmelpilze der Gattung Penicillium. Sie fanden sich in fast 60 Prozent der belasteten Proben - oft gemeinsam mit anderen Pilzen. Ebenfalls ganz oben auf der Fahndungsliste: die Pilzgattungen Cladosporium, Aspergillus und Acremonium.
  • Tatort kalte Wand: Schimmelpilze vermehren sich besonders gern auf kalten Wänden und Decken, an denen sich die Luftfeuchtigkeit niederschlägt. Dort fallen sie auch besonders ins Auge. Kein Wunder, dass die Schimmelproben ganz überwiegend von solchen Wänden stammen – sowohl von verputzten Oberflächen als auch von Tapeten.
  • Gefahr im Schlafzimmer: Die Frage, aus welchen Räumen die belasteten Proben stammen, können wir klar beantworten. Es sind vor allem die Schlafzimmer.

Dass ausgerechnet die Schlafräume ganz oben auf der Liste der gefährdeten Orte stehen, lässt sich leicht erklären. Zum  einen nehmen Betroffene einen Schimmelverdacht in diesem sensiblen Bereich besonders ernst und senden uns solche Proben relativ häufig zu. Andererseits gibt es auch sehr handfeste Indizien für die besondere Gefährdung dieser Räume: Schlafzimmer liegen oft auf der (kühlen) Nordseite der Gebäude. Viele Menschen schlafen gern kalt, drosseln die Heizung und lüften selten.

Dem Täter auf der Spur

Schimmelpilze im Haus Meldung

Schimmel in einer feuchten und kalten (schlecht gedämmten) Zimmerecke.

Pro Nacht schwitzt und atmet ein Mensch oft viele Hundert Milliliter Wasser aus. Hinzu kommt Wasser aus anderen Quellen: Topfpflanzen, trocknende Wäsche oder gar ein Raumluftbefeuchter. Fatale Auswirkungen hat auch der Versuch, das Schlafzimmer indirekt beheizen zu wollen: durch die Methode „Tür offen lassen“. Dann strömt feuchtwarme Luft aus allen Teilen der Wohnung in das Zimmer, das Wasser kondensiert an den kalten Wänden – ähnlich wie an einer Flasche, die man aus dem Kühlschrank holt. Paradiesische Zustände für Schimmelpilze.

In einzelnen Fällen besiedeln die Schimmelpilze sogar die Matratzen. Hersteller warnen davor, dass bei mangelnder Lüftung „Stockflecken“ drohen.

Mit Schimmel ist nicht zu spaßen

Mediziner sind sich einig, dass mit Schimmelbefall im Haus nicht zu spaßen ist. Problematisch sind die Pilzwucherungen selbst (Myzel), ihre Sporen sowie die Stoffwechselprodukte, die zum Teil als muffiger Geruch wahrnehmbar sind. Schimmelpilze lassen sich für allergische Reaktionen verantwortlich machen. Besonders gefährdet sind Menschen mit geschwächtem Immunsystem. Die von uns häufig entdeckten Aspergillen können Infektionen der Atemwege verursachen. Pilze können auch vielfältige Giftstoffe (Toxine) bilden. So steht Aspergillus versicolor unter Verdacht, Krebs erzeugende Substanzen zu produzieren.

Wer Schimmelpilze in seiner Wohnung entdeckt, sollte unverzüglich dagegen vorgehen. Vor allem müssen dabei die Ursachen bekämpft werden.

Auch Heinz G. hat seinen Vermieter aufgefordert, die Baumängel zu beseitigen. Als der sich uneinsichtig zeigte, wollte Heinz G. die Gesundheit seiner Familie nicht aufs Spiel setzen. Er hat jetzt eine Eigentumswohnung gekauft.

Dieser Artikel ist hilfreich. 1445 Nutzer finden das hilfreich.