Schenken statt vererben Special

Wer sein Vermögen - oder zumindest Teile davon - schon zu Lebzeiten unter seinen Erben aufteilen möchte, sollte sich beeilen. Denn einige Steuervorteile, die dadurch entstehen, könnten schon bald wegfallen. Dazu gehören etwa die günstigen Bewertungsregeln für vorhandenes Betriebsvermögen, Lebensversicherungen und Grundstücke. Finanztest sagt, wie Vermögende beim Vererben Steuern sparen und was sich möglicherweise schon bald ändert.

Unterschiedliche Freibeträge

Wer sein Vermögen zu Lebzeiten verteilen möchte, sollte alle 10 Jahre Teile davon an die Erben verschenken. Grund: Alle zehn Jahre bleiben Geschenke innerhalb bestimmter Freibeträge steuerfrei. Die Höhe der Freibeträge ist abhängig vom Verwandtschaftsgrad zum Schenker.

Unterschiedliche Steuerwerte

Die Finanzbehörde errechnet für die Geschenke bestimmte Steuerwerte. Nach Abzug des entsprechenden Freibetrags ermittelt die Steuerbehörde dann die fällige Schenkungssteuer. Bleibt der Wert unterhalb der Freibeträge, muss der Beschenkte für das vorzeitige Erbe keine Steuern zahlen. Um den Steuerwert von Vermögensgegenständen zu ermitteln, gibt es unterschiedliche Bewertungsgrundlagen:

  • Aktien und Aktienfonds. Als Vermögenswert setzt das Finanzamt den Börsenkurswert der Papiere an. Neben dem Freibetrag gibt es keine Vergünstigungen. Eine Möglichkeit, weitere Steuern zu sparen: Das Depot wird mit der Auflage übertragen, das Geld zu einem bestimmten Grundstückskauf zu verwenden und dieses anschließend zu bebauen.
  • Immobilien. Sie sind steuerbegünstigt. Das Finanzamt setzt meist nicht den vollen Verkehrswert, sondern nur 40 bis 60 Prozent davon als Steuerwert an.
  • Betriebsvermögen. Es ist derzeit am stärksten begünstigt, egal ob es sich um Einzelunternehmen oder Anteile an Personen- sowie nicht notierten Kapitalgesellschaften handelt. Der Steuerwert beträgt meist weniger als 60 Prozent des eigentlichen Wertes des Betriebsvermögens. Bevor die Finanzbehörde die Steuerschuld berechnet, zieht sie noch einen Freibetrag von 256.000 Euro und dann zusätzlich 40 Prozent Bewertungsabschlag ab.
  • Lebensversicherung. Wird die demnächst fällige Lebensversicherung verschenkt, bewertet die Finanzbehörde diese auf Antrag wahlweise mit dem Rückkaufswert oder mit zwei Dritteln der eingezahlten Beiträge (günstiger bei langfristigen Verträgen).

Mögliche Änderungen

Das Bundesverfassungsgericht muss entscheiden, ob diese unterschiedliche Bewertung verfassungswidrig ist. Bis dahin setzt das Finanzamt die Schenkungs- und auch die Erbschaftssteuer nur vorläufig fest. Doch egal wie das Urteil ausfällt: Rückwirkende Nachzahlungen müssen Betroffene aufgrund des Vertrauensschutzes kaum befürchten. Schließlich gibts den Paragraph 176 Absatz 1 der Abgabenordnung: Das Finanzamt kann keine höhere Steuer festsetzen, als zuvor im vorläufigen Bescheid.

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