Können eine evangelische Mutter und ein musli­mischer Vater, die getrennt leben, sich nicht über die Religion ihres Kindes einigen, müssen sie abwarten. Zwar kann jeder der beiden beantragen, allein die Entscheidungs­befugnis zu bekommen. Doch selbst dann bleibt das Problem, dass das Kind beim jeweils anderen die andere Religion erlebt und dadurch in ein Spannungs­verhältnis gerät. Eine frühe Entscheidung entspricht nicht dem Kindes­wohl, urteilte das Ober­landes­gericht Karls­ruhe.

Der dreijäh­rige Junge könne Religions­fragen noch nicht sinn­voll verstehen, sondern ahme die Eltern nach. Es sei zu früh, ein so kleines Kind endgültig in eine Religions­gemeinschaft zu integrieren (Az. 20 UF 152/15). Ähnlich hatte zuvor das Ober­landes­gericht Hamm bei zwei acht­jährigen Kindern (Az. 12 UF 53/14) entschieden. Nach dem Gesetz dürfen Kinder ab 14 Jahre über ein religiöses Bekennt­nis für sich selbst entscheiden.

Dieser Artikel ist hilfreich. 3 Nutzer finden das hilfreich.