Scheidung Special

In jeder dritten Ehe ist es nicht der Tod, der zwei Menschen scheidet. Da macht es ein Richter. Eine Scheidung hat recht­liche Folgen. Die sollte kennen, wer von seinem Expartner nicht über­vorteilt werden will.

Sorgerecht, Wohnung, Unterhalt, Versorgungs­ausgleich: Bei einer Scheidung geht es um viel. Da heißt es: Besonnen handeln, keinen Irrtümern aufsitzen.

Irrtum: Die Kinder bleiben auf jeden Fall bei mir.

Nein. Wo die Kinder bleiben, entscheiden nicht Sie allein. Heute behalten beide Eltern­teile das Sorgerecht nach der Scheidung. Falls Sie sich mit Ihrem Expartner nicht über den Aufenthalts­ort Ihres Kindes einigen können, muss das Familien­gericht entscheiden. Es prüft, was für das Wohl des Spröss­lings am besten ist. Kinder über 14 haben ein Mitspracherecht. Auch jüngere ab drei Jahre hört das Gericht im Rahmen des Verfahrens fast immer mit an.

Irrtum: Mir gehört die Wohnung, ich kann damit machen, was ich will.

Das stimmt, allerdings gibt es in der Trennungs­zeit bis zur Scheidung Besonderheiten. Sind Sie Eigentümer der Wohnung, und will Ihr Expartner mit Ihren gemein­samen Kindern darin wohnen bleiben, kann das Familien­gericht ihm für eine Über­gangs­zeit die alleinige Nutzung zusprechen. Voraus­gesetzt, es ist für das Wohl der Kinder am besten. Dann müssen Sie also aus Ihrer Wohnung ausziehen. Für die Zeit nach der Scheidung trifft das Familien­gericht eine solche Regelung aber nur im Ausnahme­fall.

Irrtum: Ich sehe nicht ein, Unterhalt für meinen Expartner zu zahlen. Ich höre einfach auf zu arbeiten.

Fehl­anzeige. Sie können Ihren Unter­halts­pflichten nicht entgehen, indem Sie das Arbeiten einstellen. Wer seinen Job einfach an den Nagel hängt, wird so behandelt, als würde er noch arbeiten. Das Gericht setzt für die Berechnung der Unter­halts­zahlung ein fiktives Einkommen an. Daneben drohen strafrecht­liche Sanktionen bis hin zur Gefäng­nisstrafe, wenn sich jemand vorsätzlich seiner gesetzlichen Unter­halts­pflicht entzieht.

Irrtum: Ein harter Anwalt wird es schon richten.

Das kann nach hinten losgehen, wenn der Anwalt dazu beiträgt, dass sich das Verhältnis zu Ihrem Noch-Ehepartner verhärtet. Dann kommunizieren Sie nur noch über Anwälte und liefern sich am Ende einen jahre­langen Scheidungs­krieg. Der kostet Nerven, Lebens­qualität und viel Geld.

Irrtum: Niemand kann mich zwingen, den empfangenen Unterhalt zu versteuern.

Doch, Ihr Expartner, der Ihnen Unterhalt zahlt. Er kann Sie notfalls durch ein Gerichts­urteil zwingen, den Unterhalt im Rahmen Ihrer Einkünfte zu versteuern. Nur unter dieser Voraus­setzung darf er die Zahlungen an Sie steuerlich absetzen. Sofern er Ihnen alle finanziellen Nachteile ausgleicht, sind Sie verpflichtet, dem Real­splitting zuzu­stimmen. Prüfen Sie sorgfältig, welche Folgen die Versteuerung für Sie hat. Unter­schreiben Sie die Anlage U für Unterhalt nur, wenn der Expartner Ihnen alle damit verbundenen Nachteile ausgleicht.

Irrtum: Das Gericht regelt bei der Scheidung auto­matisch alles.

Nein. Das Gericht führt in der Regel nur den Versorgungs­ausgleich auto­matisch durch, also den Ausgleich der während der Ehe erwirt­schafteten Renten­ansprüche. Ob Sie und Ihre Kinder Unterhalt bekommen, welches Aufenthalts­bestimmungs- und Umgangs­recht mit den Kindern gilt und welcher Zugewinn­ausgleich (Ausgleich des Vermögens, das Sie während der Ehe erwirt­schaftet haben) – all das regelt der Richter nur, wenn Sie es beantragen. Die Scheidung verzögert sich dadurch. Außerdem müssen zur Klärung der Fragen beide Seiten durch einen Anwalt vertreten sein. Eine einvernehmliche Scheidung mit nur einem Anwalt ist somit ausgeschlossen.

Irrtum: Mein Ex verdient so viel. Er muss meine Rente sichern.

Das ist kein Auto­matismus. Falls Ihr Expartner als Selbst­ständiger gut verdient, aber nichts für seine Alters­vorsorge tut, erwirbt er auch keine Renten­ansprüche. Folge: Im Rahmen des Versorgungs­ausgleichs muss er auch nichts an Sie abtreten. Im schlimmsten Fall kann es sogar passieren, dass Sie einen Teil Ihrer erworbenen Renten­ansprüche an ihn abtreten müssen, obwohl Sie weniger verdient haben.

Irrtum: Die Schulden haben wir für sein Auto aufgenommen. Also soll gefäl­ligst er den Kredit abzahlen.

Wenn Sie den Vertrag mit unter­schrieben haben, müssen Sie für die Raten gerade­stehen. Der Bank ist es egal, was Sie mit dem Darlehen finanziert haben. Sie kann sich wahl­weise an Sie oder Ihren Expartner wenden. Sie können allenfalls versuchen, sich mit ihm zu einigen. Verpflichtet ist er nicht, den Kredit allein abzu­zahlen.

Irrtum: Mein Filius bekommt keinen Unterhalt mehr von mir. Er kann im Studium nebenher verdienen.

Während seiner Erst­ausbildung müssen Sie Ihren Sohn finanziell unterstützen. Schon gar nicht ist er verpflichtet, Sie bei Ihren Unter­halts­zahlungen zu entlasten. Er muss sein Studium aber einigermaßen zügig durch­ziehen. Das Studium unnötig in die Länge ziehen darf er auf Ihre Kosten nicht.

Irrtum: Wenn mein Expartner mit seiner neuen Liebe zusammen­wohnt, soll doch die für ihn zahlen.

So einfach geht es nicht. Wenn Ihre Exfrau oder Ihr Exmann mit einem neuen Partner zusammen­wohnt, heißt das nicht auto­matisch, dass Sie keinen Unterhalt mehr leisten müssen. Erst nach einer gewissen Zeit – in der Regel zwei bis drei Jahre – können Sie die Zahlungen einstellen. Bis dahin spielt das Einkommen des neuen Part­ners Ihres Exgatten keine Rolle. Sie müssen wohl oder übel weiterzahlen.

Irrtum: Beratung durch einen Rechts­anwalt kann ich mir sparen.

Scheidung Special

Ratgeber für Trennung und Scheidung. 193 Seiten, 16,80 Euro (www.test.de/shop).

Nein, nicht immer. Im Internet und in Ratgebern finden sich zwar viele nützliche Infos, sie sind jedoch allgemeiner Art. Sie behandeln nicht Ihren persönlichen Fall. Sie sollten zum Beispiel wissen, wie hoch Ihre gesetzlichen Unter­halts­ansprüche sind. Erst mit dieser Information können Sie entscheiden, ob Sie sich mit Ihrem Expartner auf einen Unterhalt verständigen wollen, der von den gesetzlichen Ansprüchen abweicht. Das gilt auch, wenn Sie einen Vertrag vorgelegt bekommen, mit dem Sie auf den Zugewinn- oder Versorgungs­ausgleich verzichten sollen.

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