Scheidung Special

Trennung und Scheidung lösen eine Vielzahl recht­licher Folgen aus. Nur wer seine Rechte kennt, kann sie optimal wahren. In manchen Situationen ist es wichtig, schnell zu handeln. Hier erfahren Sie das Wichtigste rund um Trennungs­jahr, die Kosten einer Ehescheidung, das Sorgerecht und den Unterhalt. Und die Experten von Finanztest räumen auf mit den größten Irrtümern rund um die Scheidung.

Scheidung – das Wichtigste in Kürze

Die wichtigsten Tipps

Trennungs­jahr. Eine Scheidung ist normaler­weise frühestens nach einem Jahr Trennung der Partner „von Tisch und Bett“ möglich.

Verfahrens­dauer. Soll eine Scheidung schnell über die Bühne gehen, sollten Unter­halts­fragen und Zugewinn­ausgleich in gesonderten Verfahren geklärt werden.

Kosten senken. Bei einer Scheidung müssen sich nicht beide Partner anwalt­lich vertreten lassen. Nimmt sich nur einer einen Anwalt, weil sich die Ex-Partner über die Scheidungs­folgen einig sind, senkt das die Kosten.

Sorgerecht. Das gemein­same Sorgerecht von Eltern für ein gemein­sames Kind bleibt über die Scheidung hinaus bestehen.

nach oben

Scheidung – Ablauf und Kosten

Eine Scheidung kann erst erfolgen, wenn die Ehe zerrüttet ist. Das heißt: Die Lebens­gemeinschaft darf nicht mehr bestehen und es kann auch nicht erwartet werden, dass sie wieder­hergestellt wird. Die Zerrüttung wird meist dadurch deutlich, dass die Ex-Partner eine bestimmte Zeit getrennt gelebt haben. Wichtig ist die „Trennung von Tisch und Bett“. Die Ex-Partner müssen getrennt wirt­schaften und ihre sexuelle Beziehung aufgegeben haben. Es sollten keine gemein­samen Aktivitäten mehr in der Frei­zeit statt­finden. Die Trennung kann auch in der gemein­samen Wohnung voll­zogen werden. Wollen beide Partner die Scheidung, gilt die Ehe als zerrüttet, wenn sie ein Jahr in diesem Sinne getrennt gelebt haben. Will nur einer von Ihnen die Scheidung, wird erst nach einer dreijäh­rigen Trennungs­zeit gesetzlich vermutet, dass die Ehe zerrüttet ist.

Dauer des Scheidungs­verfahrens

Wie lange sich eine Scheidung hinzieht, hängt vom Arbeits­volumen beim zuständigen Gericht ab. Das Verfahren kann zwischen sechs und zwölf Monaten ab Einreichen des Scheidungs­antrags dauern. Zu beachten ist, dass häufig schon mehrere Monate vergehen, bis die Informationen für den Versorgungs­ausgleich, den Ausgleich der jeweiligen Renten­ansprüche, vom Versorgungs­träger einge­holt sind. Details im Special Versorgungsausgleich. Das Verfahren lässt sich um zwei bis drei Monate verkürzen, wenn Paare diese Informationen bereits im Vorfeld beschaffen. Noch schneller geht es, wenn die Ex-Partner vor dem Scheidungs­antrag in einer notariellen Vereinbarung auf den Versorgungs­ausgleich verzichtet haben. Aber das sollten sie nicht ohne einge­hende Beratung tun.

Tipp: Wollen Sie die Scheidung möglichst schnell hinter sich bringen, verzichten Sie auf die Klärung von Unter­halts­fragen und Zugewinn­ausgleich im Scheidungs­verfahren. Sofern eine gericht­liche Klärung strittiger Scheidungs­folgen unver­meid­bar ist, machen Sie diese Punkte in gesonderten Verfahren vor Gericht geltend. Das wird zwar etwas teurer, geht aber schneller.

Das kostet eine Scheidung

Was eine Scheidung insgesamt kostet, hängt vom Streit­wert ab, der sich am Einkommen und Vermögen der Expartner orientiert. Sind beide Partner berufs­tätig, wird ihr zusammenge­rechnetes Netto­einkommen von drei Monaten als Wert zugrunde gelegt. Hinzu kommt ein Zuschlag für den Versorgungs­ausgleich, der sich zwischen mindestens 1 000 und 3 000 Euro bewegt.

Beispiel: Der Ehemann verdient 3 000 Euro netto pro Monat, die Ehefrau 2 000 Euro. Der Streit­wert ist dann 5 000 Euro x 3 Monate = 15 000 Euro. Wenn noch 1 000 Euro für den Versorgungs­ausgleich hinzukommen, liegt der Streit­wert bei 16 000 Euro. Inklusive Gerichts­kosten in Höhe von in diesem Fall 586 Euro belaufen sich die Kosten auf insgesamt rund 4 500 Euro. Sie lassen sich auf etwa 2 500 Euro reduzieren, wenn nur ein Partner einen Anwalt einschaltet.

Faust­regel: Je mehr Ehegatten vor dem Scheidungs­antrag geregelt haben, desto güns­tiger wird es.

Wenn das Geld für die Scheidung fehlt

Expartner, die befürchten, die Scheidungs­kosten nicht aufbringen zu können, sollten früh­zeitig über einen einge­schalteten Anwalt einen Antrag auf Verfahrens­kosten­hilfe stellen. Dabei müssen die wirt­schaftlichen Verhält­nisse offengelegt werden, zum Beispiel durch einen Arbeits­losengeld-II-Bescheid oder durch einen Bescheid über Grund­sicherungs­leistungen. Sind die Voraus­setzungen erfüllt, über­nimmt der Staat die gesetzlichen Anwalts- und Gerichts­kosten. Achtung: Wenn der Antrag­steller inner­halb von vier Jahren nach der Scheidung wieder mehr verdient oder auf andere Weise zu Geld kommt, beispiels­weise durch den Verkauf des gemein­samen Familien­heims, kann der Staat die Verfahrens­kosten­hilfe zurück­fordern.

Alles rund um Ehe, Part­nerschaft, Familie und Trennung

Umfassende Infos Scheidungsratgeber der Stiftung Warentest
Patchwork­familien So sorgen Patchworkfamilien rechtlich vor
Part­nerschafts­vertrag Die wichtigsten Fakten zum Partnerschaftsvertrag
Ehevertrag Die wichtigsten Fakten zum Ehevertrag
Gemein­same Kinder Die Regeln des Sorgerechts
Scheidung So wird die Scheidung nicht unnötig teuer

Für den Antrag reicht ein Anwalt

Nicht zwingend muss jeder Partner einen eigenen Rechts­beistand einschalten. Ganz ohne Anwalt geht es nach deutschem Recht aber nicht. Denn den Scheidungs­antrag beim Gericht können die Expartner nur über einen Anwalt einreichen. Sind sie sich über die Scheidungs­folgen einig, reicht es, wenn einer der Partner einen Anwalt beauftragt, der den Scheidungs­antrag stellt. Der andere benötigt dann keinen eigenen Anwalt, um dem Scheidungs­antrag vor Gericht zuzu­stimmen. Bei einer einvernehmlichen Scheidung lassen sich beim Verzicht auf einen Anwalt unterm Strich leicht mehrere 1 000 Euro sparen.

Das gemein­same Konto besteht noch

Haben die Noch-Ehegatten ein Gemein­schafts­konto, über das beide verfügungs­berechtigt sind, dürfen beide Partner ohne Zustimmung des anderen bis zur Höhe des einge­räumten Dispositions­kredits Geld abheben. Ratsam ist jedoch, schon während der Trennungs­zeit separate Konten zu unterhalten. Denn wirt­schaften beider weiter aus einer Kasse, kann dies als Indiz gegen ihr Getrennt­leben gewertet werden. Dies ist jedoch Voraus­setzung für die Scheidung. Problematisch kann das Beibehalten eines Gemein­schafts­kontos dann werden, wenn nur ein Partner die Scheidung will.

Über die Ehewohnung einig werden

Am besten einigen sich Paare einvernehmlich darüber, wer in der gemein­samen Wohnung oder im gemein­samen Haus bleibt. Denn grund­sätzlich können beide Partner die Nutzung der Wohnung bean­spruchen, wenn beide den Miet­vertrag unter­schrieben haben. Dasselbe gilt, wenn ihnen zusammen ein Haus oder eine Wohnung gehört. Haben Paare Kinder, ist es zu deren Wohl meist am besten, wenn der betreuende Partner vor­erst in der Wohnung bleiben kann. Können sie sich während der Trennungs­zeit nicht über die Nutzung der Wohnung einigen, muss das Familien­gericht sie einem Partner zuweisen. Allerdings sind die Hürden dafür sehr hoch. Voraus­setzung ist, dass es für einen Partner unzu­mutbar ist, mit dem anderen weiter unter einem Dach zu leben, zum Beispiel, weil der andere erwiesenermaßen gewalt­tätig ist. Das Familien­gericht prüft in so einem Fall, welchen Partner es weniger belastet, aus der gemein­samen Wohnung ausziehen zu müssen.

Das gemein­same Sorgerecht bleibt

Trennung und Scheidung ändern nichts daran, dass beide Eltern­teile weiter das gemein­same Sorgerecht haben. Ratsam ist es daher, wenn sie gemein­sam entscheiden. Größere Kinder sollten sie bei der Frage mit einbeziehen, bei welchem Eltern­teil sie ihren Haupt­wohn­sitz in Zukunft haben wollen. Ist eine Einigung über den Aufenthalts­ort und andere die Kinder angehenden Fragen mit dem Partner nicht möglich, kann jeder Partner vor Gericht einen Antrag auf Allein­sorge stellen. Aussicht auf Erfolg hat der Partner, auf den die Über­tragung der elterlichen Allein­sorge für das Wohl eines Kindes am besten ist (Die Regeln des Sorgerechts).

Unterhalt in Trennungs­zeit und nach Scheidung

Grund­sätzlich gilt, dass ein Partner vom anderen in der Trennungs­zeit und nach der Scheidung nur Unterhalt fordern kann, wenn er selbst außer­stande ist, sich selbst zu unterhalten. Zahlen muss der andere aber auch in diesem Fall nur, wenn sein eigener Unterhalt dadurch nicht gefährdet wird. Unter Berück­sichtigung dieser Grund­sätze kann der Eltern­teil, der die gemein­samen Kinder betreut, oder derjenige, der weniger als sein Expartner verdient, einen Anspruch auf Unterhalt haben. Auch Alter, Krankheit oder Arbeits­losig­keit eines Part­ners können gegen­seitige Unter­halts­ansprüche auslösen. Dabei wird jetzt auch wieder stärker berück­sichtigt, wie lange die Ehe bestanden hat. Wenn ein Eltern­teil abtaucht, unbe­kannt oder zahlungs­unfähig ist, streckt der Staat Unterhalt für Kinder vor – seit Juli 2017 sogar bis zum 18. Geburts­tag (Unterhaltsvorschuss für Alleinerziehende). Die Regelung hilft auch Halb­waisen, wenn die Hinterbliebenenrente geringer als der Mindest­unterhalt ist.

Tisch, Bett, Auto – und das Haus

Im Prinzip gilt für Wasch­maschine, Staubsauger, Wohnungs­einrichtung und andere Gegen­stände, die Paare während Ihrer Ehe gemein­sam genutzt haben: Alles, was ein Partner mit in die Ehe einge­bracht oder während dieser Zeit von seinem Geld ange­schafft hat, gehört allein ihm. Er kann die Sachen behalten beziehungs­weise mitnehmen, wenn es zur Trennung kommt. Was Partner gemein­sam ange­schafft haben, gehört im Rahmen der Zugewinn­gemeinschaft hingegen beiden. Über den Verbleib solcher Gegen­stände müssen sie sich einigen. Funk­tioniert das nicht, muss das Familien­gericht darüber entscheiden. Die Küchen­einrichtung und das Esszimmer werden dann im Regelfall dem Partner zugesprochen, bei dem die minderjäh­rigen Kinder leben. Beim gemein­samen Auto hängt es davon ab, wie es bisher genutzt wurde. Gehört das Haus oder die Wohnung beiden je zur Hälfte, bleibt es auch nach der Trennung und Scheidung bei den bisherigen Eigentums­verhält­nissen. Verkauft werden kann die Immobilie nur, wenn beide Partner einverstanden sind. Erst nach Ablauf des Trennungs­jahrs, spätestens jedoch nach der Scheidung, kann der Verkauf des Hauses gegen den Willen eines Part­ners durch­gesetzt werden.

Versorgungs­ausgleich – Rente nach der Scheidung

Ansprüche auf Rente, Pension und betriebliche Alters­vorsorge, die jeder Partner während der Ehe für sich erworben hat, werden unter­einander über den sogenannten Versorgungs­ausgleich ausgeglichen. Verdiente ein Partner mehr als der andere und hat er daher höhere Renten- oder Pensions­ansprüche, muss er die Hälfte der Differenz zu den von seinem Expartner erworbenen Ansprüchen abtreten. Die Auszahlung erfolgt aber erst im Alter, wenn Rentenzah­lungen und Pensionen fällig werden. Ehepartner können auch eigene Vereinbarungen zur Gestaltung ihrer Alters­versorgung bei einer Scheidung treffen. Voraus­setzung: Ein Notar beur­kundet sie etwa als Teil eines Ehevertrags oder einer Scheidungs­folgen­ver­einbarung oder das Familien­gericht protokolliert die getroffenen Vereinbarungen noch während des Scheidungs­verfahrens (mehr Infos zum Versorgungsausgleich).

Gemein­same Schulden bleiben gemein­sam

Wenn beide Partner gemein­sam einen Kredit­vertrag unter­schrieben haben, haften sie auch gemein­sam für die Rück­zahlung. Die Bank kann sich also wahl­weise an den einen oder anderen wenden, wenn die Raten nicht pünkt­lich bezahlt werden. Sofern das Einkommen nach der Trennung nicht mehr reicht, um die Kreditraten zu begleichen und die Bank auch nicht über eine Reduzierung der Raten mit sich verhandeln lässt, sollte möglichst umge­hend ein Termin bei einer Schulden- und Insolvenzberatungs­stelle vereinbart werden. Oftmals ist ein Antrag auf ein Verbraucherinsolvenz­verfahren die einzige Chance, der Schuldenfalle zu entkommen.

So verringern Sie Konflikte

Am besten vermeiden Paare in Trennung Konflikte, wenn sie möglichst viel im Vorfeld regeln. Dazu ist zunächst Voraus­setzung, dass sich die Partner mit der Rechts­lage rund um Trennung und Scheidung vertraut machen. Sie müssen ihre Rechte kennen, um sie wahren zu können. Ratsam ist daher, sich früh­zeitig fach­kundig beraten zu lassen. Wenn beide Ihre Rechts­position und die zu klärenden Fragen kennen, sollten sie das Gespräch suchen und beider Vorstel­lungen von den Trennungs­folgen austauschen. Ein geschulter Mediator kann in diesem Stadium helfen, zum Beispiel bei unterschiedlichen Vorstel­lungen Lösungs­vorschläge zu unterbreiten, die beide akzeptieren können. Sind sie sich dann über die wesentlichen Punkte – Unter­halts­fragen, Zugewinn- und Versorgungs­ausgleich, Aufenthalt der Kinder – einig, kann dies in einer schriftlichen Vereinbarung fest­gehalten werden. Wenn Rege­lungen zur gemein­samen Immobilie getroffen werden sollen, müssen die Expartner dafür einen Notar einschalten. Das Geld für Mediator und Notar ist meist gut investiert, wenn die Scheidung am Ende ohne einen langen Rosenkrieg über die Bühne geht.

Versicherungen gelten bis zur Scheidung

Zwischen der Trennungs­zeit und der Zeit ab der Scheidung ist bei Versicherungen zu unterscheiden: Während der Trennungs­zeit bleibt bezüglich der Versicherungen grund­sätzlich alles beim Alten. Bei der Hausrat­versicherung für die Familien­wohnung ist allerdings zu beachten, dass der ausziehende Partner eine neue Police für seine neue Wohnung benötigt. Bei dem Partner, der in der früheren Ehewohnung bleibt, mindert sich unter Umständen der zu versichernde Wert, wenn der andere beim Auszug wert­volle Einrichtungs­gegen­stände mitgenommen hat. Die Police sollte daher entsprechend angepasst werden. Das spart Beiträge. Vor dem Scheidungs­termin gehören alle Versicherungen auf den Prüf­stand. Wichtig zu wissen ist, dass ab der Scheidung der Anspruch auf Mitversicherung in der gesetzlichen Kranken­versicherung erlischt. Wer über seinen Expartner bis dato mitversichert war, muss inner­halb von drei Monaten nach der Scheidung eine eigene Kranken­versicherung abschließen. Für privat Kranken­versicherte ändert sich hingegen grund­sätzlich nichts. Wer mit einem Beamten verheiratet war, muss allerdings beachten, dass mit Rechts­kraft der Scheidung sein Beihilfe­anspruch erlischt. Wichtig ist daher, den Versicherungs­anspruch in der privaten Kranken­versicherung recht­zeitig aufzusto­cken beziehungs­weise zu versuchen, in eine gesetzliche Kranken­versicherung zu wechseln (Special Scheidung und Versicherungen).

Paare in Trennung beim Finanz­amt

Im Trennungs­jahr ändert sich hinsicht­lich der Steuer erst einmal nichts. Paare können wie zuvor eine gemein­same Steuererklärung abgeben. Sie werden noch wie Verheiratete behandelt und können vom Splitting­tarif profitieren. Wahl­weise können sie aber auch die Einzel­ver­anlagung wählen. Dann werden sie wie Singles besteuert, was im Regelfall jedoch eher nach­teilig ist. Es lohnt sich, gemein­sam zu über­legen, wie sich die Scheidungs­folgen drücken lassen (So wird die Scheidung nicht unnötig teuer). Nach der Scheidung werden Geschiedene wie Singles behandelt. Jeder muss also eine eigene Steuererklärung abgeben. Für den Unter­halts­pflichtigen besteht jedoch die Möglich­keit, durch das Real­splitting Steuern zu sparen. Dafür muss er beim Finanz­amt eine Anlage U (= Anlage Unterhalt) zur Steuererklärung abgeben. Seine Zahlungen an den Expartner werden dann bis zu 13 805 Euro pro Jahr berück­sichtigt. Voraus­setzung ist, dass der Zahlungs­empfänger dem Antrag zustimmt und die Anlage U mit unter­schreibt. Außerdem muss er den Unterhalt bei sich als Einkünfte versteuern. Der Unter­halts­verpflichtete muss ihm den steuerlichen Nachteil und andere Nachteile, wie zum Beispiel höhere Kitabeiträge aufgrund des höheren Einkommens, ausgleichen. Unterm Strich lohnt sich das Real­splitting für den Unter­halts­verpflichteten, weil er einen höheren persönlichen Steu­ersatz als der Zahlungs­empfänger hat.

nach oben

Die großen Scheidungs­irrtümer

Eine Scheidung ist meist schon der Gipfel von viel Streiterei. Aber auch sie selbst kann eine Menge Ärger machen – oft genug, weil die Ex-Partner falsche Vorstel­lungen von ihren Rechten und Pflichten haben. Diese Irrtümer können den Streit noch verschärfen. Wir stellen die häufigsten Scheidungs­irrtümer richtig.

„Paaren gehört alles gemein­sam. Bei der Scheidung wird es geteilt“

Das stimmt nicht. Für Eheleute gilt der gesetzliche Güter­stand der Zugewinn­gemeinschaft, sofern sie nichts anderes in einem Ehevertrag vereinbaren. Bei der Zugewinn­gemeinschaft gehört das Vermögen, das ein Partner zu Beginn der Ehe hat, weiterhin ausschließ­lich ihm. Was ein Partner während der Ehe verdient, ist ebenfalls zunächst einmal seins. Erst wenn die Ehe geschieden wird, kommt es zum Zugewinn­ausgleich. Aber nur, wenn die Ehepartner dies wollen, er wird nicht auto­matisch vom Gericht durch­geführt. Zugewinn­ausgleich heißt: Das Vermögen, das Ehepartner während der Ehe erwirt­schaften, wird gleich­mäßig auf beide verteilt.

Zugewinn­ausgleich. Für die Berechnung des Zugewinns muss für jeden Partner folgende Frage beant­wortet werden: Wie hoch ist die Differenz zwischen seinem Vermögen zu Beginn der Ehe und an deren Ende? Stichtage sind die Eheschließung und der Tag, an dem der Scheidungs­antrag zugestellt wird. Derjenige, der am Ende der Ehe mehr Vermögen als am Anfang besitzt, muss dem anderen die Hälfte als Zugewinn­ausgleich abgeben.

Wert­zuwachs zählt zum Zugewinn. Schenkungen und Erbschaften, die ein Ehepartner während der Ehe erhalten hat, bleiben beim Zugewinn­ausgleich grund­sätzlich außen vor. Zu berück­sichtigen sind jedoch deren Wert­steigerungen. Dasselbe gilt für den Wert­zuwachs einer Immobilie, die einem Partner schon zu Beginn der Ehe gehört hat.

„Gegen den Willen des anderen ist eine Scheidung nicht möglich“

Eine Ehe kann natürlich auch gegen den Willen des Part­ners geschieden werden – und das auch nicht erst nach drei Jahren, wie ein anderer häufiger Irrtum in diesem Zusammen­hang lautet.

Trennungs­jahr. Damit eine Ehe geschieden werden kann, muss sie zerrüttet sein. Das wird bei einer einvernehmlichen Scheidung angenommen, wenn die Partner ein Jahr getrennt gelebt haben. Das Trennungs­jahr soll sicher­stellen, dass die Eheleute es wirk­lich ernst meinen mit der Scheidung und dass keine Aussicht mehr darauf besteht, dass sie sich wieder zusammenraufen.

Einseitige Zerrüttung. Will ein Partner die Scheidung, der andere aber nicht, wird erst nach einer dreijäh­rigen Trennungs­zeit gesetzlich vermutet, dass die Ehe zerrüttet ist. Das heißt aber nicht, dass sie nicht schon vorher geschieden werden kann. Eine Scheidung ist möglich, wenn der Partner, der sich scheiden lassen will, nach­weisen kann, dass die Ehe unter keinen Umständen mehr zu kitten ist. Es gibt nämlich auch eine einseitige Zerrüttung. Denn wie soll eine Part­nerschaft funk­tionieren, wenn einer der beiden die Beziehung nicht mehr führen will? Eine Scheidung vor Ablauf der dreijäh­rigen Trennungs­zeit kommt etwa in Betracht, wenn der scheidungs­willige Partner seit geraumer Zeit mit jemand anderem zusammenlebt.

„Bei einer Scheidung kann ein Anwalt beide Parteien vertreten“

Nein, das geht auf keinen Fall. Ein und derselbe Rechts­anwalt darf nie sowohl den einen als auch den anderen Partner vertreten. Das verbietet die Berufs­ordnung. Schließ­lich geht es um wider­streitende Interessen: Das, was für den einen gut ist, geht zwangs­läufig zulasten des anderen. Das Verbot geht so weit, dass der von dem einen Partner beauftragte Rechts­anwalt den anderen auch nicht beraten oder Informationen heraus­geben darf.

Parteiverrat. Ein Verstoß gegen diesen Grund­satz hat schwerwiegende Folgen für den Rechts­anwalt: Der Anwalt begeht Parteiverrat und damit eine strafbare Hand­lung. Außerdem verliert er seinen Anspruch auf Bezahlung.

Anwalts­zwang. Eine Scheidung ganz ohne Rechts­anwalt funk­tioniert allerdings auch nicht. Mindestens einer der Partner muss sich vertreten lassen, weil nur ein Anwalt den Scheidungs­antrag bei Gericht einreichen kann. Der Anwalt handelt auch in diesem Fall einzig und allein für den Partner, der ihn beauftragt hat.

Geld sparen mit einem Anwalt. Der andere Partner muss sich nicht anwalt­lich vertreten lassen, wenn sich beide über die Scheidungs­folgen einig sind. Allerdings kann er dann im Verfahren keine eigenen Anträge stellen und muss es mehr oder minder über sich ergehen lassen. Sind sich Eheleute im Großen und Ganzen einig, lässt sich viel Geld sparen, wenn nur einer einen Anwalt einschaltet: unterm Strich leicht mehrere Tausend Euro.

„Reicht der Schlechter­verdienende die Scheidung ein, wird es billiger“

Das stimmt nicht. Egal, wer die Scheidung einreicht: Der sogenannte Verfahrens­wert, nach dem sich Anwalts- und Gerichts­kosten bei einer Scheidung richten, wird anhand der Netto­monats­einkommen beider Partner ermittelt. Diese werden addiert und verdreifacht. Für den Versorgungs­ausgleich werden zusätzlich pro Anwart­schaft auf eine Alters­versorgung 10 Prozent des dreifachen Netto­einkommens der Eheleute angesetzt. Denn diesen Ausgleich der während der Ehe erwirt­schafteten Renten­anwart­schaften führt das Gericht regel­mäßig ebenfalls durch. Einige Gerichte ziehen für jedes unter­halts­berechtigte Kind einen Frei­betrag ab, in der Regel 250 Euro. Neben dem Einkommen wird auch das Vermögen berück­sichtigt, um den Verfahrens­wert zu bestimmen.

Beispiel: Laura verdient monatlich 4 000 Euro netto, ihr Mann Simon 2 000 Euro. Sie haben kein anrechen­bares Vermögen. Der Verfahrens­wert berechnet sich wie folgt: (4 000 + 2 000) x 3 = 18 000, zuzüglich zweimal 10 Prozent von 18 000 Euro für den Versorgungs­ausgleich, insgesamt 21 600 Euro. Für zwei unter­halts­pflichtige Kinder werden insgesamt 500 Euro abge­zogen. Der Gegen­stands­wert beträgt also 21 100 Euro. Die Kosten für einen beauftragten Anwalt würden sich auf rund 2 230 Euro belaufen. Wenn beide einen Anwalt haben, wäre es doppelt so viel. Dazu kommen noch die Gerichts­kosten, die nur einmal anfallen und 690 Euro betragen.

„Die Frau bekommt auto­matisch das Sorgerecht für die Kinder“

Das stimmt nicht. Nach einer Scheidung behalten beide Eltern das Sorgerecht für die gemein­samen Kinder. Das ändert sich nur, wenn ein Eltern­teil das alleinige Sorgerecht will und es ihm zugesprochen wird.

Elterliche Sorge. Sorgerecht bedeutet, dass die Eltern für das Kind entscheiden dürfen und müssen. Dabei geht es einer­seits um ganz alltägliche Dinge wie die Frage, wie oft und wann das Kind fernsehen oder ob es ein eigenes Handy haben darf. Anderer­seits geht es aber auch um größere Entscheidungen wie die Frage, welche Kita oder Schule das Kind besuchen soll oder ob es mit den Groß­eltern in den Urlaub fahren darf. Die Eltern müssen das Sorgerecht zum Wohl des Kindes ausüben.

Familien­gericht entscheidet Streit ums Sorgerecht. Kommt es zu einer Scheidung, streiten sich die Eltern manchmal darüber, bei wem das Kind bleibt und wie häufig der Partner das Kind sehen darf, wenn es im Haushalt des anderen lebt. Können die Eltern das Problem nicht selbst lösen, entscheidet das Familien­gericht den Streit. Auf Antrag bestimmt es auch, wem das alleinige Sorgerecht zusteht.

„Es ist schwer, den früheren Namen zurück­zubekommen“

Nach einer Scheidung dürfen die ehemaligen Eheleute jeder­zeit wieder ihren früheren Namen annehmen. Damit der Name geändert wird, muss der Betreffende einen Antrag beim Standes­amt stellen, das heißt, er muss persönlich beim Standes­amt vorsprechen und einige Unterlagen mitbringen: etwa den Scheidungs­beschluss mit Rechts­kraft­vermerk sowie Personal­ausweis oder Reisepass. Wenn der Betreffende seit der Hoch­zeit umge­zogen ist, kommt eine beglaubigte Abschrift aus dem Eheregister beziehungs­weise der Heirats­eintrag der letzten Ehe dazu.

Kosten für die Namens­änderung. Nach einem Umzug ist das Standes­amt am aktuellen Wohn­sitz zuständig, ansonsten das Standes­amt, bei dem die Ehe geschlossen wurde. Die Kosten für die Namens­änderung betragen rund 25 Euro. Beglaubigte Abschriften aus dem Familien­buch kosten 10 Euro. Die Namens­änderung zieht noch weitere Kosten nach sich: Dokumente wie der Personal­ausweis müssen neu beantragt werden.

„Nach der Scheidung gibt es für den Ex-Partner keinen Unterhalt“

Das stimmt oft, aber nicht immer. Seit der Unter­halts­reform im Jahr 2008 muss jeder Partner nach der Scheidung grund­sätzlich wieder allein für seinen Lebens­unterhalt sorgen. Von dieser Regel gibt es allerdings einige Ausnahmen. Ein Anspruch auf Unterhalt auch nach der Ehe besteht zum Beispiel, wenn die Partner jahr­zehnte­lang verheiratet waren und einer der beiden während der Ehe keinen Job ausgeübt hat oder wenn einer der beiden aufgrund seines hohen Alters keine geeignete Arbeits­stelle mehr finden kann.

Unter­halts­pflicht bei Krankheit und Arbeits­losig­keit des anderen. Der Ex-Partner ist auch unter­halts­pflichtig, wenn der andere wegen einer Krankheit oder Behin­derung nicht für den eigenen Lebens­unterhalt sorgen kann oder weil er arbeitslos ist. Außerdem gibt es den sogenannten Aufstockungs­unterhalt, den der Besserverdienende zahlen muss, wenn zwischen den Einkommen der beiden eine große Lücke klafft und der Schlechter­verdienende den während der Ehe geltenden Lebens­stan­dard nicht halten könnte. Unterhalt gibt es auch, wenn der eine Partner nicht arbeiten gehen kann, weil er zu Hause das gemein­same kleine Kind versorgt.

„Unterhalt für den Ex-Partner gibt es nur, bis das Kind drei ist“

Betreuungs­unterhalt. Wenn ein Eltern­teil zu Hause für das gemein­same kleine Kind sorgt, bekommt er vom anderen Partner für die ersten drei Lebens­jahre uneinge­schränkt den sogenannten Betreuungs­unterhalt. Der soll sicher­stellen, dass dem betreuenden Eltern­teil genügend Mittel zur Verfügung stehen, um das Kind versorgen und erziehen zu können. Aber auch im Anschluss daran kann der betreuende Eltern­teil unter bestimmten Voraus­setzungen einen Anspruch auf Unterhalt haben. Bei Streit schaut sich das Familien­gericht den Einzel­fall an.

Wann der Ex-Partner auch nach dem dritten Geburts­tag zahlen muss. Der Ex-Partner muss beispiels­weise dann weiterhin zahlen, wenn er dem anderen zugesagt hat, dass er nicht arbeiten gehen muss, sondern sich um das Kind kümmern kann. Einen Anspruch auf Unterhalt kann es auch dann geben, wenn der betreuende Eltern­teil keine guten Chancen hat, auf dem Arbeits­markt einen geeigneten Job zu finden oder wenn der übliche Tages­ablauf des Betreuenden gar keinen Raum dafür lässt, einer Arbeit nach­zugehen. Wenn das Kind besonders pflegebedürftig ist, kann das ebenfalls dazu führen, dass ein Unter­halts­anspruch über den dritten Geburts­tag hinaus besteht. Betreuungs­unterhalt gibt es übrigens nicht nur für geschiedene Ex-Partner, sondern auch für Unver­heiratete, die sich getrennt haben.

„Wer arbeitslos ist, muss keinen Kindes­unterhalt mehr zahlen“

Das stimmt nicht. Die Pflicht, Unterhalt zu zahlen, bleibt auch bei Verlust des Jobs bestehen. Der Unter­halts­pflichtige darf die Zahlungen nicht von sich aus beenden oder eigenmächtig kürzen. Allerdings muss ihm selbst genug Geld zum Leben bleiben, sodass es sein kann, dass er seine Unter­halts­pflicht praktisch nicht mehr erfüllen kann. Damit in einem solchen Fall die Kinder nicht darunter leiden, gibt es für allein­erziehende Eltern die Möglich­keit, beim Jugend­amt Unter­halts­vorschuss zu beantragen. Diese Sozial­leistung muss der Unter­halts­pflichtige zurück­zahlen, wenn er wieder Geld verdient. Die Pflicht besteht aber nur, wenn er weiß, dass der Ex-Partner Unter­halts­vorschuss beantragt hat.

„Beim Wechselmodell gibt es keinen Kindes­unterhalt“

Das ist falsch. Auch beim Wechselmodell kann es sein, dass der eine dem anderen Partner Kindes­unterhalt zahlen muss. Das hängt zum Beispiel vom Einkommen der Eltern ab.

Wechselmodell. Der Begriff Wechsel- oder Pendelmodell beschreibt, wie Ex-Partner die Betreuung ihrer Kinder regeln können: Diese leben zu gleichen Teilen in wieder­kehrenden Abständen mal bei einem Eltern­teil, mal beim anderen. Bei anderen Modellen leistet der eine Natural­unterhalt in Form von Erziehung, Betreuung und Fürsorge, der andere Barunterhalt als finanzielle Unterstüt­zung. Beim Wechselmodell müssen die Eltern jeweils anteilig Barunterhalt aufbringen, weil sie sich die Betreuung teilen. Der Unter­halts­bedarf des Kindes richtet sich nach den Einkommens- und Vermögens­verhält­nissen beider Eltern. Die Höhe wird anhand der sogenannten Düssel­dorfer Tabelle bestimmt.

Beispiel: Vater Kai verdient monatlich 3 000 Euro netto, Mutter Anne 2 000 Euro. Das gemein­same Einkommen beträgt 5 000 Euro. Kai trägt zu 60 Prozent dazu bei, Anne zu 40 Prozent. In dieser Höhe müssen sie auch den anfallenden Unter­halts­bedarf ihres Kindes decken. Angenommen, der Bedarf beträgt 500 Euro. Dann muss Anne 200 Euro zahlen, Kai 300 Euro.

nach oben

Aus und Vorbei - Hilfe bei Scheidung und Trennung

Scheidung Special

Der Ratgeber für eine möglichst einfache und güns­tige Scheidung. Kennen Sie Ihre Rechte, vermeiden Sie Irrtümer und entlarven Sie fiese Tricks von Scheidungs­anwälten. So leben Sie schnell wieder sorgenfrei.

Dieser Artikel ist hilfreich. 24 Nutzer finden das hilfreich.