Schiffsbeteiligungen Meldung

Schiffsbeteiligungen. Viele Schiffsfonds stehen am Rande der Pleite. Um sie zu retten, sollen Anleger Geld nach­schießen. Doch dabei können sie Schiffbruch erleiden.

Schwere Entscheidungen müssen viele Anleger treffen, deren Geld in Schiffsbeteiligungen über die Meere reist. Hunderte von Schiffsfonds sind wirtschaftlich in Seenot geraten. Weil Insolvenz droht, sollen Anleger „Ausschüttungen“ zurückzahlen oder Kapital nachschießen. Viele fühlen sich getäuscht und unter Druck gesetzt.

Erika und Uwe Laible*, beide Mitte siebzig, sind verzweifelt. Das Ehepaar hatte sich kurz vor der Rente am Containerschiff „Cape Campbell“ vom Fondsanbieter Dr. Peters beteiligt. Aus heiterem Himmel wurde ihnen im Jahr 2009 mitgeteilt, die erhaltenen Ausschüttungen seien nur „Darlehen“ gewesen. Sie müssten diese zur Rettung des Fonds teilweise zurückgeben. Knapp 13 000 Euro sollen die Laibles aufbringen, weil dem Fonds sonst die Insolvenz drohe.

Für die Laibles ist die Zahlungsaufforderung eine finanzielle Katastrophe. Sie hatten den Fonds 1996 bei der Raiffeisenbank Aschaffenburg gekauft, um fürs Alter ­vorzusorgen. Finanziert wurde die damals 100 000-DM-Beteiligung fast ganz auf ­Kredit. Als Sicherheit erhielt die Bank eine Grundschuld auf das Einfamilienhaus des Ehepaares. „Von Risiken war keine Rede. Hätten wir geahnt, was da auf uns zukommt, ­hätten wir das nie gemacht“, sagt Uwe ­Laible. Er hofft jetzt auf die Hilfe von Rechtsanwalt Patrick Zagni aus Stuttgart. Aus Sicht des Anwalts hätte die Bank die ­riskante Beteiligung niemals auf Kredit ­finanzieren dürfen.

Im Krisenstrudel

Schiffsbeteiligungen Meldung

Außer der „Cape Campbell“ sind hunderte weitere Fonds in den Strudel der Wirtschaftskrise geraten. Auch große Anbieter wie HCI Capital, MPC Capital und Lloyd Fonds kämpfen um ihr Überleben. Das Fondshaus Fafa Capital wurde bereits zahlungsunfähig. In der Branche herrscht Ausnahmezustand.

Zu viele Schiffe und zu wenig Ladung, heißt das Hauptproblem. Überwiegend betroffen sind Containerfrachter, in denen das meiste Anlegergeld steckt. Hier brachen die Einnahmen um bis zu 80 Prozent ein. Weit über 100 Frachter mussten sogar stillgelegt werden, weil sie keine Aufträge bekamen. Andere sind zwar in Fahrt, erwirtschaften aber nicht einmal ihre Betriebskosten.

Das Schiff des Ehepaars Laible, die „Cape Campbell“, sollte laut Prospekt 2009 mehr als 12 600 US-Dollar pro Tag verdienen. Tatsächlich betrug die Charterrate nur magere 4 449 Dollar. Das brachte den Fonds an den Rand der Pleite.

Auch Tanker und Mehrzweckschiffe sind betroffen. Zwar beleben sich die Schifffahrtsmärkte derzeit etwas. Doch niemand kann sicher vorhersagen, wann wieder ein einträgliches Niveau erreicht wird. Ob die Fonds die Einnahmeausfälle aufholen können, ist fraglich.

Dass Notzeiten einen Fonds dauerhaft schwächen können, erlebte Finanztest-­Leserin Beate Behn*, die sich 1998 mit umgerechnet 52 000 Euro am Frachter „Smaragd“ beteiligte. Ihr Fonds musste gleich in den ersten Jahren zweimal mit Neukapital in Höhe von insgesamt 39 Prozent gestützt werden. „Dennoch habe ich in all den Jahren keine einzige Ausschüttung erhalten.“ Behn fürchtet, ihre Einlage teilweise zu verlieren.

Bislang kamen nur rund 30 Prozent der zirka 2 500 Schiffe, die von Fonds betrieben werden, problemlos durch die Krise. Zu ­ihnen gehören Schiffe wie die „Etagas“ der Norddeutschen Vermögen oder die „Conti Lissabon“ vom Fondshaus Conti . Sie fuhren sogar im Krisenjahr 20o9 trotz schwerer See weiter attraktive Ausschüttungen ein.

Schiffsfonds können kentern

Davon können Anleger der Krisenfonds nur träumen. Ein Dutzend Schiffsgesellschaften musste schon Insolvenz anmelden. An die 60 Millionen Euro Anlegergeld wurde dabei versenkt (siehe Kasten Seite 37). Hunderte weitere Fonds brauchen dringend ­finanzielle Hilfe.

Totalverlust erlitten etwa 200 Anleger, die sich vor ein paar Jahren mit insgesamt 9 Millionen Euro an den Containerschiffen „Hannes C“ und „Carl C“ beteiligten. Die Prospekte des Fondsanbieters Embdena aus Emden hatten mit attraktiven Ausschüttungen in Höhe von insgesamt 175 Prozent geworben. Stattdessen fuhren die Frachter in die Insolvenz.

Havarie erlitten 1 900 Kunden des Hamburger Fondshauses HCI Capital. Sie hatten Anteile des Dachfonds HCI Shipping Select XV gekauft. Zu dem gehörte neben weiteren Schiffen auch der Containerfrachter „Mar Catania“, der im vergangenen Jahr mehrere Monate ohne Beschäftigung herumlag. Das Schiff kostete nur, anstatt ­etwas zu verdienen. Schriftlich sollten die Anleger schließlich über einen Kapitalnachschuss in Höhe von insgesamt 3,7 ­Millionen Euro abstimmen und das Geld innerhalb weniger Wochen einzahlen. Als die Mehrheit die Zustimmung verweigerte, musste die Schiffsgesellschaft Insolvenz anmelden. Das in diesem Schiff steckende Anlegergeld geht nun größtenteils baden.

Schiffsfonds nichts für Kleinanleger

Wegen solcher Risiken, die bis hin zum ­Totalverlust der gesamten Einlage führen können, eignen sich Schiffsfonds nicht für Kleinanleger. Trotzdem locken Fondshäuser bereits mit Minibeteiligungen ab 5 000 Euro oder mit monatlichen Ratenzahlungen ab 200 Euro. Schiffsfonds sind aber nur etwas für vermögende Investoren, die einen Kapitalverlust verschmerzen können.

So wie Frank Helm*, der sich auf unsere Umfrage zum Thema Schiffsfonds meldete: „Beim Abschluss der Verträge war ich mir über die Risiken im Klaren und habe ­daher nur Geld investiert, für das ich Risiko eingehen wollte.“ Helm hat fünf Schiffsfonds gezeichnet, die momentan nicht besonders gut laufen. Trotzdem bleibt er ganz entspannt.

Anders sieht es aus, wenn Anlegern solche Beteiligungen als sichere Geldanlage oder Altersvorsorge angedient werden und über Risiken nicht aufgeklärt wird. So schreiben uns mehrere Leser, Bankberater und Finanzvermittler hätten ihnen verschwiegen, dass ihre Ausschüttungen viele Jahre lang keine Gewinne seien und im Krisenfall zurückverlangt werden könnten.

Finanztest-Leser Heinz Tamke*, dem die comdirect-Bank 2008 eine Beteiligung am Containerschiff „K-Breeze“ empfahl, soll sogar Geld nachschießen. Die mit einem Schiffskredit in Höhe von 14 Millionen Euro hoch verschuldete Gesellschaft fordert von Anlegern frisches Geld, um nicht unterzugehen. „Im Schreiben stand, dass sonst Insolvenz droht.“ 20 000 Euro investierte der Handwerksmeister in den Fonds des Anbieters Ownership in Hamburg. „Der ­Berater sagte mir, dass die Anlage sicher ist. Hätte ich gewusst, was im Krisenfall auf mich zukommt, hätte ich abgelehnt.“ Nur anderthalb Jahre später war der Fonds in Seenot.

Schlechte Erfahrungen mit seiner 2003 gekauften Beteiligung am Öltanker „Chaleur Bay“ von Hansa Hamburg Shipping machte auch Leser Olaf Karstedt*. „Mein Vermittler hat mir den Einstieg wegen der angeblich sicheren und hohen Rendite empfohlen. Über die Risiken sagte er bei seinem Hausbesuch nichts.“ Die Ausschüttungen wurden schon 2005 reduziert und fielen 2009 ganz aus. Karstedt und viele weitere Finanztest-Leser erhielten inzwischen Post. Sie sollen sich darauf einstellen, bereits erhaltene Ausschüttungen zurückzugeben.

Forderungen prüfen lassen

Nicht immer ist es sinnvoll, Sanierungsvorschläge von Fondshäusern, Treuhändern und Beiräten zu befolgen. Meistens sind Anleger nicht verpflichtet, Zahlungsaufforderungen zu folgen. Es kann dabei weiterer Kapitalverlust drohen. Wegen der schwer einzuschätzenden Rechtslage sollten Anleger sich an einen Fachanwalt wenden, der sich mit Schiffsfonds auskennt.

Anlegerfreundliche Sanierungskonzepte erkennt man unter anderem daran, dass sie nicht nur die Anleger zur Kasse bitten. Auch die beteiligten Fondshäuser, Treuhänder und Reeder sollten sich finanziell beteiligen. Sie können zudem bei drohender Insolvenz auf Vergütungen verzichten, statt diese nur zu stunden und damit die Schulden des Fonds noch weiter zu vergrößern.

Raue Sitten bei Dr. Peters

Rau sind die Sitten beim Fondshaus Dr. Peters. Hier werden Anleger verklagt, wenn sie Ausschüttungen nicht innerhalb von drei Monaten zurückgeben.

Das Ehepaar Laible will trotzdem nicht zahlen. Ihr Anwalt Patrick Zagni bezweifelt die Behauptung von Dr. Peters, dass erhaltene Ausschüttungen im Krisenfall als „Darlehen“ gekündigt und zurückgefordert werden können. Zudem will er prüfen, ob die Laibles von der Sparkasse falsch beraten wurden und deshalb Anspruch auf Schadenersatz haben.

Andere Fondshäuser teilen in der Krise mit, Ausschüttungen seien nur vorzeitige „Entnahmen“ gewesen. Aus Haftungsgründen müssten diese zurückgeführt werden. Wieder andere fordern Anleger auf, frisches Geld zu geben, auch wenn keine Nachschusspflicht besteht. In beiden Fällen müssen Anleger vorher mehrheitlich zustimmen. Aber auch die mehrheitliche Zustimmung zwingt Anleger nicht zu zahlen.

Kommt nicht genug Geld in die Krisenkasse, steigt zwar das Risiko eines Kapitalverlusts durch Insolvenz. Doch gute Sanierungskonzepte kalkulieren von vornherein mit ein, dass ein Teil der Anleger nicht zahlen wird. Manchmal besteht die Chance, dass stattdessen Fondshäuser, Reeder und Banken einspringen.

Beim in Not geratenen Container-Mehrzweckfrachter „Agaman“ des Fondsanbieter König & Cie in Hamburg klappte das nicht. Hier kam von den Anlegern nur gut die Hälfte der benötigten 1,35 Millionen ­Euro zusammen. Das Schiff musste deshalb mit einem Verlust für Anleger notverkauft werden. Im schlimmsten Fall kann ein Fonds auch pleitegehen. Dann ist damit
zu rechnen, dass Insolvenzverwalter Ausschüttungen zurückfordern.

„Kapitalnachschüsse sollten auf ein Treuhandkonto erfolgen, damit Anleger dieses Geld zurückerhalten, wenn für die Sanierung nicht genug zusammenkommt“, rät Rechtsanwalt Peter Mattil aus München.

Die bittere Pille Neukapital wird meistens appetitlich als „Vorzugskapital“ verpackt, das mit hoher Verzinsung bis zu 10 Prozent lockt. Satte 10 Prozent versprechen MPC Capital und Reeder Claus-Peter Offen den Anlegern des Flottenfonds Santa A, der stattliche 40 Prozent Neukapital benötigt. Doch ob die später tatsächlich erwirtschaftet werden und ob die Fondsrettung nachhaltig gelingt, steht in den Sternen.

Das wissen auch die Laibles. Ihr Rechtsanwalt soll jetzt verhindern, dass ihre gesamte Altersvorsorge im Meer versinkt. Zagni will von der Raiffeisenbank Schadenersatz wegen Falschberatung fordern.

*Namen geändert.

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