Stimmen zur Schaden­regulierung: Sorgfältige Prüfung oder Verzögerungs­taktik?

Böser Verdacht: Versicherer zahlen Geschädigten, die sich häufig nicht wehren können, zu spät und zu wenig Geld. Finanztest hat nachgefragt.

Der Vertreter der Versicherungen

Bernhard Gause, Mitglied der Haupt­geschäfts­führung des Gesamt­verbandes der Deutschen Versicherungs­wirt­schaft.

Eine Versicherung ist im Interesse der Solidar­gemeinschaft der Versicherten angehalten zu prüfen, ob ein Geschädigter Anspruch auf Leistung hat. 99,4 Prozent der Fälle im Schaden-Unfall-Bereich werden reibungs­los reguliert. Wo es vor Gericht geht, fallen in nur 22 Prozent der Fälle Urteile gegen Versicherer. Bei schweren Unfällen sind oft komplexe Beweisfragen zu klären und umfang­reiche Sach­verständigen­gut­achten erforderlich. Bei einer Umfrage des Justiz­ministeriums haben Richter bestätigt, dass die Regulierung insgesamt nicht zu bean­standen ist. Die Antworten der Gerichte und die wenigen Beschwerden bei den Beschwerde­stellen zeigen, dass die Unternehmen Geschädigte nicht schikanieren.

Die Anwältin

Beatrix Hüller, früher Versicherungs­juristin, jetzt Rechts­anwältin, die ausschließ­lich Geschädigte und Versicherte vertritt.

Schikane fängt da an, wo klar ist, dass ein Versicherer zahlen muss, und er trotzdem nach­fragt und ständig neue Belege fordert. Da liegt der Verdacht nahe, dass das reine Verzögerungs­taktik ist, um Geschädigte zu zermürben. Mancher Versicherer spekuliert wohl darauf, dass ein Geschädigter nicht vor Gericht zieht und aufgibt. Schon die Sach­bearbeiter sind in der Regel Voll­juristen, gut geschult und redegewandt. Da haben es Geschädigte schwer. Gut wäre ein besonderer Schaden­ersatz­anspruch gegen Versicherer, wenn diese die Zahlung fälsch­lich verweigern. Ein erhöhter Strafzins könnte Unternehmen aus meiner Sicht moti­vieren, berechtigte Ansprüche schneller zu erfüllen.

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